Regensburger Tagebuch

Notizen von der nördlichsten Stadt Italiens

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Bildung: Unsicherheit über Auslandsaufenthalte anlässlich derGymnasialreform

Durch die Umstellung auf G8 sind viele Abiturienten verunsichert, wann und ob sie einen Auslandsaufenthalt absolvieren sollen.

Gleichzeitig machen die Ministerien für Unterricht und Kultus  Werbung für Auslandsaufenthalte. Sie empfehlen den Schülerinnen und Schülern trotz der Einführung des achtstufigen Gymnasiums einen Auslandsaufenthalt zu absolvieren. erade während der Schulzeit sind die Schülerinnen und Schüler besonders flexibel. Es ist ihnen durch Gastfamilienaufenthalte und Besuch der ausländischen Schule leichter möglich, die Sprache zu vervollständigen und neue Freunde zu gewinnen"

 Magazinbeiträge auf Nachrichtensender klären ferner darüber auf, wie wichtig den Unternehmern solche Aufenthalte sind: weniger wegen spezieller fachlicher Kenntnisse, sondern wegen der Aneignung der so genannten "soft skills". Gemeint ist die Persönlichkeitsentwicklung und die Entwicklung sozialer Kompetenzen. Herausgerissen aus der vertrauten Freundesumgebung muss sich der Studierende in fremder Umgebung auf neue Leute einstellen können, mit ihnen umgehen lernen und sich an die neue Umgebung anpassen können.

Diese soft-skills sind den Arbeitgebern weit wichtiger, als die verbesserten Fremdsprachenkenntnisse. Ähnliches gilt für das Studium: Laut einer Studie des Deutschen Studentenwerks hat mittlerweile fast jeder dritte Student vor Abschluß seines Examens bereits jenseits der deutschen Grenzen studiert oder ein Praktikum gemacht.

Das Dilemma für den Abiturienten wird noch größer, wenn man den Konkurrenzdruck mit einbezieht. Die Schülerzahlen der Weiterbildenden bei den Eckert-Schulen Regenstauf sind in den letzten Semestern regelrecht explodiert, und auch die bundesweit operierende Hessische Fachhochschule "DIPLOMA-SCHULEN" (www.diploma.de) hat einen enormen Zulauf. Ich sage das nicht als Eigenwerbung, denn schon längst ist eine Nachfrage nach Dozenten eingetreten, dass ich die nächsten Semester mit einer 6-Tage-Woche (Vorlesungen jeden Samstag bei der DIPLOMA) ausgebucht bin und weitere Anfragen ablehnen muss. Ich kann also Eigeninteresse darauf hinweisen, dass sich ein enormes Interesse an Weiterbildung und Fortbildung entwickelt hat.

Was ist aber nun mit der Umstellung auf G8?

Durch die Umstellung auf das zwölfstufige System sind interessierten Schüler verunsichert, in welchem Jahr sie den Aufenthalt machen sollen, so dass sie sich nach der Rückkehr wieder eingliedern können. Die bisherigen Erfahrungwerte und üblichen Vorgehensweisen passen nicht mehr.

In Regensburg befindet sich die Wiege der internationalen Terra-Lingua-Netzwerks (Terre des Langues international), initiert von Petra Schmidt, gleichzeitig leitende Vorsitzende des deutschen Mitglieds "Terre des Langues e.V." (Simmernstraße)



Frau Schmidt hat über 20 Jahre Erfahrung auf dem Gebiet Schülersprachreisen, Schülerauslandspraktika und vor allem: Schuljahresaufenthalte im Ausland (bei den Schülern üblicherweise als  "High School Year" bezeichnet, obwohl es nicht nur um englischsprachige Länder geht). Mit ihr unterhielt ich mich über das Thema und sie gab mir folgenden Hinweise über die derzeit beste Taktik



  • Ratsam ist demnach ein Aufenthalt in der 9. Klasse oder im ersten Halbjahr der 10. Klasse

  • Nach einer ganzjährigen Teilnahme in der 10. Klasse oder im zweiten Halbjahr der 10. Klasse kann man auf Probe in die 11. Klasse vorrücken.

  • Wenn man die Probezeit bestanden hat, hat man automatisch die Mittlere Reife erworben. Wenn man die 11. Klasse im Ausland verbringt, besucht man hier wieder die 11. Klasse (wie es bis vor ca. 10 Jahren auch üblich gewesen ist), denn die Noten der Jahrgangsstufen 11 und 12  fließen zusammen in die Abiturnote.



Nachtrag:

Ein Tipp in diesem Zusammenhang: Neuseeland!

Was viele nicht wissen ist, dass ein High-School-Year nicht unbedingt ein ganzes Jahr dauern muss. Man spricht von so genannten Terms. In Neuseeland z.B. kann man auch kurze Terms buchen, z.B. ab 4 Wochen. Der Witz dabei ist, dass in Neuseeland Winter ist, wenn bei uns die Sommerferien sind. So gehen Schüler her und buchen einen Term während der deutschen Sommerferien und versäumen in Deutschland keinen Unterricht.





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