Regensburger Tagebuch

Notizen von der nördlichsten Stadt Italiens

Samstag, 6. April 2024

Wer passiert in der Pustet-Passage


 

Passage kommt von "passieren". Eigentlich klar, aber trotzdem hatte ich das Wortspiel nicht gleich verstanden, das die Künstlerin Vera Brosch im "neunkubikmeter"-Schaufenster der Pustet-Passage verwendet hat. Mein Unterbewusstsein hat sich den Satz auf "Was passiert" zurechtgerückt. Durch Anklicken der QR-Codes sollte man mehr über das Projekt erfahren - ich war aber in Eile, brach die "Anhörung" ab und wollte mir das zuhause ansehen. Und mittlerweile habe ich die Pressemitteilung herausgesucht und verstehe das Ganze besser.

Die Pustetpassage war übrigens bei Einführung "der Renner" in Regensburg, wie mir mein Vater erzählte. Das hatte so was Italienisches. Keine Ahnung, ob damals auch Lokale zu sehen waren, oder ob es nur Schaufenster gab. Später, in den 70ern, hat die Passage niemand mehr beachtet - sie war halt da. In meiner Studienzeit in den 80ern wurde die Passage langsam wieder in. Zuerst durch das Palletti, aber so richtig ab Eröffnung des "Metropol". Das hatte im Sommer die großen Fenster offen und der Durchgangsverkehr der Passanten verschmolz oft mit dem Cafe, wenn Leute stehenblieben um Gäste zu begrüßen.

Hier die Pressemitteilung zur Aktion von Vera Brosch im neunkubikmeter:


„Wer passiert“ – Neuer Audiowalk von Vera Brosch in der Pustetpassage

Die Künstlerin Vera Brosch präsentiert vom 27. März bis zum 30. April 2024 ihren Audiowalk „Wer passiert“ in der Pustetpassage. Das Projekt in und um den Schaukasten „neunkubikmeter“ lädt dazu ein, die Passage anhand von Audio- und Videodateien von einer neuen Seite kennenzulernen. 

Die Magie der Passage

Ein großes Plakat mit dem Grundriss der Pustetpassage schmückt die Wand der „neunkubikmeter“. Verschiedene Symbole darauf verweisen auf reale Objekte der Passage wie die am Boden klebenden Kaugummis oder die Überwachungskameras an der Decke. Mit ihrem Projekt „Wer passiert“ haucht Vera Brosch den Objekten Leben ein. Über QR-Codes erhalten die Passantinnen und Passanten Zugriff auf Audio- und Videodateien, die an drei Bodenmarkierungen abgespielt werden können und vergangene oder aktuelle Geschichten der Pustetpassage erzählen. Im Mittelpunkt steht die Passage als Erfindung des 19. Jahrhunderts, als Vorgängerbau von Warenhäusern und als Ort der maximalen fantastischen Konsumutopie.

Mit ihrem Audiowalk will die Künstlerin eine Antwort auf die Frage finden, was heute, in Zeiten, in denen der Konsum vermehrt im Digitalen stattfindet, von der Magie der Passage übriggeblieben ist. Die auditiven und visuellen Elemente erweitern die Realität und eröffnen den Besucherinnen und Besuchern eine neue Sichtweise auf die Pustetpassage. Bereits 2023 hat die Künstlerin den Hörspaziergang „Stadtkörper“ konzipiert, der Interessierte auf acht Stationen durch die Regensburger Innenstadt führt.


Über die Künstlerin Vera Brosch

Vera Brosch hat Kunstgeschichte, Gender Studies und Vergleichende Sprachwissenschaften an der Universität Regensburg studiert. Derzeit setzt sie ihr Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München im Fach Kunstpädagogik fort. Neben ihrem Studium arbeitet Brosch als Aushilfslehrkraft am Sonderpädagogischen Förderzentrum München-Nord sowie für den Verein Sport trifft Kunst. Brosch hat sich an zahlreichen Ausstellungen in Regensburg, Bad Kötzting und München beteiligt und ist zudem als Performance-Künstlerin tätig. 2022 hat sie zusammen mit Kommilitoninnen und Kommilitonen der Kunstakademie München am Symposium Neukirchen mitgewirkt.


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Die Pustet-Passage



Blick in die Pustetpassage, Oktober 2012



Die Pustet-Passage müsste 1957 entstanden sein, denn damals wurde der alte Pustetbau (ein ganzer Häuserblock zwischen Gesandtenstraße und Rote Hahnen Gasse) durch einen Neubau ersetzt. So die Firmengeschichte.



Im Jahr 2016 war sie kurzzeitig ohne Dach - aus Renovierungsgründen:





Zwei Fotos aus Dezember 2013,  in beide Richtungen




Weitere Fotos aus vergangenen Jahren:

Foto aus 2008; mein erster Nachtspaziergang mit der neuen Digital-Spiegelreflexkamera


Gesandtenstraße und Pustet, Oktober 2012



Pustet-Passage, Oktober 2012