Regensburger Tagebuch

Notizen von der nördlichsten Stadt Italiens

Montag, 10. November 2008

Spezial-Report: Das Regensburger Brückenproblem Teil 1

Dieser Artikel und ein Teil der zugehörigen Bilder waren wegen eines hackerbedingten Umzugs für lange Zeit verloren gegangen. Der Text konnte erst Anfang September 2014 rekonstruiert werden. Der Aufsatz war nämlich auf zwei spezielle Unterseiten des Regensburger Tagebuchs verteilt, die es nicht mehr gibt. Ich habe über eine Sicherungskopie den Text rekonstruiert und auf zwei normale Blog-Posts (Artikel) verlagert.

Spezial-Report: Das Regensburger Brückenproblem - Von der SteinernenBrücke bis zur Grieser Brücke


 Das Themen Ersatzbrücke, Ersatztrassen und Grieser Brücke geistern durch die Presse, aber von den Bürgern weiß kaum jemand richtig Bescheid, worum es genau geht. Sogar die Anwohner am Unteren Wöhrd und in Stadtamhof sind mittlerweile verwirrt, weil sich zwei Themenkomplexe überschneiden: Das Problem der Ersatzbrücke für die beschädigte Protzenweiher Brücke (an der Kanalschleuse in Stadtamhof) und die Ersatztrasse für die Steinerne Brücke.

Deshalb hatte ich auf speziellen Unterseiten (www.regensburger-tagebuch.de/Regensburger-Brueckenproblem.html) einen Report erstellt. Dieser Report soll den Überblick herstellen und die Lage Anfang November 2008 zu dokumentieren. Den Text habe ich mittlerweile hierher übertragen:

Worum geht es?

Das Themen Ersatzbrücke, Ersatztrassen und Grieser Brücke geistern durch die Presse, aber von den Bürgern weiß kaum jemand richtig Bescheid, worum es genau geht. Sogar die Anwohner am Unteren Wöhrd und in Stadtamhof sind mittlerweile verwirrt, weil sich zwei Themenkomplexe überschneiden: Das Problem der Ersatzbrücke für die beschädigte Protzenweiher Brücke (an der Kanalschleuse in Stadtamhof) und die Ersatztrasse für die Steinerne Brücke.

Dieser Report soll den Überblick herstellen und die Lage Anfang November 2008 zu dokumentieren. Er versucht, die politischen Vorgänge beiseite zu lassen, soweit dies möglich ist..

Wenn man die Tagesmeldungen richtig verstehen will, muss man zunächst trennen:

  • eine Ersatzbrücke für die beschädigte und gesperrte Protzenweiher-Brücke für die Dauer der Reparatur (bzw. Neuerstellung)
  • die Ersatztrasse für die Steinerne Brücke, die für den Allgemeinverkehr und mittlerweile auch für den Busverkehr gesperrt ist




I) Steinerne Brücke und Allgemeinverkehr

Mit der  Sperrung der Steinernen Brücke für den Allgemeinverkehr  im Jahre 1997 entstanden Nachteile für die Bewohner der Wöhrdinsel bei der Verkehrsverbindung. Die Bewohner müssen, wenn Sie mit dem PKW in die Innenstadt wollen, seit der Sperrung des Allgemeinverkehrs über die Nibelungenbrücke fahren.  Deshalb wurden bereits in den Jahren 2003-2005  Gutachten in Auftrag gegeben, wie man durch Ersatztrassen diese Nachteile abfangen könnte. Ferner wurde diskutiert, ob man überhaupt eine solche Ersatztrasse benötigt und wenn ja, welche in Frage kommt.

Dann herrschte Ruhe; konkrete Maßnahmen wurden nicht getroffen, die Pläne und Gutachten liegen aber noch vor und werden jetzt wieder hervorgeholt und weiter diskutiert.

II.) Protzenweiher Brücke

Mit der Beschädigung der Protzenweiher Brücke wurden die Verkehrsnachteile temporär verstärkt, da die PKW-Verbindung im Ostteil von Stadtamhof nun nicht mehr direkt über die Protzenweiher Brücke führt, sondern die PKWs runter zum Dultplatz und von dort über die Oberpfalzbrücke (über den Dultplatz hinweg) zur nördlichen Verkehrsanbindung (Frankenstraße) führt. Staus gab es zwar deswegen nicht, dazu ist der Vekehr zu gering, aber der Umweg ist größer. Deshalb wird darüber diskutiert, ob eine temporäre Ersatzbrücke gebaut werden soll und wer diese finanziert. Die Brücke an der Kanalschleuse gehört dem Bund und diese macht Schwierigkeiten bei der Finanzierung einer Ersatzbrücke.

Entsprechende Tagesmeldungen in den Medien in der Art von "die Ersatzbrücke ist vom Tisch" beziehen sich eben auf diese Brücke, nicht aber auf die Ersatztrasse zur Steinernen Brücke, was nicht sofort erkennbar ist. Das hat in den letzten Wochen auch zu Verwirrung bei den betroffenen Anwohnern geführt, wie ich aus Gesprächen weiß, es ist wichtig, sich dieser Unterscheidung bewusst zu werden und auch zu berücksichtigen, dass auch die Formulierungen in den Medien ("Ersatzbrücke", "Ersatztrasse", "Bürgertrasse" usw.) mit Vorsicht zu genießen sind.

III.) Steinerne Brücke und Busverkehr

 Im September 2008 hat die Stadtverwaltung die Steinerne Brücke auch für den Busverkehr und Taxiverkehr gesperrt. Voran gegangen war ein Busunglück in der Altstadt, bei der ein Busfahrer das Bewusstsein verloren hatte. Angeblich wurde der Oberbürgermeister darauf hingewiesen, dass bei einem ähnlichen Vorfall auf der  Steinernen Brücke das Geländer nicht standhalten könne, weshalb er die sofortige Sperrung veranlasst. Die völlige Sperrung wurde sowieso schon lange vielfach gefordert, da auch der Busverkehr schädlich für die historische Brücke ist.

Damit hat sich die Situation nochmals verschärft, allerdings nur für die Busfahrenden und Taxifahrenden. Diese müssten jetzt entweder zu Fuß über die Steinerne, und dort in einen Bus steigen, oder sie fahren mit dem Bus über die Nibelungen Brücke, was etwas länger dauern würde. Wieviel davon betroffen sind und wieviel Zeit der Umweg kostet, darüber findet man wenig Konkretes. Ein Anwohner am Gries erzählte mir, dass es eigentlich bereits Erfahrungswerte gebe, da  im letzten Jahr die Brücke eine Woche lang total gesperrt war, und nur die Busverbindung über die Nibelungen Brücke übrig blieb. Angeblich hätte dies zu einem Mehraufwand von 5 Minuten geführt. Das wäre zu verifizieren, was ich mir aber nicht zur Aufgabe machen will.

In diesem Zusammenhang sind die Medienmeldungen über eine Bürgertrasse zu verstehen. Hier ging es um ein vom "Verein Donauanlieger" vorgeschlagenes Konzept, das eine Ersatztrasse überflüssig machen sollte. Hinter dieser missverständlichen Formulierung steht nämlich nur ein Verkehrsanbindungskonzept bei den Busverbindungen (vgl. den Artikel "Donauanlieger: Bürgertrasse ist die günstigste Alternative" von S. Aigner, 23.9.08).

Bei den Diskussionen darüber, wie es jetzt weiter gehen soll, vertrat Landrat Mirbeth im Namen des Landkreises die Ansicht, man solle den Busverkehr auf der  Steinernen Brücke wieder freigeben, die kürzlich erfolgte Sperrung also aufheben.  Auf die Hintergründe hierzu will ich hier nicht eingehen (vgl. "Klage gegen Brückensperrung?" auf regensburg-digital.de vom 16.08.2008), der Vorgang soll hier nur insoweit interessieren, als es entsprechende Medienmeldungen und Schlagzeilen verständlich macht.


Das Kernproblem: Die Ersatztrassen, insbes. der Grieser Steg bwz. die Grieser Brücke

Dies sind die generellen Hintergründe für das Regensburger Brückenproblem.

Das eigentliche Kernthema bei allen laufenden Diskussionen ist die Frage, ob eine Ersatztrasse (Ersatzbrücke, Ersatztunnel) für die Verkehrsanbindung Nord-Süd notwendig ist und wenn ja, welche Lösung favorisiert werden soll. Die aktuellen Ereignisse im Jahr 2008 (Beschädigung der Protzenweiher Brücke und damit umständlichere Individualverkehrsanbindung an die Frankenstraße, Sperrung der Steinernen Brücke nun auch für Busverkehr), haben das Thema wieder aufleben lassen.

Hier wird die Diskussion aus dem Jahre 2005 wieder aufgenommen und fortgeführt. Als Lösungen stehen im Raum:

- Westtunnel beim Eisernen Steg
- Grieser Brücke (unterhalb des Grieser Stegs)
- Grieser Tunnel

und natürlich der Ausbau der Busverbindung über die Nibelungen Brücke, gleichgültig, wie man sie nennt.

 

Verwirrung um die Brückennamen


An dieser Stelle hilft es, sich mit den Brückennamen vertraut zu machen, um Verwechslungen auszuschließen.  Hier sehen Sie eine Übersichtskarte, auf der ich  wichtigsten Brücken eingezeichnet habe:
HINWEIS: Es kann vorkommern, dass beim ersten Aufruf die Ortsmarkierungen auf dieser Karte nicht sichtbar sind. Versuchen Sie dann den Weg über den Link "Größere Kartenansicht"; Sie kommen dann zur dieser Karte direkt auf Google.


Größere Kartenansicht

Sie können direkt innerhalb der Karte navigieren. Rechts oben können Sie von Kartenansicht auf Satellitenansicht umschalten.

Erläuterungen

  • Oben links : die Oberpfalzbrücke, über den Kanal und den Dultplatz führend.
  • Oben rechts: die Protzenweiher Brücke, direkt an über der Kanalschleuse

Unten von links nach rechts:

  • ganz links: Planungskonzept Neubau Eiserner Steg (von mir blau eingezeichnet, soll den Eisernen Steg ersetzen)
  • rechts daneben: der Eiserne Steg (Fußgängerbrücke)
  • in der Mitte: die Steinerne Brücke
  • weiter flußabwärts dann: die Hengstenbergbrücke zwischen Donaumarkt und Unterem Wöhrd. Diese Brücke wird von alteingesessenen Regensburgern gelegentlich noch als "Eiserne Brücke" bezeichnet, was mit dem Eisernen Steg verwechselt werden kann.
  • darüber, sozusagen als gedachte Fortsetzung der Hengstenbergbrücke: der Grieser Steg, Fußgänger Brücke zwischen Unterem Wöhrd und Stadtamhof (Ortsteil Gries); sie endet kurz vor dem Andreasstadl, dem von Oswald Zitzelsberger zum Künstlerhaus Andreasstadl ausgebaut wurde.
  •  

Überblick über die Lösungen

Auf der Webseite der Stadt Regensburg finden Sie unter folgender Seite die von der Stadt vorgeschlagenen Alternativen (Sektion "Kulturdenkmal Steinerne Brück"), wobei diese Seite schon vor längerem entstand:  http://www.regensburg.de/steinerne/die_brueckenalternativen/index.shtml


Westtrasse - Neubau Eiserner Steg
Osttrasse - Maffeistraße/Am Gries
Tunnellösung
Umweg Nibelungenbrücke
Ein weiterer Vorschlag, ein Tunnel im Westen, nähe dem Eisernen Steg, wurde von der Stadtverwaltung nicht auf ihren Webseiten mit aufgenommen. Die auf obiger Webseite genannte Tunnellösung betrifft nur einen Tunnel am Grieser Spitz. Auch in jüngster Zeit wurde diese West-Tunnellösung vorgeschlagen und wieder von der Stadt verworfen, was aber offenbar mehr parteipolitische Hintergründe als sachliche Hintergründe hat.

Plankonzept Neubau Eiserner Steg





Größere Kartenansicht

Planungsunterlagen zum Eisernen Steg

Detaillierte Planungsunterlagen findet man auf den Webseiten der Stadt Regensburg in den Unterlagen für den Stadtratsbeschluss vom 21. September auf http://www.regensburg.de/steinerne/entscheidungsgrundlagen/2004_ersatztrassse_zwischenbericht.shtml#westtrasse





Plankonzept Grieser Brücke

Der Plan einer "Grieser Brücke" wird in den offiziellen Unterlagen als " Osttrasse von Maffeistraße zu Am Gries" bezeichnet.

Eine Verbindung von Unterem Wöhrd nach Stadtamhof (Gries), neben dem jetzigen Grieser Steg (nicht verwechseln  mit dem Eisernen Steg!), wurde in verschiedenen Varianten diskutiert. Von einer Tunnellösung abgesehen geht es aber immer um den Neubau einer Brücke kurz unterhalb des Eisernen Stegs. Nachdem einige Varianten als unrealisierbar eingeschätzt wurden (http://www.regensburg.de/steinerne/entscheidungsgrundlagen/2004_ersatztrassse_zwischenbericht.shtml#westtrasse) verbleibt nach Ansicht der Stadtverwaltung (Stand 2005) folgendes Konzept (die blau eingezeichnete Trasse stammt von mir, ist aber dem offiziellen Plan nachgebildet, den Sie über untentsehenden Link ansehen können)



Größere Kartenansicht


Eine detaillierte Karte aus den Planungsunterlagen zu obiger Variante findet man  unter
http://www.regensburg.de/steinerne/downloads/stadtrat_stadtplanungsamt_2004_09_21/02_a_gestaltung_osttrasse_a_V2_2.pdf

Die offiziellen Modellfotos finden Sie hier:
http://www.regensburg.de/steinerne/downloads/stadtrat_stadtplanungsamt_2004_09_21/02_b_modellfotos_ost.pdf

Grieser Steg als vorübergehenden Ersatz

Für zusätzliche Verwirrung sorgte Mitte September eine Diskussion über die Frage, ob man den Original Grieser Steg für eine provisorische Busverbindung öffnen sollte. Derzeit, Stand Anfang November, scheint nach Zeitungsmeldungen diese Überlegung vom Tisch zu sein. Aber Achtung - dies betrifft nicht die langfristigen Ersatztrassenpläne, also nicht die Grieser Brücke, die nach wie vor im Raum steht. Vielmehr geht es hier um

  • den Original Grieser Steg
  • als Verbindung speziell für den Busverkehr
  • provisiorisch bis zu einer dauerhaften Ersatztrasse
In den 60er Jahren ist ein Bus bei einer provisorischen Freigabe des Stegs durchgebrochen. Man war sich deshalb im Klaren, dass bei dieser provisorischen Lösung zuerst eine Verstärkung der Statik notwendig wäre.


Rollen Busse bald über den Grieser Steg?
https://www.mittelbayerische.de/index.cfm?pid=3076&pk=293174&opv=snd
Durchbruch
http://www.mittelbayerische.de/nachrichten/meinungen/standpunkt/regensburg/artikel/durchbruch/293628/durchbruch.html
Busse über den Grieser Steg?http://www.regensburg-digital.de/?p=1637