Regensburger Tagebuch

Notizen von der nördlichsten Stadt Italiens
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Montag, 27. Juli 2026

Wie sich die KI ein Regensburg um 1594 fantasiert



Leute, ich kann Euch nur empfehlen: sichert euch das folgende KI-Video (solange es noch auf youtube existiert), ladet Freunde ein und macht dann ein Trinkspiel. Für jeden groben Schnitzer wird einer gehoben. Aber nur bei groben Schnitzern, sonst gibt es die Alkoholvergiftungen schon am Anfang.

"Regensburg im Jahr 1594 — So haben Sie den Reichstag noch nie gesehen"
https://www.youtube.com/watch?v=9TKoyQfGXOE

Ihr wisst ja, wie das heutzutage funktioniert: man lässt von einer KI einen Aufsatz zu einem Thema generieren, wechselt dann zu einer Video-KI und lässt dort passende Szenen generieren und lädt sie auf youtube hoch.. Ich habe schon zahlreiche solcher Videos angesehen, sie sind halbwegs informativ und die miserable Untermalung mit Bildern schadet nicht. Jedenfalls nicht, wenn es um das Leben eines Wissenschaftlers oder die Entwicklung einer Musik-Band geht.

Aber wenn man sich als Thema "Regensburg um 1594" (oder in einem anderen Video "Regensburg um 1200") nimmt, und man Regensburg überhaupt nicht kennt, so dass einem die KI-Fehler nicht auffallen, dann wird es heftig. Hier könnte man sagen: die falschen Bilder schaden. Denn die visuelle Vorstellung von Regensburg im Mittelalter ist der Kern des Videos.

Da fantasiert sich die KI das Bruckmandl als übergroße Steinfigur, oder die Eingangstür zum Alten Rathaus (eigentlich gut im Netz dokumentiert) wird unrealistisch erfunden, wobei an den (erfundenen) Säulen rechts und links jeweils zwei große Figuren mit Namen "Schutz und Trutz" stehen (in Wirklichkeit zwei Köpfe im Relief über dem Eingang). 

Bei der Steinernen Brücke fehlen die damals vorhandenen drei Türme, dafür sieht man die modernen Straßenlaternen. Das südliche Brücktor hat das heutige Aussehen, das es 1900 durch die straßenbahnbedingte Verbreiterung erhielt. Und immer wieder sieht man im Hintergrund die Donaunordfront in aktuellem Zustand, also aus den 2000ern, im Hintergrund die Domspitzen, die in Wirklichkeit erst 1859 mit Rückendeckung von König Ludwig gebaut wurden. Bis dahin sah man den Dom immer nur mit stumpfen Turmabdeckungen.

Das tut schon weh. Die ersten Minuten ärgerte ich mich, aber spätestens als das "Bruckmandl" auftauchte, lag ich lachend am Boden. 

Trotzdem bleibt ein Gedanke: ist das nicht eine Verunglimpfung von Regensburg? Wenn auch ungewollt, natürlich. Da kann man jetzt streiten. Denn die Absicht war ja eine gute.
Aber eines ist sicher, und das Thema ärgert mich schon seit vielen Jahren: wir haben eine Uni hier, mit einem Geschichtsinstitut, und das in einer der ältesten Städte Europas. Da sind doch genug Geschichtsstudenten da. Da hätte es schon vor Jahren wimmeln müssen von 3D-generierten Gebäudemodellen oder Rekonstruktionen aus der Römerzeit und anderen Visualisierungen, die mit Hilfe des Computers möglich sind. Ich hatte vor 11 Jahren mal verglichen: eine Handvoll von 3D-Modellen, die man in google-earth einblenden in Regensburg kann, in München und vielen  anderen Städten dagegen gab es ein Vielfaches - und ich rede nicht von der Modellen, die google mit Hilfe von Flugzeugaufnahmen macht, sondern Modelle, die man kostenlos mit 3d-Software sketchup machen konnte (Meine Screenshots dazu findet ihr hier)

Und das hat sich in den letzten Jahren für Regensburg nicht geändert! Das ist doch traurig, oder?

Samstag, 2. Mai 2026

Die Minoritenkirche und das Franziskanerkloster

Ich hatte vor ein paar Wochen auf die Veranstaltungsreihe des KEB zum 800. Todestag von Franz von Assisi hingewiesen. Eine der Veranstaltungen findet am 3.5. statt; dort geht es um die Regensburger Mintoritenkirche. 

Das ist Anlass für mich, ein paar Basisinformationen über die Kirche zu liefern. 

Die Kirche befindet sich beim Dachauplatz und war Teil des Minoritenklosters. Sowohl Kirche als auch Klostergebäude sind heute vom Historischen Museum belegt. 


Minoritenkirche Regensburg, Klosterkirche des Franziskanerklosters St. Salvator
 

Dienstag, 13. Januar 2026

Das ehemalige Wasserschloss Pürkelgut

Schloss Pürkelgut in der Abendsonne (4. Januar 2026)


Bei meinen Fahrten zu meiner Mutter komme ich regelmäßig am ehemaligen Wasserschloss Pürkelgut vorbei und kann von außen den Fortschritt der Renovierungsarbeiten verfolgen. 

Aktuell scheinen Dach und Fassade (zumindest die vordere Fassade) erledigt zu sein, Kran und Gerüste sind weg. Die sah ich noch vor ein paar Monaten. Als ich am 4. Januar vorbei fuhr, sah ich das Gebäude zum ersten mal gerüstfrei und in neuem Gewand in der Abendsonne. Da die davorstehenden Bäume noch nicht belaubt sind, suchte ich einen Parkplatz und nutzte die Gelegenheit für ein paar Fotos.

Außerdem habe ich in diesem Artikel die wichtigsten historischen und aktuellen Infos zusammen getragen und Ausschnitte aus alten Karten eingefügt. Denn Wikipedia gibt nur Teilinfos und es ist schwer, über eine schnelle Recherche die Entwicklung der jüngeren Zeit aufzudecken.

Schloss Pürkelgut ist ein ehemaliges Wasserschloss aus dem Jahre 1728 

Im Jahre 2015 wurde das Objekt vergeblich der Stadt angeboten. Es wurde dann 2017 von Immobilienunternehmern erworben, die ihre damaligen Pläne dann doch nicht realisierten, sondern das Objekt an den Tierarzt Dr. Roland Fechter übergaben (offenbar im Wege der Erbpacht). Dieser saniert das Objekt seit 2024. 

In dem Schloss sollen eine große Tierarztpraxis sowie private Wohnräume entstehen.

Der Dachboden soll angeblich der größte freitragende Dachstuhl Bayerns. sein Die kompletten Balken sind handgeschlagen und mit Holznägeln verbunden. Es wurde kein einziger Eisennagel verbaut! (Quelle https://www.maxschierer.de/maxblog/sanierung-puerkelgut/). Auch die Fenster kommen nicht von der Stange. Von außen sind die 2-teiligen Kastenfenster dem historischen Vorbild von 1728 nachempfunden und vom Denkmalschutz abgenommen. Im Innern sind sie mit modernen Griffen ausgestattet und entsprechen dem aktuellen Stand der Technik.

google-earth-Ansicht Schloss Pürkelgut




Frühere Fotos aus der Zeit der Sanierung:

Dienstag, 16. Dezember 2025

Neues zum Regensburger Ohmwerk

Wenn ich auf youtube bin, stöbere ich regelmäßig in den "Regensburger Geschichten", eine Video-Serie von Katharina Lenz und Maximilian Weinzierl über Regensburger Stadtführungsthemen. Vor kurzem sah ich mir den neu erschienenen Beitrag über das Ohmwerk an: "Die elektrische Schiffsdurchzugsanlage an der Steinernen Brücke in Regensburg" (https://www.youtube.com/watch?v=S-DGZTOwafo)

Tags darauf merkte ich, dass in meiner Zugriffsstatistik eine neun Jahre alte Reportage von mir auftauchte. Offenbar haben mehrere den Videobeitrag gesehen und in google danach gesucht und sind dabei auf meinen Beitrag gestoßen. Es war eine sehr gründliche Aufarbeitung des Themas "Ohmwerk", nachdem kurz davor die Restaurierung abgeschlossen war und die Anlage am Tag des offenen Denkmals vorgeführt wurde:
Das Ohmwerk - der historische Schiffsdurchzug an der Steinernen Brücke
https://www.regensburger-tagebuch.de/2016/10/das-ohmwerk-der-historische.html

Ich habe den Artikel um eine Grafik erweitert, die ich mittels googleEarth erstellt habe. Dabei geht es um die Darstellung der wahrscheinlichen Seilführung über zwei Umlenkrollen:

google-earth-screenshot vom Ohmwerk mit Darstellung der wahrscheinlichen Zugführung

Sonntag, 1. Juni 2025

Legionäre unterwegs - Rückkehr der Römer ins Kumpfmühler Kastell

Rückkehr der Römer ins Kumpfmühler Kastell - so hieß die dreitätige Veranstaltung des Geschichts- und Kulturverein Regensburg-Kumpfmühl (GKVR) vom 30. Mai bis 1. Juni, parallel zum Welterbetag. 

Man konnte sehen: Vorführungen der ReenactmentgruppenLegio III Pia Fidelis, Legio III AntoninianaItalica und der Gladiatorengruppe von INDES

Woher der Titel? Nun, Mark Aurel gründete praktisch Regensburg im Jahre 179 n.C., als er hier ein Kastell in der heutigen Altstadt errichten ließ. Aber schon vorher, etwa 79 n. Chr.  gab es ein erstes Kartell in Kumpfmühl, das aber 171 n.C. von den Markomannen zerstört wurde.

Es war nur ein kleines Kastell. Die Besatzung des Kumpfmühler Kastells bestand nur aus einer "Kohorte" von 500 Mann. Im Gegensatz zu einer "Legion" handelte es sich bei einer Hilfskohorte im wesentlichen nicht um Römer, sondern um regional angeworbene Soldaten. Man spricht von Hilfskohorten oder Auxiliarkohorten.

Die angeworbenen Soldaten konnten sozial aufsteigen, denn sie erwarben im Rahmen des 25 jährigen Dienstes aber das römische Bürgerrecht, ebenso ihre Ehepartner und Kinder.

Der Tag der Entlassung aus der Armee war somit für den "einfachen Mann" ein Festtag und eine entscheidende Station in seinem Leben. Den Erwerb der neuen Rechte ließ sich der neue römische Bürger durch Militärdiplom urkundlich bestätigen. Das älteste, sicher datierte Militärdiplom in Regensburg Holländer Fronto am 16. Dezember 113 n. Chr. ausgestellt.

Der ausgediente Soldat hatte während des Dienstes lesen und schreiben gelernt und die römische Kultur kennengelernt. Nach Entlassung konnte er sich mit seinen neuen Bürgerrechten im Lagerdorf niederlassen und ein Geschäft gründen oder einen Gutshof führen (villa rustica). Durch das Kastell hat sich also römische Kultur in der Gegend verbreitet.


Das Kastell wurde wahrscheinlich beim Markomannen-Einfall Mitte des 2. Jahrhunderts zerstört; entsprechend der Grabungsbefunde vermutet man das Jahr 171, maximal 175 n. Chr.. Jedenfalls fand man Hinweise darauf, dass das Kastell in dieser Zeit niedergebrannt ist, ebenso die zwei Zivilsiedlungen.

Danach dann beschloss Kaiser Marcus Aurelius (161-180 n. Chr.), in unserer Provinz die III. Italische Legion zu stationieren. Ein Lager, elfmal so groß wie das Kumpfmühler Lager, besetzt von 6000 echten römischen Soldaten - das sieht man dann als eigentliche Gründung von Regensburg (mehr dazu in dieser Reportage: https://www.regensburger-tagebuch.de/2016/05/die-ersten-romer-in-regensburg.html)

Aber der Beginn war eben in Kumpfmühl. Und somit ist der Titel erklärt



Das Lager wurde am Freitag um 14 Uhr eröffnet - ich selbst hatte aber erst Samstag mittag Zeit und Gelegenheit, ein paar Fotos zu schießen.




Donnerstag, 29. Mai 2025

Römer-Spektakel am Wochenende - 30. Mai bis 1. Juni 2025

Der Geschichts- und Kulturverein Regensburg-Kumpfmühl (GKVR) veranstaltet für drei Tage ein Römer-Spektakel in Regensburg. 

Das Ganze beginnt in Kumpfmühl, und zwar am Freitag um 14 Uhr im Karl-Bauer-Park. Dort wird ein römisches Lager eröffnet. Danach gibt es einen Festzug, eine Pompa, durch den Karl-Bauer-Park. Um 15 Uhr zeigen die Gladiatoren einen Schaukampf im Park.

Das wiederholt sich am Samstag und Sonntag, aber am Samstag gibt es ab Mittag eine zusätzliche Pompa in das Stadtzentrum und weitere Aktivitäten.


Geschichts- und Kulturverein Regensburg-Kumpfmühl: www.vitusbach.de

Und damit die Suchfunktion die Details erfassen kann, hier nochmal als Text:

Vorführungen der ReenactmentgruppenLegio III Pia Fidelis, Legio III AntoninianaItalica und der Gladiatorengruppe von INDES


Ort: Karl-Bauer Park


Freitag 30.05.

Freitag, 22. November 2024

Präsentation des neunen VHVO-Bandes am 27.11.2024


PRÄSENTATION DES NEUEN VHVO-BANDES

Ort: Regensburg, Bücher Pustet, Dombuchhandlung, Domplatz 7


Der Historische Verein für Oberpfalz und Regensburg und der Verlag Friedrich Pustet laden ein zur Buchvorstellung des neuen Bandes 164 (2024) der Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg. 

Eintritt frei.


Mittwoch27.11.
19:00 Uhr
Hauptverein Regensburg

Webseite des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg

Zu den VHVO-Bänden

Die seit 1831 im Selbstverlag herausgegebene Vereinszeitschrift "Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg" (VHVO) zählt zu den ältesten historischen Zeitschriften Bayerns (ISSN: 0342-2518). Sie enthält Beiträge zur Archäologie, Geschichte, Kunstgeschichte und Volkskunde der gesamten Oberpfalz sowie der ehemaligen Reichsstadt Regensburg. Neben dem Aufsatzteil wird in den VHVO ein umfangreicher Rezensionsteil publiziert, in dem Besprechungen aller wesentlichen Neuerscheinungen zur Geschichte der Oberpfalz und Regensburg zu finden sind.


Während die älteren VHVO-Bände inzwischen digitalisiert worden sind, werden die neueren gleich hybrid publiziert, d.h. parallel zur kostenpflichtigen gedruckten Version wird online eine Open-Access-Version bereitgestellt.

  • Somit sind alle derzeit 158 VHVO-Bände weltweit ohne Zugangsbeschränkungen oder Gebühren auf der von der Universitätsbibliothek Regensburg, dem Lehrstuhl für Bayerische Landesgeschichte an der Universität Regensburg und vom Landkreis Regensburg unterstützten Internetseite www.heimatforschung-regensburg.de frei zugänglich.
Hier können Sie das Digitalisat jedes VHVO-Bandes bzw. jedes einzelnen darin enthaltenen Aufsatzes einsehen

Sonntag, 1. September 2024

Tag des offenen Denkmals 2024 - am 8. September

Am Sonntag, 8. September 2024, sind unter dem Motto "Wahr-Zeichen. Zeitzeugen der Geschichte" wieder zahlreiche Denkmäler für den Besuch geöffnet.

60 Programmpunkte werden diesmal geboten - eine unglaubliche Vielfalt, bei der das größte Problem ist, dass man sich selbst aufteilen müsste.

Das Programm findet man hier:





Samstag, 20. Juli 2024

Säule für den Frieden ist jetzt im Historischen Museum

Die "Säule für den Frieden", hergestellt von Kindern beim Gassenfest 2024, mittlerweile im Foyer des Historischen Museums, wo sie bis März 2025 stehen bleibt.

Die Leiterin der gemeinnützigen Organisation "AktionKulturSozial",  Sabine Watzlawik,  hat beim diesjährigen Gassenfest der Sozialen Initiativen nicht nur den gesamten Bereich auf dem AAG-Sportplatz verwaltet, sondern hat auch ein eigenes Projekt beigesteuert: Die "Säule des Friedens". Eine Idee des Förderkreismitglieds "Steffi Zuber".

Dabei modellierten Kinder unter Anleitung des Organisation  eine Friedenssäule - die "Säule für den Frieden".

Vorbild war die Marc-Aurel-Säule in Rom. Allerdings geht es bei der aktuellen Säule nicht um eine Ehrung von Marc-Aurel und dessen erfolgreiche Schlachten, sondern umgekehrt um den Frieden. Die Kinder sollten aus Knetmasse Friedenssymbole nach eigenem Ermessen formen, die dann spiralförmig an die Säule geklebt wurden, eben ähnlich wie die Vorbildsäule in Rom. 

Die Reliefsymbole wurden dann am Ende bunt bemalt. Entstanden ist eine 4 m hohe wunderschöne Säule, die am Sonntag, dem dritten Tag des Festes,  tatsächlich fertig wurde. 

Die Kinder durften selbst über das Friedenssymbol entscheiden. Das konnte eine Friedenstaube sein, eine Katze, das Bruckmandl, ein Herz oder ein Fisch, händchenhaltende Paare, oder einfach das Wort Frieden in Buchstaben.

Die Sponsoren "Bechtle IT" und "Lions Club Castra Regina" haben entscheidend daran mitgewirkt, diese Aktion zu ermöglichen.

Die Säule im Museum

Die Säule 4 m hohe Säule ruht auf einem 100 kg schweren Sockel. Sie wurde nach dem Fest von weiteren ehrenamtlichen Förderern unter großem Aufwand ins Historischen Museum transportiert.  

Am 14. Juli hat Sabine Watzlawik unter Anwesenheit der Beteiligten die Säule vorgestellt.

Da die Säule im Foyer steht, ist sie ohne Eintritt für jedermann zugänglich.

Die Säule  ist im Museum  bis März 2025 zu sehen, genau genommen bis zum Todestag von Mark Aurel, dem Gründer unserer Stadt.  Danach soll sie  für gemeinnützige Zwecke versteigert werden. 



Maximilian Ontrup M.A. (Historisches Museum Regensburg), Dr. Joachim Zuber (Historisches Museum Regensburg), Prof. Dr. Wolfgang Otto (Förderkreis AktionKulturSozial e.V.), Martin Schaich M.A. (ArcTron 3D GmbH), Stephanie Zuber (Förderkreis AktionKulturSozial e.V.) , Roland König (Bechtle IT-Systemhaus), Sabine Watzlawik M.A. (AktionKulturSozial gGmbH), Markus Kick (Bechtle IT-Systemhaus), Michael Wingenfeld (Lions Club Castra Regina)

Sonntag, 12. November 2023

Das neue Buch über Dechbetten, Ziegetsdorf und Königswiesen




Nachdem sich das Autoren-Duo Fritz Rehbach und Gabriele Deml mit ihrem Buch über Großprüfening einen Namen gemacht haben, brachten sie jetzt ein neues Buch auf den Markt:

"Dechbetten, Ziegetsdorf und Königswiesen 
(Untertitel: damals und heute)"

Dechbetten und Ziegetsdorf waren beschauliche Dörfer mit zahlreichen Bauernhöfen, etlichen Geschäften und einigen größeren Betrieben. 1938 wurden die beiden Dörfer zusammen mit Großprüfening nach Regensburg eingemeindet. 

Einschneidend war der Bau der Autobahn mitten durch die Dörfer. Damit hat sich das Bild von Dechbetten grundlegend geändert - und das macht alte Aufnahmen der Gegend so interessant.

Gabriele Deml und Fritz Rehbach sammelten wie schon bei ihrem ersten Buch "Großprüfening" zahlreiche Bilder und Geschichten, sprachen mit den Einheimischen und recherchierten in den Archiven. In Interviews betonten sie, dass sie keinen wissenschaftlichen Anspruch haben. Und trotzdem - wie beim Prüfening-Buch haben sie gründlich recherchiert und so manche Anwesen generationenweise rückwärts aufgerollt. Das alles mit einer Fülle von Details sowie vielen vielen Fotos, die bisher nirgends veröffentlicht waren.

Die Autoren mussten "klingelputzen", um von den Anwohnern Informationen und alte Fotos zu bekommen. Ursprünglich wollten sie nur Dechbetten selbst behandeln, erweiterten dann das Gebiet auf Ziegetsdorf und Königswiesen. Daher lautet der komplette Titel: "Dechbetten, Ziegetsdorf und Königswiesen (Untertitel: damals und heute)"

Das Buch ist natürlich nicht nur für diejenigen interessant, die in Dechbetten wohnen oder von dort abstammen. Vor allen wir älteren Regensburger kennen Institutionen wie den Dechbettener Hof, den Cowboy Club, den Emslander Keller, die Blindenfabrik. 

Und wir sind interessiert  an den Luftbildaufnahmen, die den Autobahnbau zeigen, und wie Dechbetten davor aussah.

Samstag, 2. September 2023

Tag des offenen Denkmals in Regensburg - 10.09.2023

Der Tag des offenen Denkmals fällt in Regensburg dieses Jahr auf den 10. September 2023. 

Einzelheiten zum Programm findet man auf dieser Webseite:


Aus dem Pressetext:
„Talent Monument“, so lautet das diesjährige Motto der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zum Tag des offenen Denkmals®, der 2023 in dieser Form sein 30-jähriges Jubiläum feiert. Das Jahr steht im städtischen Kultur­­leben zudem unter dem Thema „Höhenflug“. Denkmäler sind beides, wahre Talente und Überflieger. Das mittel­alterliche Bürger­haus, das seit Jahrhunderten bewohnt wird. Histo­rische Dachstühle, die bis heute funktionieren. Denkmäler sind vielfältig und nach­haltig. Sie ermöglichen modernes Wohnen, ohne ihr Alter zu ver­heimlichen. Sie lassen sich reparieren. Sie stiften Identität, sind Wahrzeichen für eine Stadt oder einen Ortsteil. Wir laden Sie ein, diese Vielfalt zu entdecken.

Mit unseren Kooperations­partnern haben wir ein vielfältiges und kostenloses Programm erstellt. Es führt von West nach Ost (Nr. 1-42), durch den Stadtsüden (Nr. 43-47) sowie über die Donau (Nr. 48-56). Familien- beziehungsweise Kinderangebote (Nr. 57-61) runden das Programm ab. (Quelle: 
https://www.regensburg.de/rathaus/aemteruebersicht/kulturreferat/amt-fuer-kulturelles-erbe/tag-des-offenen-denkmals-2023)






Mittwoch, 28. Dezember 2022

Rücksichtslose Verkehrsteilnehmer - damals wie heute

Fundstück: Zeitungsmeldung 18.12. 1836, Regensburger Wochenblatt, letzte Ausgabe des Jahres 1836: "Das Verbot des schnellen Fahrens und Reitens betreffend".




 Wie man sieht, sind manche Themen zeitlos.

Mittwoch, 21. September 2022

Alles Gute zum 6026. Geburtstag, liebe Erde (21.09.2022)

Lange Zeit glaubte man, die Erde (oder die Welt) wurde von Gott vor ungefähr 6000 Jahren geschaffen. 

Genau genommen am Vormittag des 21.09.4004 vor Christus, so jedenfalls der Theologe James Ussher, der im Jahre 1650 die in der Bibel genannten Generationen hochrechnete und weitere Bibeldaten auswertete. 

Ussher nannte zwar den 23.10. -  damals galt aber der julianische Kalender. Umgerechnet ist das der 21. September nach dem heutigen (gregorianischen) Kalender. Genaugenommen der Moment der Tag- und Nachtgleiche, und daher hat er sogar eine Uhrzeit genannt.

Somit wäre dann heute (am 21.09.2022) der 6.026. Geburtstag.

Andere historische Forscher gingen übrigens von ähnlichen Altersbestimmungen aus, z.B. Venaribilis (3.952 v. Chr) oder Scaliger (der nannte 3.950 v. Chr. )

Aber das Datum von Ussher war das meistgenannte Datum, das man dann in den Geologie- oder anderen Naturkundebüchern im 18. und 19. Jahrhundert lesen konnte. Hier ein winziger Ausschnitt aus der 7 m langen Timeline-Karte von S.C. Adam (1881)



Und hier der Kopf der Geschichtskarte von Willard aus dem Jahre 1815:




Es gibt übrigens - vor allem in den USA - immer noch so einige Leute, die an dieses Alter und an die biblische Schöpfungsgeschichte glauben. Kreationismus wird das mittlerweile genannt (https://www.welt.de/wissenschaft/article750227/Die-Erde-ist-ziemlich-genau-6000-Jahre-alt.html). 

Aber keine Angst - daran glaube ich nicht,  und damit will ich mich hier auch nicht befassen. Vielmehr möchte ich wieder mal den Fokus auf historische Bücher und Karten lenken. 

Wie meine Leser wissen, ist das schon seit vielen Jahren mein Hobby. Eigentlich nur, weil es das Internet gibt. Denn über diverse Portale kann man tausende von alten Büchern oder Karten ansehen, ohne sie mühsam sammeln oder Bibliotheken besuchen zu müssen. Außerdem lassen sich auf diesen Portalen die Dokumente oft bis in das kleinste Detail zoomen.

Die geniale Kartensammlung von David Rumsey (https://www.davidrumsey.com/) habe ich schon öfters erwähnt, meist in Zusammenhang mit dem Thema "Regensburg auf alten Karten" . Heute geht es aber nicht um Regensburg. 

Vor Jahren entdeckte ich eine Zusammenstellung interessanter "Timeline"-Karten und recherchierte auf dem Portal von Rumsey. An diese Zeitleistenkarten musste ich denken, als ich in den letzten Tagen einen Artikel über das angebliche Alter von 6000 Jahren las. Denn ich erinnerte mich, dass manche Zeitleisten dort begannen. Etwas, was mich damals völlig verwirrte, weil ich noch nichts über diese Theorie wusste. 

Samstag, 17. September 2022

Karl May und der "Deutsche Hausschatz" - Illustriertenvorläufer aus Regensburg

 



Deutscher Hausschatz, Jahrgang 23, mit Karl May Foto aus Wikipedia
 (im Digitalisat dieser Ausgabe habe ich aber kein Foto gefunden - evtl. eine besondere Ausgabe?)


In den letzten Wochen blähte die BILD-Zeitung eine harmlose Instagram-Diskussion um den neuen Winnetou-Kinderfilm  zu einem angeblichen shitsstorm auf und verursachte anschließend mit falschen Schlagzeilen den Eindruck, die ARD sende wegen angeblichen Rassismus keine Winnetou-Filme mehr. Was nicht stimmt - die ARD sendet schon seit 2020 keine Filme mehr, jedoch nur wegen Ablauf der Lizenz. Aber wer liest schon mehr als die Überschrift.

Die missverständliche bzw. falsche BILD-Überschrift heizte jetzt erst so richtig einen echten shitstorm an. Deshalb, weil viele jetzt glauben mussten (BILD sei dank), man wolle ihnen ihren Winnetou verbieten. Und man müsse Karl-May vor Rassismus-Vorwürfen verteidigen. Das gipfelt darin, dass am Gillamoos Politiker demonstrativ in Winnetou-Verkleidung kamen. Und so manche Kabarettisten scheinen auch nur oberflächlich informiert zu sein, wenn ich mir ihre Pointen anhöre.

Dabei ging es ursprünglich nur um ein Begleitbuch zu dem neuen Kinderfilm "der junge Winnetou", das der Ravensberger Verlag im Sommer herausgeben wollte. Wohl bemerkt - ein Begleitbuch. Der Film selbst kam im August anstandslos heraus und wurde auch nie zurück gezogen (er hat auch kaum Eindruck hinterlassen). Und die alten Winnetou-Filme werden ebenfalls auch künftig auf ZDF gesendet. (Eine gute Reportage über den shitstorm: hier)

Der ganze Rummel um die Karl-May-Figur Winnetou hat mich aber daran erinnert, dass ich vor Monaten - nach einer sensationellen  Entdeckung -  eine Reportage angefangen hatte, die mit Regensburg und mit Karl May zu tun hat. Diese Reportage existierte lange Zeit als halb fertig gespeicherter Entwurf, jetzt habe ich ihn vollendet.

Es geht um die beim Pustet in Regensburg herausgegebene Zeitschrift "Der Deutsche Hausschatz", erschienen in der Zeit von 1873 bis 1953. 

Die Zeitung gilt von ihrem Konzept her als Vorläufer der "Illustrierten", die wöchentlich oder zweiwöchentlich erschien, und neben nationalen und internationalen Nachrichten auch Unterhaltung in Form von Romanen und Geschichten bot, ferner Rubriken wie etwa "Für die Frau", "Für die Jugend".

Karl May war einer der prägenden Autoren.  Bis 1910 hat er in dieser Zeitschrift er viele seiner Geschichten das erste mal veröffentlicht. 

Im Jahr 1878 war der Pustet Verlag an ihn herangetreten und so wurde er einer der Haus-Autoren des Deutschen Hausschatz. Im gleichen Jahr kamen auch erste Bücher von ihm heraus.

Dass Karl May Mitautor war, hat einen Vorteil: dass es vollständige Digitalisate  der  Jahrgänge bis 1909 gibt, liegt an der Karl-May-Gesellschaft, die auf ihrem Portal diese Ausgaben in hervorragender Qualität kostenlos zur Verfügung stellt:


Daneben gibt es noch ein paar Ausgaben, die von der Bayerischen Staatsbibliothek digitalisiert wurden.

 
Mein Fokus richtet sich aber nicht auf Karl May, der bekanntlicherweise seinen Lesern vorgaukelte, er habe die Abenteuer persönlich erlebt (als Old Shatterhand in Amerika, oder als Kara-Ben-Nemsi im Orient), obwohl er sich sein Wissen nur angelesen hatte. Wer sich dafür interessiert, soll mal bei Wikipedia anfangen, über den Autor zu lesen.

Eine der wenigen Fotos vom Autor Karl May, gefunden in der 23. Ausgabe


Mich  interessiert in dieser Reportage die Zeitschrift als solche, und dass sie als neues Konzept hier in Regensburg erfolgreich für viele Jahrzehnte herausgegeben wurde.  

Außerdem habe ich rare Fotos von Regensburg entdeckt, die ich hier vorstellen will.  Der Inhalt der Illustrierten hatte eigentlich keinen Regionalbezug. Es war eine landesweite Zeitschrift. Ich musste einige Zeit recherchieren, bis ich auch Artikel über Regensburg fand - und dort entdeckte ich alte Fotos von Regensburg, die mir bis dahin völlig unbekannt waren (die ich also weder in Foren noch sonst wo im Internet gesehen hatte). 


Die Zeitschrift

Es gab sie 1873 bis 1953 unter leicht unterschiedlichen Namen. Nach der Gründung durch Pustet und bis 1910 hieß das Blatt Deutscher Hausschatz in Wort und Bild, danach mit Beginn des 37ten Jahrgangs (Oktober 1910 – Oktober 1911) Deutscher Hausschatz – Illustrierte Familienzeitschrift.  Die Nachfolgepublikation nannte sich nur noch Hausschatz und erschien von 1953 bis 1960 (siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Hausschatz)



Titelblatt ab der 1. regulären Ausgabe



Ab 19. Jahrgang (1892-93) neues Titelblatt mit u.a. Regensburgansicht

Digitalisate


Leitender Redakteur war ein Heinrich Keiter. 

Einer der Redakteure war Venanz Müller;  über ihn entdeckte ich die Zeitschrift. Denn in einem Buchartikel über alte Restaurants in Regensburg entdeckte ich eine Karikatur mit der Unterschrift "Stammgäste in der Weißen Lilie". Die Figuren wurden benannt als  Venanz Müller (mitte) links Brauereibesitzer Gerzer vom "Zum weißen Bräuhaus", rechts: Joh.Nep. Mühlbauer, Redakteur des Regensburger Anzeigers und Morgenblattes). 


Die Karikatur ließ mir keine Ruhe - ich wollte partout wissen, wer dieser Venanz Müller ist und für welche Zeitung er schrieb. Von den alten Regensburger Zeitschriften (wie dem Regensburger Anzeiger oder dem Morgenblatt) wusste ich natürlich längst aus früheren Recherchen. Es dauerte einige Zeit, bis ich den Redakteur der richtigen Zeitschrift zuordnen konnte, und so erfuhr ich von der Existenz des Deutschen Hausschatzes.

Freitag, 19. August 2022

Zeichnung aus 1816 - Unterer Wöhrd und Steinerne Brücke

Durch Zufall fand ich eine historische Zeichnung, die ich bisher noch nirgendwo gesehen habe. Sie stammt aus dem Jahr 1816, Zeichner war ein Johann Christoph Erhard.

Der Titel:  Ansicht des Unteren Wöhrds mit Blick auf die Stadt Regensburg und den nördlichen Teil der Steinernen Brücke


Johann Christoph Erhard. Ansicht des Unteren Wöhrds mit Blick auf die Stadt Regensburg und den nördlichen Teil der Steinernen Brücke, 1816

Gefunden habe ich die Zeichnung auf der Webseite der Hamburger Kunsthalle (Daten am Ende des Artikels).

Zuerst musste ich die Orientierung finden. 

Man könnte sich vorstellen, dass man auf dem heutigen Grieser Steg steht und zur Steinernen Brücke rüber sieht (Möglich wäre aber auch Reinhausen als Standort).

Dann sieht man den nördlichen Teil der Brücke. In der Mitte des Bildes (also links von der sichtbaren Brücke) sieht man scheinbar die Bäume von Jahninsel. Aber dann könnte man nicht den Knickpunkt der Brücke sehen und nicht so viele Bögen erkennen. Die Bäume stehen eher auf dem Landstreifen "Am Beschlächt". Die heutige Jahninsel gab es damals (1816) nur als Sandbank (siehe Kartenausschnitt von 1829). Heute könnte man von diesem Standpunkt aus nur vier Bögen sehen, dann würden die Bäume der Jahninsel die Sicht auf die Brücke versperren.

(In einer ursprünglichen Fassung dieses Artikels habe ich die Bäume fälschlicherweise auf der Nordseite der Jahninsel verortet).

Ausschnitt aus Karte von 1829. Der hier von mir eingezeichnete
"mögliche Standort" könnte allerdings auch bei Reinhausen sein.



 

Freitag, 10. September 2021

Tag des offenen Denkmals am 12. September 2021

Am Sonntag, 12. September 2021 sind wieder zahlreiche Denkmäler für den Besuch geöffnet.

Das Programm findet ihr auf: https://www.regensburg.de/denkmaltag


Der Denkmaltag war immer eine höchst interessante Angelegenheit - auch wenn ich es nie ins Ostentor und nie in die Königliche Villa geschafft habe. Denn schon vor Corona gab es natürlich Beschränkungen der Besucherzahl pro Führung und ich hatte immer Pech.

Wie wird es diesmal sein, wo zusätzliche Limits gelten, und Innenräume nur mit 3G besucht werden können? Der Gedanke hat mich zuerst mal abgeschreckt.

Allerdings habe ich beim Studium des Programms zwei positive Aspekte entdeckt:

  • es werden im Vergleich zu früheren Jahren unglaublich viele Orte angeboten (so dass sich die Besucher verteilen und die Mengenbeschränkungen hoffentlich keine Rolle spielen)
      
  • es gibt für die meisten Angebote keine Anmeldepflicht, sondern man kann spontan hingehen. Dass Anmeldungen für kostenlose Angebote verteufelte Effekte haben, darauf ich schon vor Wochen hingewiesen (Leute melden sich an, gehen dann doch nicht hin und nehmen aber anderen die Zugangsmöglichkeiten). Dementsprechend gibt auch keine Reservierungsmöglichkeit.

Die Angebote sind kostenlos. Die Nummern im Programm entsprechen denen im auf dieser Seite abrufbaren Lageplan. 

Für ein paar Angebote sind Anmeldungen notwendig; das ergibt sich aus dem Programm (https://www.regensburg.de/denkmaltag). Hier sind also kostenlosen Zugangskarten notwendig; diese werden ab 9.45 Uhr am zentralen Infostand, Keplerstraße 1, Runtingerhaus, ausgegeben. Pro anwesender Person werden nur zwei Karten (je Angebot) zugewiesen. Sofern bei Führungen mit Kartenbeschränkung vor Ort noch Plätze frei sein sollten, entscheidet das Führungspersonal nach eigenem Ermessen über eine Teilnahme.

Ergänzend oder abweichend zum bereits gedruckten Programm gibt es ein paar Hinweise auf oben genannter Webseite. Davon möchte ich zwei heraus picken:

Mittwoch, 30. Juni 2021

Regensburg im Jahre 1900 - Stadtplan mit Vogelschau-Ansicht

Ein Stadtplan ist eine Sache, ein Plan in "Vogelschau-Ansicht" dagegen ist viel interessanter. Denn die Gebäude werden dreidimensional dargestellt, aus einer Schrägansicht. Man nannte das auch "Kavalieransicht". 

Solche alten Ansichten von Regensburg könnte man stundenlang studieren. Diese Spezial-Karte von 1900 ist jetzt nicht so alt, dass man sie als uninteressante historische Ansicht abtun könnte, nein - so lange ist das nicht her. Die Stadt scheint vertraut. Da kann man Veränderungen sehen, die die älteren unter uns noch erlebt haben. Den Abriss des Viertels am Neupfarrplatz/Kassiansplatz zum Beispiel, im Rahmen der Neugestaltung in den Siebzigern. Oder der Abriss am Schwanenplatz, weil man vierspurige Straßen plante. 

Dann natürlich die älteren Veränderungen, etwa durch den zweiten Weltkrieg. Da verschwand dann das Viertel, wo heute  das Kolpingshaus steht, oder der Bereich, wo später der Donaumarkt hinkam (heute Haus der bayerischen Geschichte). Das alte Stadtlagerhaus steht noch. Auch die Obermünsterkirche sieht man hier noch, die im 2. Weltkrieg zerstört wurde. 

Die auf 1900 datierte Karte ist ungenau. Darauf hat mich mein Freund Martin Kempter hingewiesen, als ich ihm die Karte zeigte. Der Plan müsste eher auf die Zeit zwischen 1903 (wegen der vorhandenen Straßenbahn) und 1907 (fehlende Götz-Villa) datiert werden. Andererseits sind im Laufe der Arbeiten an dem Plan wohl Überschneidungen entstanden - es fehlten Gebäude, obwohl andere, zeitgleich entstandene,  schon eingetragen sind.

Ihr könnt den Link zur Deutschen Fotothek benutzen und dort herum-zoomen: 

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/90044335

 Ein paar Details zeige ich beispielhaft hier in diesem Blogbeitrag:

ehemaliges Mittelmünstergebiet mit damaliger Jesuitenbrauerei und ohne Parkhaus


Das Gebiet um (heutiges) Kolpingshaus und Schwanenplatz und späterem Donaumarkt

Sonntag, 30. Mai 2021

Anzeigen in einer 1872er Regensburger Zeitung

Ab und zu stöbere ich in alten Regensburger Zeitungen, die ich auf google-books finde. Interessant finde ich dabei vor allem die Anzeigen. In den letzten Jahren habe ich gelegentlich schon entsprechende Beispiele gezeigt.

Vor ein paar Wochen - beim Aufräumen meines Festplattenordners "Regensburg-historisch" - stöberte ich im Regensburger Anzeiger sowie dem Regensburger Morgenblatt aus dem Jahre 1872,  und erstellte dabei folgende Screenshots für meine Leser:











Samstag, 15. Mai 2021

Fundstück - Stadtamhof im Jahre 1600

Bei der Durchsicht der Plattform "bavarikon.de" auf neuere Einträge stieß ich auf ein ungewöhnliches Fundstück: ein mir bis dahin völlig unbekanntes Aquarall von Lebschée. Es wurde zwar 1870 gemalt, soll aber den Zustand von Stadtamhof im Jahre 1600 zeigen. 



Die Ansicht ist so ungewöhnlich, dass ich anfangs ein Fantasiegebilde mutmaßte. Da waren Türme, die scheinbar gar nicht existierten, und vom Dom im Hintergrund ist nichts zu sehen. Ich habe mir das Bild dann nochmal genauer angesehen, und zwar zusammen mit Martin Kempter, der zufälligerweise zu Besuch da war. Und dann entdeckten wir genug, um  sagen zu können: die Ansicht ist realistisch. 

Standort des Betrachters ist Steinweg, möglicherweise Alte Nürnberger  Straße, unterhalb der Dreifaltigkeitskirche.  

Man sieht vorne am Bildrand ein paar Häuser von Steinweg, dann die Felder bzw. das Überschwemmungsland zwischen Steinweg und Statt am Hoff, das man später als Protzenweiher-Areal bezeichnete (später Dultplatz, heute Kanal). Die scheinbare Brücke über dieses Areal ist nur die leicht erhöhte, mit Steinen befestigte Straße von Steinweg nach Stadtamhof (zum Vergleich: ein Bild aus 1809 aus Wackenreiters "Die Erstürmung von Regensburg" aus einem ähnlichen Blickwinkel, am Ende des Artikels)

Es gab damals einen Stadttor-Turm am Nordausgang von Stadtamhof, der existiert heute nicht mehr. Heute ist dort das Portal am nördlichen Ende der Straße "Stadtamhof", dort wo das Walhalla-Bockerl steht.

Der höchste Turm dahinter (in der Mitte des Bildes) ist der "schwarze Turm", der nördlichste der drei Türme der Steinernen Brücke

Links davon sind St. Mang und ganz links der Andreasstadel, rechts im Bild ist die Spitalkirche St. Katharina. Der kleinere Turm in der Mitte war mir zunächst unklar - ist ist wohl der südliche Brückturm (siehe weiter unten). 

Von Regensburg selbst sieht man offenbar so gut wie nichts.

Es wäre natürlich interessant, weitere Häuser zu indentifizieren. Aber dazu muss man alte Karten oder Ansichten besitzen. Das Material, das ich besitze, zeige ich im Verlauf des Artikels, so kann sich jeder selbst an dem Thema versuchen.

Hier ist das Bild von Lebschee in zoombarer Version: 

https://www.bavarikon.de/object/bav:HVO-OBJ-0000000HVBSB1034?lang=de

Die Quelle, die Lebschée zur Verfügung hatte,  habe ich nicht herausgefunden. Ich kenne keine vergleichbare Ansicht von Stadtamhof, schon gar nicht aus dieser Zeit. Ich habe auch ältere Gesamt-Stadtansichten durchgesehen - hat da vielleicht jemand den Bereich um Stadtamhof "vergrößert" und perspektivisch umgemodelt?. Aber es passte nichts, wie ich noch zeigen werde. Lebschee muss also eine eher unbekannte Zeichnung als Vorlage gehabt haben. Allerdings muss man sagen: es gibt einfach in den Museen oder Institutionen von Regensburg so einige historische Ansichten, die noch nich für das Internet digitalisiert wurden (auch das geschichtsträchtige Regensburg ist da ein wenig hinterher - jahrelang warte ich darauf, dass die Stadtansicht von Bahre aus 1645 in vollem Umfang im Internet zu finden ist. Eintrittsgebühren würden damit bestimmt nicht verloren gehen)


Ausschnitt












Montag, 26. April 2021

Das Sängerfest 1847 im Stadtpark Regensburg

Bei meinen Archivierungsarbeiten vor ein paar Wochen stieß ich auch auf das unten gezeigte "Erinnerungsblatt zum Sängerfest in Regensburg am 25., 26. und 27. Juli 1847". Die mittleren drei Bilder zeigen zwei Stadtansichten und die Ansicht der Sängerhalle.

Die Sängerhalle befand sich im Stadtpark im Bereich "Unter den Linden".  Nach einer deutschlandweiten Gründungswelle von Gesangsvereinen blieb der Platz "Unter den Linden" für Jahre ein viel genutzter Festplatz. Der 1837 gegründete Regensburger Liederkranz richtete 1847 auf der Festwiese sein erstes Sängerfest mit auswärtigen Teilnehmern aus, die ihre Fahnen im Rathaus ausstellten. Der Festzug führte durch die festlich geschmückte Stadt und durch das Jakobstor aus der Stadt hinaus zum Festplatz auf der Schießwiese. Dort war eigens für diesen Anlass eine Sängerhalle in neugotischem Stil errichtet worden, in der die Vereine ihre Lieder vortrugen. (Quelle: Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Stadtpark_Regensburg)

Die Geschichte des Stadtparks ist übrigens von einem (auch außerhalb von Wikipedia sehr rührigen) Freiwilligen in hervorragender Weise für Wikipedia aufbereitet worden. Dieses Engagement möchte ich mal ganz dick loben.





Wenn man länger mit historischen Bildern beschäftigt, fängt man an, sich für den Standpunkt des Betrachters zu interessieren. Ähnlich wie die Mitglieder der facebook-Gruppe "Regensburger damals" oft einen Fotografenstandpunkt bei alten Fotos diskutieren (eine wirklich spannende Beschäftigung), versuche ich seit Jahren, den Standort des Zeichners bei historischen Stichen zu finden. Der benutzte oft genug ein Fernglas, was zu perspektivischen Verzerrungen führt (Teleobjektiv-Effekt) und die Suche trotz Einsatz von google-earth-3D schwer macht. 

Hier war aber kein Fernglas im Spiel. Die Ansichten oben und unten sind aber etwas ungewohnt. Normalerweise übernimmt man vorhandene Stiche und wandelt sie leicht ab, oder benutzt jedenfalls immer dieselben Betrachterstandpunkte. Der Flugblattersteller hat aber offenbar eigenständige bzw. unbekannte Zeichnungen als Vorlage für die Federlithographie benutzt.





Ein eher seltener Blickwinkel Richtung Norden, den ich noch in keiner anderen Stadtansicht gesehen habe. Wahrscheinlich von dem Haus in Goldene Bärenstr. 55 (damalige Adresse) aus gezeichnet;
siehe Stadtplan zu 1840; http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70305335/df_dk_0010562