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Mittwoch, 28. Dezember 2022

Die dienstältesten Pizzeria-Betreiber: 35 Jahre San Marino unter Judith und Romano

Untertitel: Vom Cafe Fischer zum San Marino

Judith und Romano di Ronco, San Marino, Regensburg


Vor fast exakt 35 Jahren, am 1.12.1987, übernahmen sie das Lokal"San Marino" in der Greflinger Straße: Judith und Romano di Ronco. Sie betreiben hier eine kleine familiäre Pizzeria, die hauptsächlich von uns Anwohnern aus der näheren Umgebung besucht wird - und natürlich von Generationen von Domspatzen.

Das Lokal gibt es unter diesem Namen noch viel länger, nämlich seit 1978, als es der Pächter Sandro Bettoli übernahm und nach seinem Heimatort taufte. Und auch davor gab es das Lokal - seine Geschichte geht circa 60 Jahre zurück, als sich das "Cafe Fischer" befand. Auf diese Vorgeschichte gehe ich am Ende des Artikels ein.

Wenn man auf den gegenwärtigen Lokalnamen abstellt, so gab es die Pizzeria unter diesem Namen seit ungefähr 44 Jahren - überholt wird es vom Alter her vielleicht noch vom Pam Pam, das auf 50 Jahre Familienbesitz zurückgreifen kann. Aber dort gab es zwischenzeitlichen Betreiberwechsel, so dass Judith und Romano gegenwärtig  wohl die dienstältesten Pizzeria-Betreiber in Regensburg sein dürften. 




Romano stammt aus Paluzza, einem Ort im nordostitalienischen Friaul. Mit 19 kam er nach Deutschland und  hat im Da Tino gekellnert. Das Da Tino befand sich damals auf der nördlichen Seite des Haidplatzes, also genau gegenüber dem heutigen Standort. Dort wo jetzt der Mexikaner ist.  Judith dagegen hat im Ratskeller geholfen. Kennengelernt haben Sie sich in der Disco "Atlantis" in der Pustetpassage, dem heutigen Scala.

Auf der Suche nach einer Wohnung bekamen Sie von einem Braumeister eine ETW in der Greflingerstraße angeboten - aber nur zusammen mit der Pizzeria im Erdgeschoß. Also übernahmen sie die Pizzeria.

Witzigerweise ist es Judith, die normalerweise die Pizzen macht. Eine der besten Steinofen-Pizzen in Regensburg. Bis vor ein paar Jahren gab es auch viele andere Gerichte als Nudeln/Pizzen und Salate. Forelle, Saltimbocca, Kotelett. Alle Speisen waren unglaublich lecker. Das Saltimbocco beispielsweise habe ich nirgends so schmackhaft bekommen wie im San Marino - auch in Italien nicht. Trotz Spottpreisen wurden diese Gerichte vom Stammpublikum wenig gefragt. Vor Jahren wurde die Speisekarte stark reduziert auf die Kernprodukte, hauptsächlich Pizzen, Nudelgerichte und Salate. Anders wäre das mit diesem knappen Personal nicht gegangen.

Dass die Steinofen-Pizza zu den besten der Stadt zählt, hat sich leider herumgesprochen, so dass es zum tatsächlich mal Tage gab, wo man über eine Stunde warten musste. Aber in den letzten Wochen bekamen wir unsere Bestellungen meist in 20 Minuten. 

Da sich das Domspatzengymnasium ums Eck befindet, verkehren hier seit 35 Jahren Domspatzen-Schüler, deren Eltern bzw. Familien und natürlich Lehrer, bis hin zu den Domkapellmeistern, also Georg Ratzinger und Roland Büchner, Christian Heiß. Heute tauchen auch Domspatzenmädchen auf, um sich ihre Pizzen ab zu holen. Andere Stammgäste sind: Feuerwehrleute, REWAG, Gewerkschaftshaus, LIGA-Bank.

Mit zu den regelmäßigen Gästen zählen auch andere Betreiber italienischer Lokale, die vor allem an deren eigenen Ruhetagen gerne hier einkehren. Auch die Familie Montiel, früher Betreiber des legendären (ehemaligen) Centro Espanol in Stadtamhof, waren hier über Jahre hinweg regelmäßig zu Gast.

Das Lokal selbst ist in der Zeit stehen geblieben, wie es Helmut Wanner in einer Reportage über das Lokal (siehe unten) formulierte. Einige Wände haben noch Verkleidungen aus braun oder grün gebeizten Fichtenholzbretter, wie es in den 70er Jahren verbreitet war. Es gab so einige Pizzerien oder Sportgaststätten mit diesem damaligen Stil, auch das Spanische Zentrum in Stadtamhof hatte seine Holzverkleidung.

Und da sich diese Lokale oft sehr lange hielten, bevor es zum Betreiberwechsel kam, konnte man diesen Stil noch bis in die 90er oder Nuller Jahre sehen. Oder eben bis heute, im San Marino. 

Auch die markanten Lampen sind noch so, wie sie in den 70er und 80er Jahren in italienischen Lokalen Standard waren. "Milchigweiße Tagliatelle, die die Glühbirnen umtanzen - so formulierte es Helmut Wanner. Ich habe diese Lampen in den 70ern in auffallend vielen italienischen Lokalen gesehen, und auch sie hingen bemerkenswert lange.

An der östlichen Stirnwand prangt ein wirklich riesiges, viele Quadratmeter großes, gerahmtes Gemälde mit einem  Postkartenmotiv von San Marino, das eine Straße - perspektivisch verwirrend entweder bergauf oder bergab - zeigt   Wie konnte dieses riesige Bild in das Lokal transportiert werden, das passt doch gar nicht durch die Türen? Die Antwort verriet mir vor Jahren Romano: der Vorbesitzer hat es selbst gemalt, Allessandro (Sandro) Bettoli, der dem Lokal ungefähr 1980 den Namen San Marino gab und der auch die vielen anderen San-Marino-Zeichnungen auf hing. Er hatte das Bild selbst direkt an die Wand gemalt, als Vorlage diente ihm eine Ansichtskarte. Es ist sicherlich kein künstlerisch anspruchsvolles Werk, aber es öffnet den Raum in eine virtuelle Landschaft.

Dass also die Einrichtung in der damaligen Zeit stehen geblieben ist, stört uns Stammgäste  nicht. Wir empfinden die Einrichtung als familiär und vertraut. Und auch Bekannte, mit denen ich sonst in der Altstadt gepflegt zum Essen gehe, sagen gerne: "ach gehen wir doch mal wieder ins San Marino". Auch wenn es dort weder Musik noch italienischem Chic noch einschmeichelnde Bedienung wie in italienischen Restaurants gibt. 

Vor ein paar Wochen erschien ein Artikel von Helmut Wanner über dieses Lokal (9.12.2022, "Der kleine Italiener der Domspatzen" Untertitel: "Pizza wie bei Mama: Im San Marino steht Judith Di Ronco am Steinofen - und das seit 35 Jahren"). Um ehrlich zu sein: ich hatte Herrn Wanner schon im Sommer zu diesem Artikel angestiftet, und ich habe mit meinen eigenen  Artikel bewusst abgewartet, obwohl ich schon Fotos und Material vorbereitet hatte. Die Online-Version des Artikels von Herrn Wanner ist leider hinter einer Bezahlschranke: https://www.mittelbayerische.de/region/regensburg-stadt-nachrichten/der-kleine-italiener-der-domspatzen-21179-art2176608.html. Ich hoffe, Hr. Wanner übernimmt den Artikel gelegentlich in seinen persönlich Blog, damit er allgemein verfügbar ist.

Dieser MZ-Artikel jedenfalls führte zu viel Feedback, erzählten mir Judith und Romano. Frühere Stammgäste meldeten sich, nicht nur aus Regensburg, sondern aus allen Ecken der Region, in der die MZ gelesen wird. Und so einige ehemalige Domspatzen/Mitarbeiter und Domspatzen-Eltern, die über Jahre hinweg dort mit ihren Kindern speisten.










Manchmal gibt es neben den Antipasti auch ganz leckeres Tiramisu.
Man sollte immer danach fragen!







Das riesige San-Marino-Bild


Die Vorgeschichte: vom Cafe Fischer zum San Marino

Über die Vorgeschichte des Lokals habe ich natürlich auch recherchiert, und ich bedanke mich wieder mal bei Martin Kempter für sein Material, vor allem für die Adressbucheinträge.

"Cafe Fischer" (wahrscheinlich 1963 bis 1978)

Ab 1963 taucht in alten Adressbüchern  das Cafe Fischer auf, das offenbar bis 1978 existierte. In diesem Jahr fand ich den letzten Eintrag mit diesem Namen

Es muss ein gepflegtes und angeblich bei Altregensburger bekanntes Cafe gewesen sein. Manchmal wird Greflinger Str. 15a, manchmal Greflinger Straße 15 angegeben.

Das Cafe umfasste nur den vorderen der heutigen beiden Räume, also dort, wo jetzt der Pizza-Ofen steht. Das Cafe ist wahrscheinlich nach dem ganzen Block benannt, denn da das Gebäude Ende der 50er Jahre von einem Bauunternehmen Fischer erbaut wurde, hieß es lange Zeit "Fischer-Block". Möglicherweise war anfangs auch ein Mitglied der Fischer-Familie der Betreiber, das konnte ich nicht herausfinden.

Ich habe Fotos von folgenden Streichholzetiketten gesehen, aus denen aber keine zeitliche Zuordnung erkennbar ist. Ich habe die Beschriftungen abgetippt:

  • Cafe Fischer,
    Pächt. Juliane Dullinger,
    Regensburg Greflingerstr. 15,
    Tel. 24702,
    Gemütlicher Aufenthalt, gepfl. Weine

  • Cafe Fischer,
    Inh. F. Haller,
    Regensburg, Greflingerstr. 15,
    Tel. 24702

  • Cafe Fischer,
    Regensburg Greflingerstraße 15 (Nähe Nibelungenbrücke),
    Tel. 57910,
    Schmankerlspeisen -T.T. Biere, auserlesene Pfälzer Weine und viel Gemütlichkeit
Wie gesagt: diese Etiketten sind zeitlich nicht sortiert, denn dazu fehlen mir Angaben.

Aldo Cordoba

Übernommen hat es Aldo Cordoba, der das Lokal um den östlichen Raum erweiterte, und zuerst eine Art Diskothek versuchte. Nach Anwohnerbeschwerden funktionierte er es in eine Pizzeria um. Den Namen weiß ich nicht.

Michele Azzarone 

Ein Michele Azzarone übernahm die Pizzeria für ein Jahr, bis dann Sandro Bettoli kam

Gaststätte San Marino - Sandro Bettoli (ab 1980)

Dann übernahm ein Sandro Bettoli das Lokal. Er taufte es auf seinen Heimatort San Marino, hängte die San-Marino-Bilder auf und malte das genannte große San-Marino-Bild an der Stirnwand. Gemäß Adressbucheinträgen müsste das 1980 gewesen sein, denn dort taucht erstmals sowohl der Name Bettoli (als Privatmieter der Wohnung im zweiten Stock) und die "Gaststätte San Marino" auf.

Gaststätte San Marino - Di Ronco (ab 1987)

Am 1.12.1987 übernahm dann das Ehepaar "di Ronco" das Lokal.


Das San-Marino-Bild

Man muss schon google-Earth-3D benutzen, um Standort und Blickrichtung herauszufinden. City-Maps oder Fotos helfen wegen des verwirrenden Aufbaus des Ortes nicht weiter

Die Stadt San Marino (Hauptstadt des Zwergenstaats San Marino) befindet sich auf einer riesig wirkenden Hügelkette. Der Kamm hat u.a. zwei Hügel mit jeweils einer Befestigungsanlage und Befestigungstürmen.  Die "Straße" auf dem Bild ist ein Weg, der vom "zweiten Turm" (wo sich heute ein Waffenmuseum befindet) schräg runter geht zu einem Platz unterhalb des ersten Turms, die Blickrichtung geht rüber zum so genannten "ersten Turm". Der Weg führt aber nicht etwa in das Tal, sondern nur einen Bruchteil des Berges hinab. Das Ganze spielt sich ganz weit oben auf dem Berg Titano ab.







Standort des Betrachters

Blickrichtung