Regensburger Tagebuch

Notizen von der nördlichsten Stadt Italiens

Mittwoch, 10. Februar 2021

Die Dreifaltigkeitskirche

Einer der Auswirkungen der Pest 1713 (letzter Blog-Artikel) war der Bau der Dreifaltigkeitskirche auf dem Osterberg oder Geyersberg, der seitdem Dreifaltigkeitsberg genannt wird. 

In diesem Blogbeitrag erzählte ich die Geschichte, zeige alle gesammelten Stiche von damals und eigene Fotografien. Der Beitrag hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit - dazu gibt es zu viel Daten.


Die Kirche wird in alten Stichen oft mit dem Stichwort "Stadtamhof" verbunden, gehörte aber eigentlich zur Siedlung "Steinweg". Steinweg, die Ortschaft am Fuße der Winzerer Höhen, war von Stadtamhof nicht nur durch Stadtmauern, sondern auch durch eine Flutmulde getrennt (dort wo später der Dultplatz und heute der Kanal ist). 

Und "Statt am Hof", wie es früher hieß, war natürlich auch eine eigene Stadt, gehörte zum Herzogtum Bayern und war durch strenge Grenzsicherung am Nordende der Steinernen Brücke von Regensburg abgeschirmt. Eine Grenze, die während der Pestepidemie streng bewacht wurde. Eine der Schutzmaßnahmen zum Beispiel bestand darin, dass als Postübertragungsmittel eine eiserne Truhe an Ketten am Tor der Steinernen Brücke befestigt wurde.


Acht Jahre vor der Pest, 1705. Der Dreifaltigkeitsberg war unbebaut.




Ausnahmsweise freie Sicht auf die Kirche - ein Grund, auf der Nürnberger Straße umzukehren, einen Parkplatz zu suchen und zu fotografieren

Die Anfänge

Sowohl die Einwohner von Statt am Hoff als auch Steinweg hatten Angst, dass die Pest von Regensburg auf sie überspringt. 

Sie gelobten, auf dem Osterberg eine Kirche zu Ehren des Dreifaltigen Gottes zu bauchen. Als Initiator gilt der Brauer "Michael Schlecht", der auch viel Geld dafür spendete. 

Am 18.09.1713 wurde der Grundstein gelegt, einige Wochen nach Ausbruch der Pest. Tragischerweise traf es die Famlie Schlecht trotzdem - neun Tage nach Grundsteinlegung starb die Ehefrau von Michael Schlecht an der Pest, später auch seine drei Söhne. 

Trotzdem trieb er den Kirchenbau immer wieder voran. So stifteten er und eine andere Stadtamhofer nach dem Tod der Ehefrau, noch vor Vollendung der Kirche,  einen wertvollen vergoldeten Kelch, später ein Gemälde.  

Die Kirche wurde erst 1715 offiziell eingeweiht. Sie war von Anfang an sehr gut besucht - viele Leute pilgerten zu dieser Wallfahrtskirche. 

Das Innere der Kirche ist sehr ansprechend. Ich hatte vor Jahren ein paar Fotos gemacht, finde sie aber auf die Schnelle nicht unter meinen zigtausend Bildern. 

Die Innenausstattung der Kirche wird ausführlich bei Wikipedia und noch ausführlicher von Karl Bauer in seinem Buch über Regensburg (S. 728 ff in der 2. Auflage) beschrieben. Unter anderem sieht man in der Kirche einen Pestleichenstein, der aus der Umfriedung des Pestlazaretts stammt. 

Die gesamte Architektur ist  sehenswert und interessant. Wenn Sie das nächste Mal einen Ausflug auf die Höhen machen, sehen Sie sich doch mal die Kirche näher an.


Die kleine Kapelle unterhalb der Kirche mit dem markanten Kupferdach entstand etwas später, nämlich 1730, und wurde 1922 zu einer Krieger-Gedächtniskapelle umgebaut. 1798 kam der Friedhof dazu. Und der Kreuzweg stammt wohl nicht erst aus 1845 (wie Wikipedia im Eintrag zum Dreifaltigkeitsberg meint), sondern wurde 1845 renoviert.
 
Die Architektur

Man betritt die Kirche von Osten her. Zuerst geht es 12 Treppenstufen hoch zu einer dreibogigen Vorhalle mit offenen Arkaden (und schönem Ausblick!). Auf der Vorhalle, also noch vor dem eigentlichen Kirchensaal, steht ein Turm, der östlichste von den drei Türmen, dann kommt das Langhaus. Durch den heutigen Vorbau sieht das Gebäude fast so aus, wie eine große Kirche, die an einer kleinen Kirche klebt.

Auf den ältesten Stichen sieht die Kirche anders aus als heute: ein schlichter Bau mit einem Turm, und zwar im Westen und nicht im Osten, wie auf den späteren Bildern. 

Es gab nämlich Umbauten 1832 bis 1841 und nochmal in 1933. Und man muss wissen, dass der auf den ersten Bildern sichtbare Turm 1834 wegen Baufälligkeit abgerissen und ein paar Jahre später neu gebaut wurde.

Im Jahre 1933 gab es eine Erweiterung nach Westen durch Heinrich Hauberrisser. Er setzte an die Stelle des früheren Presbyteriums ein weiteres Kirchenschiff und im Anschluss einen neuen Chor.

Wir haben insgesamt etwa drei Phasen der Baugeschichte
  • Erstbau als barocke Kirche ab 1713 (1715 konsekriert)
  • Veränderungen in den Jahren 1832-1841 (mit Abriss alter Turm 1834), Erweiterungen im byzanthinischen Stil
  • Der Umbau von 1933 (zwei zusätzliche Türme)

Eine Schilderung der architektonischen Baugeschichte - mit Schwerpunkt ab 1835 - findet man bei einem neueren Aufsatz von Erich Sauer "Die Dreifaltigkeitskirche in Regensburg-Steinweg und die Walhalla-Landschaft." in den VHVO 2016 (kostenlos im Internet abrufbar; siehe hier)


Bilder

Das älteste Bildnis das ich fand, ist ein Detail auf dem genialen Stich von Friedrich Paul Lindner aus dem Jahre 1714. Es ist der Pest gewidmet, und man findet den Stich in hochauflösender, zoombarer Version im Internet. Ich werde es im nächsten Blogbeitrag vorstellen, weil es interessante Details über das Regensburg aus 1714 zeigt. 

Unter anderem ist die erste Version der Kirche zu sehen, wahrscheinlich ist sie noch im Bau. Bei der Inschrift hat mir Herr Werner Mayer geholfen:  "Die tempore pestis aufm berg vor Stad am Hoff neuerbaute Kirch", also die zur Zeit der Pest auf dem Berg vor Stadtamhof neu erbaute Kirche.





Lindner. Pest August 1713 bis Mai 1714


Weitere Stiche mit Darstellung der Kirche enthalten zunächst einen Kirchturm auf der Westseite statt auf der Ostseite (siehe oben zur Baugeschichte).

Da wäre zunächst ein Stich des bekannten Grafikers Michael Wening über Stadtamhof. Auch diesen Stich gibt es in hochauflösender, zoombarer Version auf bavarikon.de und wird dort mit 1716-1726 datiert.




Hier der entscheidende Ausschnitt:

Ausschnitt aus Michael Wening, Stadtamhof, ca 1716-1726






Ferner wurde ich fündig auf einem Stich von Johann Mayr über Regensburg von Süden aus gesehen, aus dem Jahre 1780

Mayr, Johann: Prospect der des Heil. Römischen Reichs Freyen Stadt Regensburg nach der wahren Lage, von der Landseite gegen Norden anzusehen, nebst dem dazugehörigen Obern- und Untern Wörth, wie auch gegenüberliegenden Churbayerischen Stadt, Stadtamhof und derselben Gegend und Dörfern, Regensburg, 1780 (zoombare Version hier: https://www.bavarikon.de/object/bav:BSB-BAR-0000000000197292, weitere Fundstellen: https://regensburg-historisch.blogspot.com/2016/09/1780-mayr-regensburg-nach-der-wahren.html)


Ausschnitt aus Mayr, Regensburg, gegen Norden anzusehen, ca 1780
Version aus bavarikon: https://www.bavarikon.de/object/bav:BSB-BAR-0000000000197292




Dann gibt es da noch den "Kundschaftsbrief eines Bäckergesellen" aus dem Jahre 1783, gestochen von Johann Mayr (https://regensburg-historisch.blogspot.com/2021/02/1783-kundschaftsbrief-eines.html)
Da sieht man neben der Kirche wohl die Kapelle in etwas verzerrter Form





Im Buch von Bauer findet man auf S. 729 noch ein Aquarell aus ca 1840. Ferner soll es laut Aufsatz von Sauer  eine Grafik von Friedrich Adam „Eisgang und Überschwemmung in Stadtamhof 1789" geben. Das Bild fand ich nirgends im Internet. Für einen Hinweis bin ich dankbar. Die einzigen zwei Grafiken, die ich vom Eisgang 1784 kenne stammen von Mayr und Forster und enthalten nicht die Kirche.

Es gibt noch eine Vogelschau von Regensburg von Bernard Werner aus 1740, gefunden in der genialen Kartensammlung Moll.

Bernard Werner, 1740







Ferner gibt es eine Grafik von Johann G. F.  Poppel, dem wir auch einige Ansichten von Regensburg zu verdanken haben.  Das Bild "Stadtamhof" wird hier auf Bavarikon mit 1852 zeitlich verortet, und zeigt im Hintergrund die Kirche, aber nach früherer Bauart - also mit Turm links. Das würde mit dem Umbau 1835 nicht übereinstimmen. Andererseits sieht hier Stadtamhof  schon so aus, wie es nach der Schlacht im Jahre 1809 neu aufgebaut wurde. Möglicherweise wurde die Vorzeichnung für diesen Stich in den Jahren dazwischen erstellt. Der dargestellte Zustand wäre also zu verorten: zwischen 1812 (nach Wiederaufbau Stadtamhof) und 1835 (Umbau der Kirche). 

Nach den Lebensdaten von Poppel gemäß Wikipedia dürfte er den Stich frühestens 1825 angefertigt haben, aber es könnte sein, dass er sich auf Zeichnungen anderer aus der Zeit davor gestützt hat (vielen Dank an Martin Kempter für die Hilfestellung bei der Datierung).






Nach dem Umbau

Die nächsten Grafiken entstanden nach dem Umbau um 1835, also nachdem der (früher offenbar westlich stehende) Turm abgerissen und die byzantinische Vorhalle mit neuem Turm im Osten angebaut worden war:

So findet man Grafiken von Grueber im Buch von Adalbert Müller, DieMerkwürdigkeiten der Kreishauptstadt Regensburg (damals war Regensburg nicht mehr eigenständig sondern nur noch eine Stadt in Bayern). Zuerst ein Bild von Reinhausen aus - eine seltene Perspektive in den alten Bildern über Regensburg.


Und hier von Regensburg aus mit Blick über die Donau nach Stadtamhof, im Hintergrund die Kirche.



Ein weiterer Stich von Poppel von 1870 (siehe rechtes Teilbild; linkes Bild betrifft Karthaus)


Ein weiterer Stich von Poppel von 1870 (rechtes Teilbild)







Fotografien

Von meinen Fotografien habe ich nur eine kleine Auswahl getroffen - alle zu zeigen, wäre langweilig. Mich persönlich berühren immer wieder die Bilder, die ich bei meinem traditionellen Weihnachts-Fotospaziergang im Jahr 2014 geschossen habe. Damals gab es noch keine Ausgangssperre nach 21 Uhr
Wer Fotos vom Kirchen-Inneren sucht, wird auf Wikipedia fündig - wenn ich meine eigenen doch noch finden sollte, werde ich sie hier "updaten".




Im Vordergrund die Kapelle 































Der Dreifaltigkeitsberg (Kalvarienberg, Calvarienberg)

Der Hügel, auf dem die Kirche steht, wurde früher wohl "Geyersberg" genannt, anlässlich des Kirchenbaus dann als Dreifaltigkeitsberg bezeichnet. Man liest auch oft vom Calvarienberg (Kalvarienberg), weil dort ein Kreuzweg hochgeht.

Der "Calvarienberg" war ein beliebter Aussichtspunkt für Regensburg-Panoramen und der Blick von hier taucht auf vielen alten Stichen, Zeichnungen und Drucken auf. Ein schönes Beispiel ist der Stich "Regensburg vom Calvarienberg" aus dem Jahre 1870 (Stich: Johann Gabriel Friedrich Poppel nach einer Zeichnung von Eduard Gerhardt ).



Im Frühjahr 2011 begann ich eine verbissene Recherche über den genauen Standort des Zeichners - und konnte ihn tatsächlich aufgrund der perspektivischen Lage einzelnen Türme ermitteln. Geholfen hat mir auch die neue Funktion in Wikipedia, mit der die 3D-Gebäude simuliert werden. Im April 2011 habe ich darüber berichtet:

https://www.regensburger-tagebuch.de/2011/04/schatzsuche-auf-dem-calvarienberg.html

Rechts im Bild können Sie die obersten Kreuzweg-Stationen und das obere Ende des Kreuzwegs. Mittlerweile ist an dieser Stelle kein Panorama mehr möglich, da der Hügel an dieser Stelle mit hohen Bäumen bewachsen sind, die allenfalls im Winter ein wenig zum Dom blicken lassen, wie nachstehende Fotos zeigen:







Und so hat der berühmte englische Maler William Turner im Jahre 1840 die Aussicht vom damals noch nicht zugewachsenen Kalvarienberg aus genossen:



Die Aussicht vom Dreifaltigkeitsberg ist natürlich wunderschön. Findet übrigens auch Yorki