Regensburger Tagebuch

Notizen von der nördlichsten Stadt Italiens

Dienstag, 11. Mai 2021

cinescultura - drei preisgekrönte Dokus im Stream ab 13.

Drei cineastische Perlen für Liebhaber des spanischen Films: 13. bis 23. Mai 2021 auf www.cinescultura-stream.de

Drei hochaktuelle, preisgekrönte Dokumentarfilme aus dem Jahr 2020 exklusiv als Deutschlandpremiere für das spanische Film- und Kulturfestival cinEScultura

  • „Mujereando – El quejío de una diosa” (Carmen Tamayo)
    Orginalversion mit englischen Untertiteln
  • „Marcelino – El mejor payaso del mundo” (Germán Roda)
    Orginalversion mit englischen Untertiteln
  • „La Zaranda – Teatro inestable“ (Venci Kostov und Germán Roda) Orginalversion
Die Filme sind ab 13. Mai auf obiger Webseite gegen Bezahlung abrufbar. 

Aus der Ankündigung von cinecscultura:

Sonntag, 9. Mai 2021

Traumhaftes Gassenfest der Sozialen Initiativen 2012

Nach tagelangen Vorarbeiten habe ich ihn endlich rekonstruiert: den jahrelang verschollene Artikel über das "OstenGassenfest" der Sozialen Initiativen 2012. 

Über diesen Artikel freue ich mich ganz Besonders. Nicht nur, weil das dreitägige Fest  eines der spektakulärsten Gassenfeste der Sozialen Initiativen überhaupt war, sondern vor allem aus folgenden zwei Gründen:

  • Erstens: es ist in Covid-Zeiten schön zu sehen, wie es einmal war und bald wieder sein wird, wenn wir zusammen rücken dürfen
  • Und zweitens: es war nicht irgendeine "Party", sondern hier waren die Mitarbeiter von sozialen Vereinen und Institutionen am Werk. Also Leute, die für andere Leute da sind. Und das ist in dieser schrecklichen Zeit der Hass- und Wutmenschen eine berührende Sache.
Und deshalb veröffentliche ich den Artikel heute, und werde ihn erst in ein paar Wochen zurück datieren, damit er dann im Jahre 2012 eingeordnet ist (wo er eigentlich hin gehört)

Das Gassenfest 2012 der Sozialen Initiativen - rund um die Ostengasse (mit Nebenstraßen, Brüchnergelände, Donaulände, AAG-Sportplatz)



Das Gassenfest der "Sozialen Initiativen" umfasste den Zeitraum vom 13. bis 15. Juli 2012. Fotos habe ich nur vom dritten Tag, also dem Sonntag. 

Die ersten drei Gassenfeste der S.I. fanden um den Bismarckplatz herum statt, das war 2005, 2006 und 2008. 2010 wurde das Fest erstmals in der der Ostengasse veranstaltet und "OstenGassenfest" genannt. Auch das diesjährige Fest, 2012, fand in der Umgebung der Ostengasse statt.

Das Highlight am Freitag abend

Der Eröffnungsabend bot als Highlight das Entzünden hunderter Kerzen als längste Aidsschleife der Welt. Damit wurde an der Donaulände  ein Zeichen der Solidarität für über 34 Millionen Menschen gesetzt, die weltweit mit HIV/AIDS leben. Start war am Freitag (13.07.) um 16:00 Uhr am Stand an der Donaulände und es wurde bis zum Ende gestrickt (Fotos siehe Webseite)

Die 5 Bühnen

Es gab fünf Bühnen mit jeweils dreitätigem Programm, am Donaumarkt (Brüchnergelände/Rasenplatz), Donaulände, zweimal in der Ostengasse und am Schwanenplatz. 

Neben Musikauftritten und Tanzmöglichkeiten auf der Tanzbühne gab es z.B. auch eine Walking Act-Performance vom Rythumstheater: 12 Regensburger(innen) präsentierten den aus Südafrika stammenden Gumboot-Dance, der an das bayerische Schuhplattln erinnern soll.

Der Kunst-Parcour

Es gab einen Kunst-Parcours durch die Ostnerwacht. Stationen waren Minoritenkriche, Galerie Raumstatt, Österreicher Stadel. 

Durch das Projekt "fenetres imaginees" (" Bilder malen im Außenraum") der Künstlerin Fanny Jacquier wurde das Viertel ferner selbst zur Straßengalerie. Der Name täuschte - es ging nicht um die Illumination von Fenstern, sondern das Verwenden von zugemauerten Blindfenstern für Bilder oder Graffiti. Infos und Flyer zum Kunst-Rundgang gab es auf der Website der Künstlerin unter www.blindfenster.de

Der Österreicher Stadel öffnet für das OstenGassenfest erstmalig und einmalig seine Pforten. Dort ist (war) das Depot des Historischen Museeums der Stadt Regensburg und der Bürger hatte die Chance, die dort lagernden und schön ausgeleuchteten Gegenstände anzusehen.  Außerdem durften regionale Künstler und Kreative diese  Kulisse nutzen, für eine Mischung aus Ausstellung, Eat Art-, Licht- und Medieninstallationen.

Vor dem Stadel  gab es Mitmachaktionen für Kinder und Erwachsene und die Demonstration, wie Büttenpapier geschöpft wurde.

Die Minoritenkirche öffnete an diesem Wochenende ihre Tür zum Schwanenplatz hin. Dort gab es dieses Jahr die  "Große Ostbayerische Kunstausstellung 2012" mit dem Titel "IM BILDE"

Galerie Insinger - Kempf-Ausstellung auf 30. Mai verschoben

 


Die Eröffnung der Ausstellung mit Werken von Günther Kempf, "Tupilaqen", wird auf den 30.Mai 2021 verschoben.

Webseite: http://www.galerie-distelhausen.de/111-0-2021.html

Kempf war schon oft Gast in der Galerie in Distelhausen. Diesmal werden ausschließlich Holzskulpturen gezeigt, die sehr stark von afrikanischen Figuren und Skulpturen der grönländischen Inuit (Tupilaq), aber auch, wie der Titel der Ausstellung  andeutet, von heimischen Legenden beeinflußt sind.

Wikipedia:

Das Kalaallisut-Wort Tupilak (oder Tupilaq, Plural Tupilait) bedeutet Seele oder Geist eines Verstorbenen und umschreibt heutzutage eine meist nicht über 20 Zentimeter große, überwiegend aus Walrosselfenbein geschnitzte Kunstfigur mit verschiedenartiger, ungewöhnlicher Gestalt. Diese Skulptur stellt eigentlich ein mythisches oder spirituelles Wesen dar; gewöhnlich ist sie aber wegen ihres grotesken Aussehens zum reinen Sammelobjekt geworden.

Große Ostbayerische Kunstausstellung 2021 - vorab online, hoffentlich bald in echt





Im Dreijahres-Turnus finden die Jahresausstellungen des BBK an drei wechselnden Orten statt: Städtischen Galerie „Leerer Beutel“, in den Räumen des Kunst- und Gewerbevereins Regensburg oder Kulturviertel Deggendorf.

Dieses Jahr ist die Städtische Galerie im Leeren Beutel dran. Die Ausstellung ist auch schon aufgebaut, aber natürlich noch nicht zugänglich. Allerdings verweist der BBK auf eine Panorama-Präsentation, die Wolfram Schmidt realisiert hat, und zwar auf:

https://www.wsfoto.de/panorama/GOK2021/index.html

Auf der Suche nach mehr Informationen zur Ausstellung fand ich folgenden Textbeitrag auf der facebook-Seite des BBK: 

Es handelt sich um keine Themenausstellung oder gar eine kuratierte Schau mit Werken aus Malerei, Grafik, Plastik, Objektkunst, Fotografie und Installation. Diese Präsentation will das breite Spektrum des Kunstschaffens der Region abbilden und einen Überblick über die aktuellen lokalen Kunsttendenzen geben und sie bewusst nebeneinander stehen lassen. 
Die aktuelle Ausstellung ist auch Plattform für neue und junge Talente, die erstmals mit Arbeiten präsent sind. Die Vielfalt der Positionen und Herangehensweisen ist somit extrem breit gefächert und plural wie die jeweiligen Aussteller-Persönlichkeiten.

Danke an die Galerie artspace Erdel, die auf ihrer facebook-Seite einen entsprechenden Hinweis brachte. Das Ganze wäre sonst an mir vorbei gegangen

Mittwoch, 5. Mai 2021

Impressionen und Entwicklungen in Regensburg - diverse Spaziergänge

Hier zeige ich Fotos aus Spaziergängen oder Spazierfahrten der letzten Wochen. Impressionen, die vor allem  Stadtentwicklung widerspiegeln. Vom Hendlwirt am Dultplatz bis zum Wohnprojekt "Kunstpark" am LERAG-Gelände ... und noch weiter.

1.5.2021: 

Auf dem Dultplatz, gegenüber dem Testzentrum, bietet Dult-Festwirt Michael Hahn Hahn-Zelt-Schmankerl zum Mitnehmen an. Dult-Hendl, Würstl  und erstaunlicherweise sogar vegetarische Produkte - die ich irgendwann mal probiere, wenn ich genug Kleingeld dabei habe.

 Ich traf dort Bekannte aus Regenstauf, die eigens deswegen in die Stadt gefahren waren. Vorher war Michael Hahn mit seinem Stand vor dem Haus der bayerischen Geschichte; nachdem dort der Lizenzzeitraum abgelaufen war, wechselte er hierher. Wo er ja eigentlich normalerweise auch vertreten wäre - nur etwas größer.

Ich genehmige mir eine Knackersemmel ohne alles.

1.5.2021



30.04.2021 - Spazierfahrt mit dem Rad

In der Wahlenstraße sehe ich endlich das neue Cafe vom ehemaligen Moccabar-Betreiber.  Das "Kafféehaus", wie es heißt, mit Barbetrieb, betrieben von Isak Hajzera hätte eigentlich im November öffnen sollen. Aktuell ist das Cafe für To-Go-Verkauf zugänglich, und zwar Montag bis Samstag. 35 Plätze und 25 Freisitzplätze sind künftig vorhanden;  vorgesehen ist gemäß einem Zeitungsbericht: Frühstück, mittags Pasta und Suppe. Ein Blick ins Innere zeigt: hier könnte man sich wohlfühlen. 

"Kaffeehaus" in der Wahlenstraße

 

Montag, 26. April 2021

Historische Panoramabilder von Georg Scharf jetzt online verfügbar


Vor ein paar Monaten spazierte ich über den Haidplatz und warf, wie so oft, einen Blick in den Durchgang neben dem Goldenen Kreuz. Und stellte traurig fest: die Panorama-Bilder von Georg Scharf waren weg. Es waren natürlich keine Originale, sondern  auf Plane gespannte Reprints (entgegen einer früheren Fassung dieses Artikels stammen sie aber nicht vom Auktionshaus Keup, sondern von der "Hausverwaltung).

Die sah ich immer gerne. Ich hatte erstmals 2012 zu den Bildern recherchiert und festgestellt, dass die Originale in London aufbewahrt werden. Online waren sie aber nicht sichtbar. Ich fand es auch traurig, dass in Regensburg so wenig über diesen faszinierenden Maler geschrieben wurde oder die Bilder gezeigt wurden. 

Die Sensation: Digitalisate jetzt verfügbar

Und vor ein paar Wochen, im März, machte ich eher zufällig die (jedenfalls für mich) sensationelle Entdeckung: die British Library hat ihre Bilder von diesem Künstler digitalisiert und online zur Verfügung gestellt. 

Ich musste erst längere Zeit auf der Webseite stöbern, bis ich begriff: auf dem Portal sind im Endeffekt drei Bilder aufrufbar: 1 Aquarellbild mit Nordansicht, 2 Ölbilder mit einmal Nordansicht und einmal Südansicht (im Durchgang gezeigt wurde nur eines der drei Bilder, und ein weiteres Bild, das jetzt quasi verschollen ist - dazu später mehr). 

Ich habe das hier mal wie folgt zusammen gestellt:

1.) Aquarellbild mit  Nordansicht (Titel "Panorama Ansicht von Regensburg")

Linkhttps://www.bl.uk/collection-items/panoramic-view-of-ratisbon# (nur Nordansicht, links unvollständig)

Ein Aquarell-Bild, das auf 1845 datiert wird.

https://www.bl.uk/collection-items/panoramic-view-of-ratisbon


PANORAMIC VIEW of that part of Ratisbon west of the cathedral, painted in water-colours by G. Scharf, sen.; 1845. Paper; 6 ft. 1/2 in. X 1 ft.


2.) Zwei Ölbilder - einmal mit Südansicht und einmal mit Nordansicht. Beide auf derselben Webseite aufrufbar (scheinbar als wäre es nur ein Bild); Titel "Panorama Ansicht von Regensburg mit Kathedrale":

https://www.bl.uk/collection-items/panoramic-view-of-ratisbon-with-the-cathedral (Süd+Nord)

Beide Ölbilder sind mit "circa 1845" datiert

PANORAMIC VIEW, of Ratisbon, having the cathedral in the centre, and showing all the principal buildings, etc., painted in oils by G. Scharf, sen.; circ. 1845. Canvas Roll; 11 ft. 2 in. x 2 ft.

https://www.bl.uk/collection-items/panoramic-view-of-ratisbon-with-the-cathedral


https://www.bl.uk/collection-items/panoramic-view-of-ratisbon-with-the-cathedral


Das Sängerfest 1847 im Stadtpark Regensburg

Bei meinen Archivierungsarbeiten vor ein paar Wochen stieß ich auch auf das unten gezeigte "Erinnerungsblatt zum Sängerfest in Regensburg am 25., 26. und 27. Juli 1847". Die mittleren drei Bilder zeigen zwei Stadtansichten und die Ansicht der Sängerhalle.

Die Sängerhalle befand sich im Stadtpark im Bereich "Unter den Linden".  Nach einer deutschlandweiten Gründungswelle von Gesangsvereinen blieb der Platz "Unter den Linden" für Jahre ein viel genutzter Festplatz. Der 1837 gegründete Regensburger Liederkranz richtete 1847 auf der Festwiese sein erstes Sängerfest mit auswärtigen Teilnehmern aus, die ihre Fahnen im Rathaus ausstellten. Der Festzug führte durch die festlich geschmückte Stadt und durch das Jakobstor aus der Stadt hinaus zum Festplatz auf der Schießwiese. Dort war eigens für diesen Anlass eine Sängerhalle in neugotischem Stil errichtet worden, in der die Vereine ihre Lieder vortrugen. (Quelle: Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Stadtpark_Regensburg)

Die Geschichte des Stadtparks ist übrigens von einem (auch außerhalb von Wikipedia sehr rührigen) Freiwilligen in hervorragender Weise für Wikipedia aufbereitet worden. Dieses Engagement möchte ich mal ganz dick loben.





Wenn man länger mit historischen Bildern beschäftigt, fängt man an, sich für den Standpunkt des Betrachters zu interessieren. Ähnlich wie die Mitglieder der facebook-Gruppe "Regensburger damals" oft einen Fotografenstandpunkt bei alten Fotos diskutieren (eine wirklich spannende Beschäftigung), versuche ich seit Jahren, den Standort des Zeichners bei historischen Stichen zu finden. Der benutzte oft genug ein Fernglas, was zu perspektivischen Verzerrungen führt (Teleobjektiv-Effekt) und die Suche trotz Einsatz von google-earth-3D schwer macht. 

Hier war aber kein Fernglas im Spiel. Die Ansichten oben und unten sind aber etwas ungewohnt. Normalerweise übernimmt man vorhandene Stiche und wandelt sie leicht ab, oder benutzt jedenfalls immer dieselben Betrachterstandpunkte. Der Flugblattersteller hat aber offenbar eigenständige bzw. unbekannte Zeichnungen als Vorlage für die Federlithographie benutzt.





Ein eher seltener Blickwinkel Richtung Norden, den ich noch in keiner anderen Stadtansicht gesehen habe. Wahrscheinlich von dem Haus in Goldene Bärenstr. 55 (damalige Adresse) aus gezeichnet;
siehe Stadtplan zu 1840; http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70305335/df_dk_0010562

 

BR Fernsehbericht über Regensburg in 1962

Mal nicht das Stadtbild, sondern der Wohnungsalltag steht im Fokus dieses Filmberichts mit interessanten Aufnahmen aus Regensburg im Jahre 1962. Zu sehen in der Mediathek des Bayerischen Fernsehens:

Wiederaufbau oder Abriss? Die Altstädte von Regensburg und Venedig
24.08.1962 ∙ BR Retro ∙ BR Fernsehen

Schwabelweiser Neubaugebiet - 2015 und heute


Das Neubaugebiet im Nordwesten von Schwabelweis, genauer der letzte westliche Zipfel im so genannten "Baugebiet Nord",  scheint ziemlich fertig zu sein. Bei der letzten Häuserreihe im Westen bin ich nicht sicher, ob sie schon bezogen sind, zwischen den anderen Häusern spielen schon die Kinder. 

Als ich vor ein paar Tagen dort zu tun hatte, fiel mir ein, dass ich vor Jahren das leere planierte Gelände fotografiert hatte, einfach zwecks Dokumentation der Stadtentwicklung. Diese Bilder  hatte ich in ein Online-Album hochgeladen, das ich jetzt frei geschaltet habe. 

Es ist unter diesem Link aufrufbar: https://photos.app.goo.gl/YsxbvAMZZhfar7Du7 (Fotos vom 28.05.2015)

28.05.2015. Weitere Fotos: https://photos.app.goo.gl/YsxbvAMZZhfar7Du7


Vergleich 2015 - 2020


Abriss-Doku Schenkergelände 4.5.2015 - Teil 3

Fortsetzung von Teil 2
Abriss-Doku Schenkergelände 4.5.2015 - Teil 3 (die Sonne bricht durch)


Während ich im ersten Stock der Gebäuderuine fotografiere, merke ich am Rande, dass am wolkenverhangenen Horizont ab und zu die Sonne durchspitzt und Licht in die Räume zaubert. Kurz darauf bricht sie voll durch und beschert mir noch eine gute Viertelstunde Gelegenheit, das Gelände bei Sonnenlicht einzufangen. Noch dazu bei Abendsonne, was mir persönlich am besten gefällt. 



 

Freitag, 23. April 2021

23. April 1809 - als Napoleon Regensburg veränderte

 

Prise de Ratisbonne. Rugendas



Und wieder jährt sich der 23. April 1809. Der Tag, der das Stadtbild von Regensburg änderte. 

Im Laufe der napoleonischen Kriege hatten die Österreicher die Stadt besetzt und die Stadttore dicht gemacht, um die heranrückenden Franzosen abzuwehren. Napoleon und seine Soldaten schossen mit Kanonen auf die Stadt, die eigentlich politisch auf Frankreichs Seite waren. 

Ewa dort, wo heute die Martin-Luther-Straße in die Altstadt führt, schafften es die Franzosen, eine Bresche in die Mauer zu schießen. Soldaten drangen ein, eilten im Schutz der Stadtmauer rüber zum (ebenfalls umkämpften) Peterstor und öffneten es. Jetzt konnten die Franzosen erst richtig die Stadt stürmen. Sie jagten die Österreicher durch die Altstadt und über die Steinerne Brücke nach "Statt am Hoff", dem heutigen Stadtamhof, das damals eine eigene Stadt war. Die Österreicher zogen sich - nach Straßenkämpfen in Stadtamhof - auf den Dreifaltigkeitsberg zurück und schossen dort mit Kanonen auf die Franzosen in Stadtamhof und richteten erheblichen Schaden an.

Das ist die Kurzfassung, die spannende Langfassung können Sie in kostenlos aufrufbaren Erzählungen von Wackenreiter, Wittmann oder anderen Autoren nachlesen - und in entsprechenden Blogartikeln hier aus früheren Jahren (Liste am Ende).

Aber sehen wir uns diesmal die Auswirkungen auf das Stadtbild an:

Durch das stundenlange Bombardement im Bereich zwischen Peterstor (Höhe Fröhliche-Türken-Straße) und Stadtosten (Höhe Von-der-Thann-Straße) wurden große Teile der südlichen Altstadt zerstört.

  • Der Teil rechts und links von der heutigen Maximilianstraße war so zerstört, dass er komplett abgerissen und ein neues Stadtviertel gebaut wurde - mit rechtwinkligen Straßen (findet man in der Altstadt sonst nicht) und einer breiten Straße zu Ehren von Maximilian. Am südlichen Ende, dort wo das heutige Maximilianhotel ist, wurde ein Tor in die Stadtmauer geschlagen - für Fußgänger. Bisher gab es nur drei Tore im Westen Süden und Osten, und natürlich der Turm am nördlichen Ende der Steinernen Brücke, als vierter Ausgang nach Norden. Das Maxtor war ein neuer, fünfter Ausgang. Die Allee als Verlängerung zum Bahnhof entstand aber erst Jahrzehnte später.
     
  • Das Kloster Mittelmünster, das sich neben dem Kloster Obermünster befand, wurde so zerstört, dass die Ruine in den Jahren darauf abgerissen wurde. Das ist der Abschnitt zwischen Fröhliche Türken Straße und der Mitte der Obermünsterstraße (inkl. heutigem Parkhaus Petersweg). 
     
  • Die Gegend um Dachauparkhaus/Dachauplatz und östlich davon wurden ebenfalls stark beschädigt und konnte nicht überall so aufgebaut werden, wie es vorher war. Insbesondere gab es dort das Klarissenkloster, das unwiderruflich zerstört wurde.
     
  • Der nördliche Turm der Steinernen Brücke, den es damals noch gab (der so genannte Schwarze Turm, mit der Funktion als Grenze von Regensburg zu Bayern) wurde so beschädigt, dass er abgerissen wurde.
     
  • Und Stadtamhof wurde so stark beschädigt, dass die Hauptstraße dort neu erbaut wurde.
     
  • Insgesamt wurde in Regensburg ein Fünftel des Hausbestands und einige Kirchen beschädigt.
Die Schlacht an diesem Tag führte also zu starken Veränderungen im Stadtbild. 

Interessanterweise hat Napoleon schon ein paar Jahre vorher das Leben in Regensburg umgestürzt.

Denn im Rahmen der vorangegangenen napoleonischen Kriege (Koalitionskriege) gab es 1803 eine Neuordnung des bisherigen Heiligen römischen Reichs (siehe Reichsdeputationshauptschluss). Regensburg verlor dabei seine Freiheit als  "freie Reichsstadt" und wurde einem Fürsten übertragen, aber was das Schlimmste war: der immerwährende Reichstag löste sich auf, alle Gesandten zogen ab, und Regensburg fiel schlagartig in die Bedeutungslosigkeit einer Bezirksstadt zurück (so ist es vielleicht mal auch den Leuten in Bonn gegangen - das war nämlich tatsächlich mal Hauptstadt der BRD, liebe Kinder)

Und auch nach dieser Schlacht von 1809 hat Napoleon Regensburg nochmals verändert. Denn im Zuge der napoleonischen Kriege kam es 1810 dazu, dass Regensburg Teil des frisch gegründeten Königreichs Bayerns wurde. 


Ob man wegen all dem Napoleon verabscheuen muss, ist eine andere Frage. Denn von Historikern wird darauf hingewiesen, dass es die jeweiligen Allierten ("Koalitionspartner") waren, die Napoleon zu den Kriegen faktisch gezwungen haben. Es war vor allem Österreich, das nach vier Kriegen gegen Napoleon 1809 den fünften Koalitionskrieg eröffnete.  Außerdem seien es die feindlichen Österreicher gewesen, die die Stadt besetzt hatte; die Österreicher hätten im übrigen selbst geplündert und Brände gelegt. Die  verbreitete  Napoleonfeindlichkeit in Regensburg ist tatsächlich ein bis in die heutige Zeit reichendes Problem. Man denke an den heftigen Streit 2012 über die Inschrift in Stadtamhof (z.B. https://www.regensburg-digital.de/antinapoleonischer-befreiungskrieg-des-heinrich-wanderwitz/21092012/).  Ich will sie nicht fördern - wegen geschichtlicher Ereignisse Hass zu entwickeln, ist Unsinn. Ohne die Änderungen wären wir nicht am Leben. Ohne Napoleon wäre es nicht zur Gründung des Königreich Bayerns gekommen. Und wenn man sich mehr mit den Koalitionskriegen beschäftigt hat, muss man einsehen, dass die Entwicklung viel komplizierter ist, als es beim ersten Hinsehen zu sein scheint.





Dienstag, 20. April 2021

Lüpertz feiert 80. Geburtstag - neues Video hochgeladen

v.l.: Markus Lüpertz, Jens Neundorff von Enzberg

Der international bekannte Künstler Markus Lüpertz feiert demnächst seinen 80.Geburtstag, war heute in der Tageszeitung zu erfahren. Das Multitalent war schon mehrfach in Regensburg. Bei der Ausstellung in der Ostdeutschen Galerie im November 2010 wurde ich das erste mal auf ihn und seine faszinierenden Werke aufmerksam.

Anlässlich des Geburtstags habe ich heute ein Video auf youtube hochgeladen, das in 2019 in der ArtAffair-Ausstellung entstand. Der Intendant des Stadttheaters Regensburg, Jens Neundorff von Enzberg, und der Künstler Markus Lüpertz führten mit einem Künstlergespräch in die neue Ausstellung ein, die am 7.12.2019 vormittags in der Regensburger Galerie Art Affair eröffnet wurde.

Ein Snippet daraus hatte ich bereits früher auf youtube veröffentlicht: Markus Lüpertz und  die Höhlenmalerei

Das jetzt auf youtube freigeschaltete Video umfasst beinahe das komplette Gespräch. Lediglich am Anfang fehlen zwei Minuten, und auf 11:50​ gibt es einen Schnitt, bei dem eine Minute fehlt (es gab einen Sanitätereinsatz vor der Tür der Galerie). Zur Ausstellungseröffnung siehe: https://www.regensburger-tagebuch.de/...

Das volle Video also hier: https://www.youtube.com/watch?v=f9OPmXStMy4

oder eingebunden hier im Blog-Beitrag: