Regensburger Tagebuch

Notizen von der nördlichsten Stadt Italiens

Donnerstag, 8. September 2011

Therme aus der Römerzeit in Regensburg-Ost entdeckt

Eine römische Therme wurde im Stadtosten von Regensburg aufgedeckt. Archäologen hatten schon im Jahre 2007 Mauerreste hinter der königlichen Villa entdeckt. Moderne Radaruntersuchungen zeigten inzwischen, dass sich  hier eine römische Badeanstalt befand. Die Ergebnisse der Untersuchung wurde am 30. Juni vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege der Presse mitgeteilt.


Bild und Grafik: BLfD




Interessant sind vor allem zwei Dinge - einmal die Art der Untersuchung, zum Anderen die Tatsache, dass so weit im Osten eine römische Anlage stand. Eigentlich ging man bisher nur von der Zivilsiedlung westlich des Kastells aus. Die Haupt-Zivilsiedlung schloss sich direkt an die westliche Mauer des Legionslagers an, also ab Bachgasse (dort verlief die westliche Mauer) bis zum Weißgerbergraben. In folgendem Screenshot aus GoogleEarth habe ich die Lage des Lagers, der Siedlung und des Fundorts der Therme eingezeichnet.

regensburger-tagebuch.de

Bild: GoogleEarth, Grafik: P. Burkes

Aus der Presseerklärung des Landesamtes:

Dass es in Regensburg im 2. und 3. Jahrhundert nach Christus eine blühende Zivilsiedlung des römischen Legionslagers, eine so genannte canabae legionis, gab, das ließen die in den vergangenen Jahren gewonnenen Erkenntnisse bereits vermuten. Dass diese Siedlung in ihrer Größe und Ausstattung vergleichbaren Ortschaften in nichts nachstand, das beweist die nun bei einer vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege vorgenommenen Bodenradarprospektion entdeckte Therme. Am östlichen Rand der Altstadt, zwischen der Königlichen Villa und dem Albrecht-Altdorfer-Gymnasium im ehemaligen Klostergarten von St. Clara – heute der Sportplatz des Gymnasiums – gelegen, hatten bereits im Jahr 2007 Sondagen auf die Existenz einer großen baulichen Anlage aus römischer Zeit schließen lassen. Bei den Bauarbeiten zur Instandsetzung der Umfassungsmauer des ehemaligen Klostergartens waren Teile eines römischen Steingebäudes angeschnitten worden, das beheizbare Räume aufwies. Eine genauere Funktionszuweisung gelang
damals jedoch noch nicht.

Bei einer Bodenradarprospektion im Jahr 2010 fiel auf, dass die Mauerreste nur noch in wenigen Steinlagen vorhanden sind – das römische Regensburg fiel im Mittelalter einem intensiven Steinraub zum Opfer. Dennoch gelang es, die vorhandenen Strukturen als diejenigen einer Thermenanlage zu identifizieren. Ausschlaggebend dafür waren u.a. die Größe der Anlage, die Innengliederung der Räume und die auf das Vorhandensein von Wasserbecken hinweisenden Apsiden. Die übrigen, für den Badebetrieb notwendigen Räumlichkeiten wie das tepidarium, das frigidarium und das apodyterium sind in den nördlich und östlich anschließenden Räumen zu suchen; eine genauere Bestimmung war hier jedoch bislang nicht möglich.

Als besonderer Glücksfall für die Untersuchungen erwies es sich, dass die Fläche seit dem Mittelalter unbebaut ist – anderenfalls wäre eine Bodenradarprospektion schwerlich möglich gewesen. Diese Methode beruht auf der Ausbreitung und Reflexion von elektromagnetischen Wellen im Untergrund: Werden die Wellen über eine Sendeantenne in den Boden gesandt, so reflektieren z.B. Mauerreste die Wellen. Aus diesen Signalen lässt sich ein genaues Abbild der Archäologie im Boden in 3 D gewinnen.