Regensburger Tagebuch

Notizen von der nördlichsten Stadt Italiens

Mittwoch, 22. November 2017

Ein Regensburger zwischen römischen Ruinen - Sirmione und die Grotten des Catull

Römische Ruinen und Grundmauern, na ja. Das kann einen Touristen aus Regensburg jetzt nicht wirklich vom Sockel hauen. Dachte ich jedenfalls. Und wurde eines Besseren belehrt.

Es geht um die "Grotten des Catull", einer Sehenswürdigkeit auf der Gardasee-Halbinsel bei "Sirmione", die ich vor ein paar Wochen besuchte.




Dass es nicht wirklich Grotten sind, wusste ich aus dem Führer. Die Ruinen waren in den letzten Jahrhunderten so zugewachsen, dass es wie Grotten wirkte, ein Name, dem man in der Renaissance vergab. Und da man früher irrtümlicherweise dachte, die im Ruinen des im 5. Jahrhundert aufgegebenen Gebäudekomplexes seien die Villa des römischen Dichters Catull gewesen, nannte und nennt man den Komplex bis heute "die Grotten des Catull".






Nun hatte ich mich schon mal bis zur Hügelspitze gequält, trotz bedenklicher Gelenkschmerken, also zahlte ich den Eintritt für das Gelände und ging zuerst mal in das kleine Museum. Alte Scherben und Gegenstände aus der Römerzeit waren da, und ich fühlte mich bestätigt: nichts Besonderes für einen Regensburger.

Auch als ich die ersten Mauerruinen sah, war ich nicht sonderlich beeindruckt.

Aber nach und nach wurden meine Augen größer. Und zwar erst, als ich die Schilder las und die dort abgebildeten Rekonstruktionen, die leider in den gängigen Führern und Internetaufsätzen nie gezeigt werden. Denn erst hier begriff ich: das waren nur winzige Teile einer riesigen, privaten Villa, das ein unbekannter Römer dort im 1. Jahrhundert bauen ließ, die größte private Villa in ganz Norditalien.

le grotte di catullo





Das rechteckige Areal an der Inselspitze zeigt den Hauptbau der riesigen Villa, die ein Römer dort vor 2000 Jahren bauen ließ, und die man dann später missverständlicherweise als die "Grotten des Catull" bezeichnete. Der Begriff wird bis heute verwendet. Leider ist diese google-earth-Ansicht trotz 3D-Gelände flach und nicht so beeindruckend, wie Luftaufnahmen
Alleine der Zentralbau umfasste 167 mal 105 Meter, dann waren im Süden und Norden noch Gebäudeteile angebaut.

Der Anbei im Norden (auf der google-earth-scrennshot unten im Bild) musste wegen der Hanglage über zwei Stockwerke gestützt werden, damit oben dann ein etliche exklusive Wohn-Räume mit fantastischem Ausblick über den Gardasee existieren können. Zwei Stockwerke nur als Unterbau, und das waren keine normalen Stockwerke wie bei uns. Gerade diese im Norden befindlichen, riesigen und beeindruckenden Unterbauten bzw. deren Ruinen erweckten  dann später, in zugewachsenem Zustand, den Eindruck von Grotten, die man durchwandern konnte.

Beeindruckender als vor Ort ist die Ansicht von See aus oder aus der Vogelperspektive. Sie finden eine Luftbildaufnahmen über google-Bildersuche (grotte di catullo) oder auf folgende Seite des Ministeriums (http://www.beniculturali.it/mibac/export/MiBAC/sito-MiBAC/Contenuti/MibacUnif/Eventi/visualizza_asset.html_1023716504.html); ferner gibt es auf youtube Videos mit Drohnen-Aufnahmen (siehe Ende des Artikels)









Der Gang im nördlichen Anbau, an der linken Wand ging es zu den Gemächern mit einem herrlichen Blick über den Gardasee

































Auf dem grünen Hügel hinten befand sich die Villa.
Blick von der Scaligerburg über die Altstadt von Sirmione nach Norden

Link: http://www.beniculturali.it/mibac/export/MiBAC/sito-MiBAC/Contenuti/MibacUnif/Eventi/visualizza_asset.html_1023716504.html


Drohnenflug: https://www.youtube.com/watch?v=xfgRun1AGQc







Natürlich gibt es noch viele Videos von Touristen auf youtube.


Die Infos im deutschen Wikipedia zu den Grotten findet man auf: https://de.wikipedia.org/wiki/Grotten_des_Catull.

Hier sind ein Bilder und  weitere Infos:

http://www.antikefan.de/staetten/italien/sirmione/villa.html

http://www.nuoveterme.com/de/sirmione-gardasee/catullusgrotten/)

Eigentlich sind alle im Internet gefundenen Aufsätze mager; am meisten erfuhr ich beim Studium der am Gelände aufgestellten Tafeln. Und vor allem dann, wenn man die jeweiligen Stellen mit den Rekonstruktionen vergleicht, wird das Ganze wirklich beeindruckend.