Seiten

Samstag, 27. Mai 2017

Höhen und Tiefen des Vatertagausflugs in Regensburg

Freier Tag nach turbulenten Wochen. Ich könnte im Garten abhängen. Vatertagswanderungen waren nie mein Ding. Aber ich muss wie jeden Frühling vor dem Föhngeräuschen der wartenden Züge fliehen - da hält man es weder im Garten noch am Balkon noch in der Wohnung aus. Also wieder mal stundenlange Spaziergänge durch Regensburg, wie sich herausstellt, verteilt auf drei Touren.

Zuerst packe ich Yorki, der ja sowieso mal raus muss, und fahre Richtung Dörnberg. Dort will ich schon lange den Baufortschritt dokumentieren.

Unterwegs eine Offenbarung: der Milchpilz, dessen aktueller Betreiber am 25.Mai 2017 den zehnten Milchpilz-Geburtstag feierte, lockt mit einem dringendst benötigten Cappuccino. Und da! Da ist tatsächlich auch ein Parkplatz frei! Keine hundert Meter entfernt!

Der Regensburger Milchpilz.
Wissenswertes hierzu: http://www.regensburger-tagebuch.de/2014/08/das-milchschwammerl-in-3d-ansicht.html

Also raus mit Yorki und wir nähern uns dezimeterweise dem Pilz. Yorki schnuppert jeden Grashalm ab, in dieser Anlage gibt es anscheinend enorm viel Chat-Botschaften der anderen Hunde. Ich lasse ihm das Vergnügen. Irgendwann bekomme ich auch meinen Cappuccino.


Yorki hat es sich auf meinem Schoß gemütlich gemacht.
Der Boden ist noch kalt.

Als nächstes gehen wir an der Kumpfmühler Brücke spazieren. Beim Dörnberg-Gelände hat sich was getan, aber ich muss lange warten, bis die Sonne ein wenig durch die  Wolken durchbricht. Zu wenig - ich werde abends nochmals hinfahren und dann viele gute Fotos machen.


Und hier sehen Sie die berühmten Regensburger Geschlechterkräne in ihrem konkurrierenden Bestreben, der höchste zu sein:


Anschließend Spaziergang im Stadtpark und ich setzte mich dort leicht hungrig im Biergarten hin. Es ist wärmer geworden, die Bedienungen sind voll ausgelastet, und irgenwann wird auch noch Yorki nervös - er hat keinen Platz, der Boden ist kalt, was weiß ich. Mit Hund unterwegs zu sein, kann anstrengend sein.

Ich gehe mit ihm zum Auto, das noch für eine halbe Stunde im Schatten stehen wird, und begebe mich alleine zurück. Diesmal klappt auch gleich die Bestellung. Dafür merke ich nach 25 Minuten, dass man mich wohl mit dem Schweinbraten vergessen hat. Zu spät zum Reklamieren, ich breche hungrig den Besuch ab, bezahlte mein angenipptes 0,4-L-Wasser (kleinere Mengen gibt es dort nicht) und gehe frustig zum Auto. Das ist halt so einer dieser Tage, wo nicht alles so optimal läuft.

Ich fahre nach Hause, versorge den Hund und mache mich erneut auf in die Stadt. Diesmal mit Fahrrad. In der Hemauerstraße entedecke ich: abgerissenes Haus, dort wo das Kugellager-Geschäft war bzw später der Sanitärhändler. Ältere Regensburger und vor allem Häuslebauer werden das kennen. Ich dachte eigentlich vor zwei Jahren, jetzt ist die Hemauerstraße fertig saniert. Damals auch das Fliesengeschäft in ein Wohnhaus umgewandelt wurde, und alle hässlichen Flecken der letzten Jahrzehnte waren  verschwunden. Aber hier wird nochmal was draufgesetzt.




Aber jetzt bilde ich mir einen Schweinebraten ein, den hatte ich ja schon gedanklich im Mund, das bring ich nicht mehr aus dem Sinn. Aber wo? Im neue Schlachthoflokal in der Nähe gäbe es einen Biergarten, und das Essen dort ist auch gut - aber da gibt es keinen Standard-Schweinebraten. Also in die Stadt - Hofbräuhaus? Kneitinger? Ob die überfüllt sind?

Aber als ich über den Kornmarkt fahre, naht die Rettung: der "Andechser am Dom".

Jahrzehntelang habe ich das Lokal ausgeblendet, vor zwei Jahren wiederentdeckt. Dort gibt es einen butterweichen Schweinebraten, mit extra Krustenstück, zwei verschiedenen Knödeln, und besonderem Kraut. Und die nächste Überraschung: der Biergarten ist geöffnet, wusste gar nicht, dass die einen haben. Blasmusik gibts auch noch, ja das wird ja ein wunderbarer Vatertag. Ich sitze in der Sonne, vertilge einen leckeren Schweinebraten, und das Getränk gibt es sogar ab 0,2, so wie ich es mag, wer sagt's denn.

Mein Grant macht sich aus dem Staub.


Mit wieder guter Laune gehe ich in die Stadt. Dort wo das Cafe Prock mal war, ist jetzt eine Food-Kette. Über die Schließung des Lokals schrieb Helmut Wanner in der MZ am 16.12.2016:

"Das Kännchen ist tot: Aus für Café Prock - Am Kohlenmarkt schließt eines der letzten alten Kaffeehäuser mit Konditorei. Die Freibergers verpachten an eine Food-Kette."

Zwischen den Freisitzen ist ein Ständer mit einem Schild: "Selbstbedienung". Tja, auch das ist Regensburger Stadtentwicklung.



Und letztendlich lande ich in meiner Lieblings-Oase "Palletti", wo ich an freien Tagen viel Zeit verbringe: Kaffee trinken, Kunstzeitung und Kulturjournal lesen, vielleicht noch die MZ, die ich mir meist vorher beim Pustet kaufe - da können schon mal ein zwei Stunden vergehen. Vor allem weil die genannten Kulturzeitschriften ja nicht gerade schnelle Lektüre sind - da hänge ich fest. Und schlage stur bei Wikipedia nach, wenn unbekannte Ausdrücke auftauchen. Kann ja auch nicht alles wissen, oder? Und weil mich einfach alles mögliche interessiert, komme ich da auch noch mal ins Lesen.


Abends fahre ich wieder mit Yorki in den Stadtwesten - diesmal habe ich die gewünschte Sonne, und ich kann den Entwicklungsstand am Dörnberg-Gelände fotografieren.


Dazu mehr im nächsten Artikel