| Schloss Pürkelgut in der Abendsonne (4. Januar 2026) |
Aktuell scheinen Dach und Fassade (zumindest die vordere Fassade) erledigt zu sein, Kran und Gerüste sind weg. Die sah ich noch vor ein paar Monaten. Als ich am 4. Januar vorbei fuhr, sah ich das Gebäude zum ersten mal gerüstfrei und in neuem Gewand in der Abendsonne. Da die davorstehenden Bäume noch nicht belaubt sind, suchte ich einen Parkplatz und nutzte die Gelegenheit für ein paar Fotos.
Außerdem habe ich in diesem Artikel die wichtigsten historischen und aktuellen Infos zusammen getragen und Ausschnitte aus alten Karten eingefügt. Denn Wikipedia gibt nur Teilinfos und es ist schwer, über eine schnelle Recherche die Entwicklung der jüngeren Zeit aufzudecken.
Schloss Pürkelgut ist ein ehemaliges Wasserschloss aus dem Jahre 1728
Im Jahre 2015 wurde das Objekt vergeblich der Stadt angeboten. Es wurde dann 2017 von Immobilienunternehmern erworben, die ihre damaligen Pläne dann doch nicht realisierten, sondern das Objekt an den Tierarzt Dr. Roland Fechter übergaben (offenbar im Wege der Erbpacht). Dieser saniert das Objekt seit 2024.
In dem Schloss sollen eine große Tierarztpraxis sowie private Wohnräume entstehen.
In dem Schloss sollen eine große Tierarztpraxis sowie private Wohnräume entstehen.
Der Dachboden soll angeblich der größte freitragende Dachstuhl Bayerns. sein Die kompletten Balken sind handgeschlagen und mit Holznägeln verbunden. Es wurde kein einziger Eisennagel verbaut! (Quelle https://www.maxschierer.de/maxblog/sanierung-puerkelgut/). Auch die Fenster kommen nicht von der Stange. Von außen sind die 2-teiligen Kastenfenster dem historischen Vorbild von 1728 nachempfunden und vom Denkmalschutz abgenommen. Im Innern sind sie mit modernen Griffen ausgestattet und entsprechen dem aktuellen Stand der Technik.
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| google-earth-Ansicht Schloss Pürkelgut |
Frühere Fotos aus der Zeit der Sanierung:
Oktober 2023 (vor Sanierungsbeginn)
August 2024
April 2025:
Ältere Bilder:
Ein Foto vom unrenovierten Zustand (2010) findet man auf Wikipedia bzw. wikicomons:
| Pürkelgut im Jahre 2010; Bild: Johanning, wikicommons, cc by-sa 3.0 |
Weitere private Fotos vom unrenovierten Zustand aus dem Jahre 2011 fand ich in diesem Blogbeitrag:
Künstlerische Bilder:
Es gibt offenbar ein Aquarell von Heinrich Klonke aus 1829, im Besitz des Museums, von dem ich aber nur eine kleine Abbildung hier gefunden habe:
Das das Bild sonst nicht im Internet auftaucht, nehme ich an, dass das Museum das Bild noch nicht der Internet-Allgemeinheit zur Verfügung gestellt hat. Außerdem heißt es auf Wikipedia, dass Zeichnungen existieren, die ich aber ebenfalls noch nicht im Netz entdeckt habe, lediglich in einem Aufsatz in den Büchern des Historischen Vereins: https://www.heimatforschung-regensburg.de/2859/8/08%20Regener%20101-134.pdf (Mörike in Regensburg und „Mozart auf der Reise nach Prag“ von Ursula Regener, Seite 127 + Seite 128)
Zur Geschichte
Es gab aber früher schon ein Schlösschen dort (ab 1529), das Neuhausen und später Einhausen genannt wurde (weshalb das Gut in älteren Karten auch Ainhausen oder Einhausen genannt wird). Dieser Vorgängerbau wurde 1633 bei den Kämpfen mit den Schweden zerstört. 1728 wurde das heutige Schloss erbaut. Mehr Informationen über die Zeit vor 1728 findet man auf Wikipedia.
Nachdem der damalige Besitzer Friedrich Heinrich Hartmeyer 1826 eine Brauereikonzession erworben hatte, wurde das Gut in der Biedermeierzeit zu einem beliebten Sommer-Ausflugsziel mit Gartenwirtschaft und Tanzvergnügen.
Der Platz vor dem Schloss war in den letzten Jahren Schauplatz Mittelalterfesten, Konzerten und anderen open-air-Veranstaltungen. Bekannt sind vor allem die Zuckerbrot-und-Peitsche Veranstaltungen. Im Jahre 2025 gab es nur zwei open-air-Veranstaltungen (vgl. https://www.mittelbayerische.de/lokales/stadt-regensburg/das-fruehe-saisonende-am-puerkelgut-gibt-es-naechstes-jahr-wieder-mehr-open-airs-dort-19077599)
Auch auf dem Vogelschauplan von Seutter (ca 1730) taucht ein Schloss auf, hier wird es Ainhausen/Pürckeleck genannt. Allerdings vermute ich, dass das Bild das Vorgängerschloss zeigt, da es einem noch älteren Bild von Weisshof ähnelt. Auch wenn der Druck 1730 entstand, dürfte Seutter älteres Material verwendet haben und den (1728 errichteten) Neubau noch nicht im Blick gehabt haben.
Auf dem Vogelschauplan von Weisshof aus 1705 taucht das (1748 erbaute) Schloss in seiner heutigen Form natürlich nicht auf, allerdings findet man an entsprechner Stelle eine Häuseransammlung, die das Vorgängerschloss darstellen könnte. Die Bezeichnung Anihausen könnte ein Redaktionsversehen sein und Ainhausen meinen.
1749 fiel der Besitz an Johann August von Greifenstein, den Reichstagsgesandten für Schweden-Vorpommern. Er feierte standesgemäße Feste in dem romantisch gelegenen Wasserschloss, dem sogenannten„Sanssouci der Reichstagsgesandten von Regensburg“, wie es der Historiker Joseph Rudolf Schuegraf 1830 formulierte.
Am 23. April 1809 ließ sich Napoleon nach seiner Verwundung durch eine abgeprallte Kugel vor Regensburg zunächst zum Verbinden nach Schloss Pürkelgut, bevor er zur Übernachtung ins Kloster Karthaus-Prüll gebracht wurde
Am 23. April 1809 ließ sich Napoleon nach seiner Verwundung durch eine abgeprallte Kugel vor Regensburg zunächst zum Verbinden nach Schloss Pürkelgut, bevor er zur Übernachtung ins Kloster Karthaus-Prüll gebracht wurde
Danach gab es im Schloss ein „Napoleonzimmer“, das im Herbst 1850 von Eduard Mörike bewohnt wurde, dessen Bruder Ludwig damals als Verwalter von Pürkelgut tätig war. In Briefen hat Mörike die idyllische Lage des Gutes, seine morgendlichen Spaziergänge um den See herum und von ihm beobachtete Alltagsbegebenheiten auf Pürkelgut geschildert. Mörike hat auch zwei Zeichnungen des Schlosses angefertigt.
Nachdem der damalige Besitzer Friedrich Heinrich Hartmeyer 1826 eine Brauereikonzession erworben hatte, wurde das Gut in der Biedermeierzeit zu einem beliebten Sommer-Ausflugsziel mit Gartenwirtschaft und Tanzvergnügen.
Unter Georg Hamminger aus Ortenburg entwickelte sich das Anwesen ab 1838 zu einer musterhaften Ökonomie, die 26 Personen beschäftigte.
1844 verkaufte Hamminger das Gut an Fürst Maximilian Karl von Thurn und Taxis, der es als Jagdschloss nutzte.
Ab 1847 sollte das Gut unter Leitung von Ludwig Mörike (Bruder von Eduard Mörike) zu einer Ackerbauschule ausgebaut werden, was jedoch unterblieb. Flüchtlinge und Bedienstete der Gutsverwaltung wohnten bis 1975 in dem Gebäude.
Danach stand es leer und verfiel etwas.
Wikipedia-Eintrag: https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_P%C3%BCrkelgut
Pürkelgut auf alten Karten
Pürkelgut wird auf alten Plänen auch Einhausen oder Ainhausen genannt, weitere Namen sind Pürkl-Gut oder Pürckl-Eck
Einen zoombaren Stadtplan von 1829 gibt es auf Bavarikon; dieser Plan geht über die Stadtgrenzen hinaus und zeigt rechts unten auch Pürkelgut (Bürkls Gut, Einhausen):
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| Bürkls-Gut/Einhausen = Pürkelgut in "Plan von Regensburg, 1829" https://www.bavarikon.de/object/bav:BSB-MAP-00000BSB00105417 |
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| Burgfriedenplan von Mayr, 1800 https://regensburg-historisch.blogspot.com/2014/08/fundstelle-fur-burgfrieden-plan-von.html |
Auch auf dem Vogelschauplan von Seutter (ca 1730) taucht ein Schloss auf, hier wird es Ainhausen/Pürckeleck genannt. Allerdings vermute ich, dass das Bild das Vorgängerschloss zeigt, da es einem noch älteren Bild von Weisshof ähnelt. Auch wenn der Druck 1730 entstand, dürfte Seutter älteres Material verwendet haben und den (1728 errichteten) Neubau noch nicht im Blick gehabt haben.
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| Ausschnitt aus Vogelschauplan von Seutter, ca 1730-1760 https://regensburg-historisch.blogspot.com/2014/01/regensburg-bavarikon.html |
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| Anderer Scan des Vogelschauplans von Seutter (aus der Moll-Sammlung) https://regensburg-historisch.blogspot.com/2014/01/regensburg-bavarikon.html |
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| https://www.bavarikon.de/object/bav:BSB-BAR-0000000000136863 |
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| https://www.bavarikon.de/object/bav:BSB-BAR-0000000000136863 |








