Regensburger Tagebuch

Notizen von der nördlichsten Stadt Italiens

Sonntag, 5. Januar 2020

Der zeitlose Augenblick - Lokalisation von Fotos

Hier noch ein Schmankerl für diejenigen, die das (im letzten Artikel besprochene) Buch mit Fotos von Christoph Lang (Der zeitlose Augenblick) schon besitzen: screenshots von google-earth-Ansichten, die ich so aufbereitet habe, dass man den wahrscheinlichen Standort des Fotografen und seine Blickrichtung erkennt.

Denn die Orte zu finden, die auf den Fotos sichtbar sind, ist nicht immer so einfach. Manchmal sind die Häuser abgerissen, oder der Platz hat sich stark verändert.

Oder es fehlt einfach Hintergrundwissen. So sind die Fotos vom Stadtpark interessant, weil dort noch die Gebäudlichkeiten der "Oberpfälzer Kreisausstellung 1910" sichtbar sind. Eine nach dem Vorbild von Weltausstellungen kreierte Ausstellung, die auch Anlass für die Ausgestaltung des Stadtparks war. Die (entgegen dem Namen durchaus überregional bedeutsame) Ausstellung ist auf alten Ansichtskarten sichtbar (siehe meinen Beitrag auf: https://regensburg-historisch.blogspot.com/2011/09/die-oberpfalzische-kreisausstellung.html)


Fast alle Gebäude sind später abgerissen worden. Nur das Gebäude mit der Ostdeutschen Galerie steht noch, und auch hier muss man wissen, dass sich der Giebel mit dem Eingang damals auf der Westseite statt auf der Ostseite befand.

Auch der ehemalige Winterhafen ist kaum bekannt. Manche kennen noch das alte Eisstadion, wissen aber nicht, dass in den Jahrzehnten davor hier ein Hafenbecken war - der Winterhafen. Das Foto von der Schwimmbadanlage auf Seite 104 zeigt eben diesen Hafen (und nicht, wie man beim flüchtigen Lesen meinen könnte, die Schwimmbäder auf der Nordseite des Oberen Wöhrds)

Zu S. 104 (im Buch ist hier das Foto aus 1938 von einer Schwimmbadanlage im damaligen Winterhafen)

Die zugehörigen Fotos aus dem Buch zeige ich - schon aus urheberrechtlichen Gründen - hier natürlich nicht.
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Das Foto auf Seite 8 zeigt die (als Fassade noch bestehende) Hauptwache (die Säulen an der Westseite des Kaufhof Galeria) und rechts daneben ein herrliches Gebäude, das abgerissen wurde, als in den 1970er Jahren der Kaufhauskomplex am Neupfarrplatz gebaut wurde (siehe hierzu auch die interessante Luftbildaufnahme 1970, die den ganzen Komplex vor dem Abriss zeigt: http://reinis-welten.de/regensburg/bauwerkeplaetzeundsonstigesberuehmtes/diegeschichtedesneupfarrplatzes/index.html)


Seite 8




Seite 144. Können sich einige Leser noch an die Fußgängerpassage an der Westfront des Theaters erinnern?

Seite 120

Seite 20 (Stadtpark) Der durchgekreuzte Gebäudeteil stand damals noch nicht. Umgekehrt stehen die anderen, auf dem Foto sichtbaren, Gebäudeteile (Reste der Kreisausstellung 1910) heute nicht mehr.


Alte Ansichtskarte von der Kreissausstellung 1910 mit ungefähr gleicher Blickrichtung.  Nur das Gebäude des Kunstforums Ostdeutsche Galerie steht heute noch, der Giebeleingang ist aber heute auf der hinteren (östlichen) Seite. Dort wo auf der Ansichtskarte der Eingang ist, wurde ein zusätzliches Gebäude angebaut.

In diesem Zusammenhang fand ich in meinen Unterlagen noch einen alten Kartenausschnitt aus einem Stadtplan von 1910, auf dem die Gebäude der Kreisausstellung bzw. deren Grundriss eingezeichnet ist (den Kartenausschnitt erstellte ich ursprünglich für einen Aufsatz über die ehemalige Leichenhalle am Lazarusfriedhof, heutiger Kindergarten), also wundern Sie sich bitte nicht über die Bildkommentierung:
Stadtpark 1910 mit Gebäuden der Kreisausstellung


S. 74, Kassiansplatz. Das Gebäude,  wo heute TK Maxx haust. gab es damals noch nicht

S. 64; ich habe die Westfassaden der beiden auf dem Foto sichtbaren Häuser eingezeichnet. Die Andreasstraße war damals viel schmäler. Sie wurde ausgebaut, als die Brücke bei der Schleuse gebaut und eine neue Verbindung Stadtamhof-Steinweg geschaffen wurde (also in den 70er Jahren)

S. 66, Stadtpark; die im Foto im Hintergrund sichtbaren Gebäudeteile stammen von der ehemaligen Kreissausstellung 1910 und sind später abgerissen worden  (lediglich das Kunstforum-Gebäude ist noch da)

S. 68. Die auf dem Foto sichtbaren Gebäude wurde später für das Parkhaus abgerissen. Ich habe sie hier in Umrissen in das google-earth-Bild eingetragen

S. 16. Den wahrscheinlichen Standort herauszufinden, war nicht einfach. Auch Herr Morsbach hatte hier offenbar seine Probleme.
S. 16. .

Ich habe mittlerweile eine Bestätigung von Martin Kempter erhalten, dass die Lokalisierung weitgehend stimmt. Er zeigte mir auch Bilder aus seinem Straßenbahnbuch von der Stelle und übermittelte mir einen eigenen google-earth-Screenshot, auf dem er die Straßenbahnlinien eingezeichnet hat. Dort sieht man die Verzweigung der Gleise, die auf dem Foto erkennbar ist. Er hat außerdem den Standort des Fotografen ganz exakt ermittelt.

(mit Dank an Martin Kempter)



S. 24

S. 40. Die Andreasstraße war damals schmäler. Leider habe ich keine
Stadtpläne aus dieser Zeit, sonder nur viel ältere Pläne - ich musste also etwas raten.

S. 42

S. 44. Im Eckhaus, wo damals das Opelhaus Boeckh untergebracht war, kam später das Cafe Charlott

S. 50. Das Foto wurde von der steinernen Brücke aus geschossen, auch wenn auf dem Foto nur Holz zu erkennen ist (Reparturstelle nach dem Krieg)

S 82. Den auf dem Foto sichtbaren Turm gibt es nicht mehr

S. 84

S. 90 - auch hier war es eine Herausforderung, den wahrscheinlichen Standort zu finden.

S. 96

S. 102. Wo genau die Freibadanlage der Schillerwiese stand, konnte ich nicht herausfinden. Kann ein Leser helfen?

Seite 104

Seite 104, betrachtet vom wahrscheinlichen Standort des Fotografen



In Ergänzung zum Thema Winterhafen: hier eine altes Foto, das rechts vorne einen Teil des Winterhafens zeigt. Im Hintergrund übrigens das frühere Stadtlagerhaus, das in den letzten Kriegstagen beschädigt und dann abgerissen wurde. Später wurde das der Donaumarkt, heute ist dort u.a  das Museum der bayerischen Geschichte.




Das Foto auf S. 112 zeigt das wunderschöne Gebäude der ehemaligen Likörfabrik Jacobi, das auf dem jetzigen Parkplatz am oberen Wöhrd stand, und das Gebäude davor (das anscheindend "Mühlschreiberhaus" hieß), an dessen Stelle mittlerweile  das abgerundete Eckhaus steht.

Seite 112
S. 114: von dem Biergarten hinter dem nördlichsten Haus in Stadtamhof habe ich schon öfter aus Erzählungen gehört. So wie ich das immer verstanden habe, müsste er sich an dem von mir eingezeichneten Bereich befunden haben. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich den Standort des Fotografen richtig eingeschätzt habe.
S. 114

S. 118
Wer sich mit Stadtgeschichte beschäftigt hat, weiß von den herrlichen Gebäuden am südlichen Ende der Maximilianstraße, die nach dem Krieg abgerissen und durch die zwei hässlichen Gebäude ersetzt wurden, die jetzt dort stehen. Das Foto auf S. 126 zeigt noch den ursprünglichen Zustand.
S. 126, Maximilianstraße


S. 128

S. 140
S. 142 - ich kann mich noch an die parkenden Autos am Haidplatz erinnern, so alt bin ich schon. Ich weiß aber nicht mehr genau, ob sich die Taxizentrale auch noch zu "meiner Zeit"  an der Ecke des Gebäudes befand.

S. 142
Die Fotos aus der Schwarzen Bärenstraße zu lokalisieren, war für mich nicht leicht. Wenn man mal die Stelle gefunden hat, ist es leicht, den Bereich wieder zu erkennen. Aber bis dahin musste ich viel in 3D-google-Earth navigieren und Detektiv spielen.  Geholfen haben mir die zwei Türme, die auf dem Foto auf s. 146 hintereinander zu sehen sind (hier in der Totalansicht nicht zu erkennen - aber benutzen Sie google-Earth und gehen Sie möglichst weit runter)
S. 146

S. 150

S. 152, ich habe das Haus gekennzeichnet, wo sich zeitweise das Cafe Charlott befand

S. 154

S. 156
Die genannten Seiten beziehen sich auf das  Buch "Der zeitlose Augenblick - Regensburgs erster Stadtfotograf Christoph Lang 1937 bis 1959 Band 2".

Buch von Morsbach u.a.: "Der zeitlose Augenblick"

Zu google-earth

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Regensburg gehört zu den wenigen Orten, bei denen diese 3D-Simulation aufgrund von vielen Luftbildaufnahmen möglich ist. Die Bilder sind aber immer computergeneriert, damit man die Orte von allen Blickwinkeln aus betrachten kann. Deshalb sind die Häuser oder Fassaden manchmal so verzerrt.