Regensburger Tagebuch

Notizen von der nördlichsten Stadt Italiens

Donnerstag, 16. März 2017

Die reisenden Künstler Peter Lang und Louise Lang


Wer so riesige Bilder und Skulpturen schafft wie der Künstler Peter Lang, ist bei der großräumigen Galerie Art-Affair gut aufgehoben. Am 9. März 2017 war dort die Ausstellungseröffnung.

Gezeigt wurden nur Gemälde. Er ist aber auch bekannt für seine Skulpturen, die ebenfalls viel Platz benötigen.

Was die Bilder betrifft, hat er eine eigene Technik der Landschaftsmalerei  entwickelt, mit schichtenweisem und linienartigen Auftrag von Öl auf Ei-Tempera, mit denen er die luminose Stimmung von Landschaften wiedergeben kann. Dafür ist er bekannt, und mit seinen Werken hat er internationalen Erfolg.

In den Mittelpunkt der Zuschauer-Fragen rückte aber etwas anderes: nämlich seine extremen Reisen und der Container, den er sich für diese Expeditionen bauen ließ. Seine Reisen führten ihn nach

  • 2000 Navarra, Spanien
  • 2006 Trondheim, Norwegen
  • 2007 - 2009 Bleckenau bei Füssen, Ammergebirge
  • 2010 - 2011  prc (mobiles Container Atelier) Patagonien, Chile
  • 2012 - 2013  prc (mobiles Conainer Atelier) Snaefellsjokull, Island

2010 ließ er sich einen Seefracht-Container umbauen. Zusammen mit einem großen Vorzelt hat er ein mobiles Atelier, wo er seine Bilder malen kann. Ein spezielles, klimatisiertes "Fach" im Container dient als Behälter für Leinwandbilder, die  bis zu 5,70 m lang sein können.

Er nennt ihn PRC, Peters Raum Container. Die Fotos finden Sie über google-Bildersuche zum Suchbegriff "Peter Lang Container" (der Direktaufruf auf seiner Webseite scheint nicht zu funktionieren, offenbar ein Javascript-Problem)

Mit jedem Frachtschiff lässt sich der Container in jeden Hafen der Welt befördern – und von dort mit dem Sattelschlepper ins Inland. Mit diesen Container geht er "an die Grenzen", im wahrsten Sinne, nämlich in die entlegenste Gegend, die technisch noch erreichbar ist.

So ließ er den PRC in Patagonien in Südamerika aufbauen. In einer einsamen Gegend; die nächste Stadt war 140 Kilometer entfernt.  Dort blieb er eineinhalb Jahre, lebte und arbeitete, jagte Tiere um sich zu ernähren.

Im Jahre 2012 setzte er den Container in Islang, unter einem Gletscher auf einem Grasplateau.

Er malt seine riesigen Bilder vor Ort. Bis zu 150 Bilder können bei einer solchen Reise entstehen. Ich weiß nicht mehr, ob sich die Zahl auf Patagonien oder Island bezog.


Der Container hat eine Zisterne, einen Stromgenerator, einen Holzofen usw. Wenn der Container steht, bekommt er ein sehr großes Vorzelt, das ist dann praktisch das Atelier. Dort malt er.

Er malt die Bilder vor Ort und transportiert sie zusammen mit dem Container zurück. Er malt mit Vorliebe riesige Bilder (wegen der Container-beschränkung nur bis 5,7 m, zu Hause aber größere Bilder).

Die Technik seiner speziellen Landschaftsmalerei hatte er offenbar schon vor 2007 erarbeitet.  Er legt eine eitempera-Schicht auf, die eine abstrahierte und luminose Landschaft zeigt, dann legt er einen Rahmen mit Schnüren drauf. Die Schnüre werden mit  (Öl)Farbe getränkt und auf die Leinwand gezupft.

Das macht er alles vor Ort, also im Container-Zelt-Atelier.

Er machte aber auch Zeichnungen und Tuschearbeiten während der Reise. Peter Lang hat eine akademische Ausbildung, beherrscht auch andere Techniken. Er macht also auch Riesen-Skulpturen, Holzschnitte usw.. Die Skulpturen entstehen aber erst zu Hause in seinem Atelier.



Peter Lang wurde 1965 im bayerischen Holzkirchen geboren und hat an der Akademie in München studiert. Schon vorher aber, als Jugendlicher, zeichnete er sehr viel. Angeblich hatte er schon mit 16 sein eigenes Atelier, das las ich in einer Reportage.

Dass er Maler werden wollte, beschloss er als junger Mann auf einer Reise in Island klar: Unter dem Vulkan des Snaefellsjökull fiel die Entscheidung, und dort platzierte er 30 Jahre später seinen Container, um ein Jahr lang das Licht, die Farben und die Atmosphäre einzufangen.

Denn darum ging es ihm von jeher: die Stimmung der Landschaft einzufangen, so wie William Turner (an den mich seine Bilder stark erinnern) oder Caspar David Friedrich, den Vertreter der Romantik (den er selbst als Vorbild nennt).

Die Stimmung einer Gegend einfangen, das kann man am besten, wenn man sich längere Zeit an diesem  Punkt aufhält, und so in die Atmospähre eintaucht. Und das war das Motiv für den Bau des Containers, der zwar als "mobil" bezeichnet wird, aber letztlich stationär eingesetzt wird.




Interessant finde ich, dass auch seine Tochter Louise Lang eine reisende Künstlerin wurde: nach ihrer Ausbildung als Glaskünstlerin ging sie zwei Jahre auf Walz. Zusammen mit einer anderen Glaskünstlerin, Franca Tasch, bereiste sie die ganze Welt und arbeitete mit Glasbläsern in fernen Orten.


Weiberwalz - einmal um den Glasglobus - www.weiberwalz.de


Das Video "Weiberwalz" gibt äußerst interessante Einblicke in diese Reise:


Weiberwalz - einmal um den Glasglobus from kleiner bruder on Vimeo. Siehe auch die Webseite http://www.weiberwalz.de/

Nebenher hat sie das Talent ihres Vaters geerbt - sie macht hervorragende Kunst. Seht selbst: http://www.louiselang.de/

Als ich nach der Vernissage im gegenüberliegenden HB mit einem Sammler ins Gespräch kam, er ebenfalls bei der artaiffair-Feier dabei war, war dieser höchst überrascht. Er kannte die Künstlerin, hatte sie im Bayerischen Wald erlebt,  war begeistert von ihr und hatte sogar etwas erworben. Was er nicht wusste, dass die beiden "Langs" verwandt sind.

Den Tipp zu Louise Lang habe ich übrigens von meinem Sohn. Er und seine Lebensgefährtin waren im letzten Jahr ihres Kunst-Studiums für ein Semester in Australien. Dort befreundeten sie sich mit Louise Lang, und als er den Veranstaltungshinweis in meinem Blog las, informierte er mich.

Weitere Fotos von der Vernissage

Hier sind weitere Bilder von der Vernissage. Eingefangene Stimmungen im persönlichen Stil des  Regensburger Tagebuchschreibers. Mit seiner mobilen Kamera, PMC, Peters mobile Canonkamera.





Künstlerkollegin Renate Christin im Gespräch

Regensburger Tagebuchschreiber
in der Arbeitspause
Das übliche Spiegelselfie darf  mittlerweile nicht mehr fehlen

Galerist Karl-Friedrich Krause und Künstler Peter Lang

Nachtrag: Mittlerweile ist ein Interview erschienen, das ein Video und Bilder zu dem Reisecontainer  enthält:
Bild-Sommer im Atelier-Container
von Axel Mölkner-Kappl
http://bild-schön-medien.de/bild-sommer-im-atelier-container