Regensburger Tagebuch

Notizen von der nördlichsten Stadt Italiens

Mittwoch, 8. April 2015

con-Temporary und kulturelle Zwischennutzung leerstehender Gebäude

Wo finde ich einen Ort  für meine Musikveranstaltung, für meine Lesung,  für eine Ausstellung meiner Sammlung von Filmplakaten, wo für Sessions oder Musikproben. Und wo kann ich auch als nichtakademischer Maler ohne Vita meine Bilder ausstellen.

Laufend höre  ich solche Fragen im Bekanntenkreis.

Ganz aktuell sucht jemand im Bekanntenkreis Räume für eine Lesung. Ein anderer Bekannte möchte mit seiner Ehefrau schon seit Jahren einen interkulturellen Abend mit Dia-Vortrag und Essen aus dem entsprechenden Land durchführen, ohne kommerzielle Absicht. Auch hier aber das Problem mit den Räumen. Und ein befreundeter Musiker hat vor kurzem seinen im Leeren Beutel geplanten Auftritt für seine Band abgesagt und ist auf ein anderes Lokal ausgewichen, da er neben Gema, Saalmiete und den üblichen Unkosten nicht auch noch das Risiko tragen wollte, für die Verpflegung zahlen zu müssen, wenn nicht genug Gäste kommen sollten.

Alle vermissen wir das legendäre Diba-Kult-und-Büro in der Krebsgasse, wo Reza von der Diba-Cafebar seine Räume für kulturelle Veranstaltungen, private Veranstaltungen und Musiker-Sessions zur Verfügung gestellt hatte. Den Art-Club in der Holzlände, der im Januar 14 schloss. Und mehr.

Kunsthaus Tacheles stairway with Graffiti
von Roi Boshi (Eigenes Werk) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons
Zwischennutzung leerstehender Räume

Nun, eine der Möglichkeiten wäre die Nutzung leerstehender Räume.

Viele Regensburger erinnern sich träumerisch-schwelgend an die Schnupfe, die vor der Renovierung provisorisch genutzt wurde und zu einer kleinen Kultstätte wurde. Und ich schwärme immer noch von dem legendären "Tacheles" in Berlin, wo eine Ruine von Künstlern gerettet und genutzt wurde. Bis es letztes Jahr geräumt wurde (Artikel folgt).

Zurück zu Regensburg. Bei dem Thema winkte bisher jeder ab - unter Schaidinger erwartete man kein Entgegenkommen der Behörden.

Das ist jetzt anders. Laut Punkt 3.2.10 im Koalitionsvertrag soll die kulturelle Zwischennutzung von leerstehenden Gebäuden im Altstadtbereich gefördert werden.




Dafür gibt es sogar zwei Vereine, die beide ausdrücklich von der Stadt unterstützt werden.

  • KOMPLEX
  • con_Temporary
Einmal das KOMPLEX-Projekt, das das Gebäude des evangelischen Krankenhauses kulturell nutzen will (http://komplexregensburg.blogspot.de/) und dann den Verein, den ich hier vorstellen will: con_Temporary.


con_Temporary

con_Temporary ist ist ein gemeinnütziger Verein, der sich für die kulturelle Zwischennutzung leerstehender Gebäude in Regensburg einsetzt

Tilo Kmieckowiak, Julia Sperber und Julia Ulrich sind die drei Projektinitiatoren. Julia Sperber wiederum ist auch beteiligt an: Campus Regensburg e.V. , die die Uni-Sommerfeste organisiert. Somit ist belegt, dass die Macher ohne Eigeninteressen echt engagiert sind und zudem Erfahrung haben.

Im Mai 2014 startet das Projekt von con_Temporary mit der ersten offiziellen Aktion. Dafür überließ ihnen die Stadtbau Regensburg einen Laden zur  Zwischennutzung. Julia Sperber und Tilo Kmieckowiak holten zu einem kulturellen Rundumschlag aus. In der Baumhackergasse, Ecke keplerstraße, boten sie den Interessierten: Lesung,Filmvorführung, Architektur , Konzert. Ausführlich beschrieben in einem MZ-Artikel von Heike Haala vom 13. Mai 2014


Was ist wichtig bei der Nutzung leerstehender Gebäude?

Richtig. Möglichst wenig Bürokratie.

Da freut sich die Szene natürlich schon mal über die neue Stadtführung: drei sozial und liberal eingestellte Bürgermeister, da erhofft man sich mehr Entgegenkommen bei den Behörden. Aber das reicht noch lange nicht aus.  Denn es müssen trotzdem Vorschriften eingehalten werden: Feuerlöscher für die Veranstaltung, Fluchtweg, Schankgenehmigung, ein zweites WC. Es wäre schon eine Förderung, wenn die Stadt solche Auflagen abwickelt, damit solche Veranstaltungen kurzfristig und spontan erfolgen können.

Und das wurde bei con_tempory gemacht.  Laut Pressesprecherin der Stadt kümmert sich um die Koordination der Altstadtkümmerer Alfred Helbrich vom Amt für Wirtschaftsförderung. Er hat auch den besten Überblick über die Leerstände, und übernimmt die Fuktion eines Losten durch den gesamten Genehmigungsprozess.

Denn die Zwischennutzungen von temporären Leerständen kann nur funktionieren, wenn der Genehmigungsprozess reibungslos und zügig abläuft.

Da bei con_temporary schon eine Struktur da ist, und der Verein offenbar keine versteckten Eigeninteressen verfolgt sondern neutral ist, scheint es empfehlenswert, wenn raumsuchende Akteure sich zunächst an diesen Verein wenden, bevor sie selbst mit den Behörden Kontakt aufnehmen (ich schrieb bewusst nicht "kämpfen", denn das wäre wohl falsch).



Homepage und Profilseiten:
Weitere Links:

17.12.2014
17.12.2014
11.07.2014
13.05.2014, von Heike Haala, sehr ausführlich, über den eigentlichen Start der Initiative
18.04.2014
07.04.2014



Zum Kunsthaus Tacheles folgt ein eigener Artikel, hier ein paar Bilder aus Wikipedia/wikicommons:


Kunsthaus tacheles.berlin.from west
Kunsthaus Tacheles, Vorderansicht, 2008 (aus Wikipedia, CreativeCommons-Lizenz)


TachelesBack
Kunsthaus Tacheles Rückansicht, Wikipedia, Creative-Commons-Lizenz

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