Regensburger Tagebuch

Notizen von der nördlichsten Stadt Italiens

Montag, 19. Dezember 2011

Der Regensburger Scheibengasbehälter - ein Denkmal in der Abendsonne

Regensburg, 19.12.2011. Wolken und Sonne sorgten gestern für spektakuläre Stadtansichten, und so nahm ich auf den üblichen Spaziergang mit Yorki auch die Kamera mit. Dabei lichtete ich unter anderem den unter Denkmalschutz stehenden Gaswerk-Behälter ab, der auf dem Zuckerfabrik-Gelände stehen geblieben ist.

Der Blickwinkel ist z.T. ungewöhnlich: nämlich von Süden, also von der Guerickestraße aus über die Bahngleise hinweg. Dazu mussten wir ein bisschen klettern, aber es hat sich gelohnt.

Der Gasbehälter, von manchen auch Gasturm oder Gasometer genannt, wurde 1928 gebaut, und 2000 stillgelegt. Er steht neben dem Zuckerfabrikgelände und  basiert auf einem Patent von 1913. Es handelt sich um einen Scheibengasbehälter der Firma MAN






https://lh5.googleusercontent.com/-VwyCbSpxZEs/TvuWdYS8KBI/AAAAAAAATb4/nFeVcRhaMGM/s576/gasbehaelter-regensburg.jpg

Der Gasbehälter in Google-Earth: Regensburg_Scheibe.kmz



Bei der Suche nach ein paar Daten über das Gaswerk bin ich auf die sympathischen Seiten von Oliver Frühschütz gestoßen, der Informationen über Gaswerke zusammengetragen hat. So weiß ich jetzt, dass es sich um ein Scheibengaswerk handelt, eine Gasbehälterart, die 1913 patentiert wurde und erstmals ohne Wasser als Dichtmittel auskam. In der Mitte des Turms ist also eine Scheibe, die das Gas darunter "deckelt", darüber ist normale Luft. Die Scheibe ist in der Höhe variierbar. Sehr schön erklärt ist das auf folgender Webseite: http://www.gaswerk-augsburg.de/scheibe.html





Grüner Oldtimer vor grünem Gasbehälter - ich musste lange warten, bis endlich mal die Sonne durch die Wolken drang





Ah! Was sieht Yorki da! Eine Krähe fliegt um uns herum.













Im späteren Verlauf des Spaziergangs geht es wieder zurück über die Fußgängerbrücke











Der Turm von der Blumenstraße aus, nördlich der Bahngleise:





Natürlich ließ ich mir nicht die Foto-Spielereien entgehen, die sich mir boten: der denkmalgeschützte Gaswerkbehälter spiegelt sich in den neuen Bürogebäuden des ENERGIE-Parks am Ende der Blumenstraße, dort, wo früher die Diskothek "factory" residierte. Spiegelbilder dieser Art - altes Gebäude spiegelt sich in neuem - habe ich mehr, aber hier kommt noch etwas Symbolisches hinzu: die Gebäude dieses von der Schmack-immobilien-Gruppe gebauten ENERGIE-Parks vertreten die modernste, energiesparende Gebäudetechnik der letzten Jahre.







Infos zum Gasbehälter:


Quelle: http://www.gaswerk-augsburg.de/deutschland.htm#bayern


  • Standort: Greflinger Straße 22

  • 18eckig neben ehem. Zuckerfabrik

  • Größe 20.000 cbm

  • 36 Meter hoch, Durchmesser 30m, steht unter Denkmalschutz

  • Baujahr 1928/1929, Stillegung 2000

  • Hersteller: MAN


  • Neben dem Scheiben-Gasbehälter sind auf dem Gelände noch folgende Gebäude vom alten Gaswerk (erbaut 1909/10) vorhanden, die heute noch von der REWAG selbst genutzt werden: Reinigergebäude (renoviert), Kesselhaus und Ammoniakverarbeitung (renoviert), Uhren- und Reglergebäude (nicht renoviert).



  • Der Gasbehälter in Google-Earth Regensburg_Scheibe.kmz




Auszug aus Wikipedia zu Scheibengasbehälter:


Der Teleskopgasbehälter hat den Nachteil, dass er beheizt werden muss und das Gas Wasserdampf aufnimmt. Eine Alternative bildet der wasserlose Scheibengasbehälter, der 1913 von der Firma MAN patentiert wurde. Der erste Behälter dieser Bauart wurde 1915 im Augsburger Gaswerk gebaut. Die Bauart erlaubt die Errichtung von Gasbehältern mit deutlich höherem Volumen im Vergleich zu Teleskopgasbehältern.

Der Scheibengasbehälter besitzt einen zylindrischen Mantel, der aus Segmenten zusammengesetzt ist. Im Behälter befindet sich eine Scheibe, die sich vertikal wie ein Kolben bewegen kann. Die Scheibe hat an der Oberseite ein Gerüst, an dem in zwei Ebenen Führungsrollen über den Umfang verteilt angebracht sind, die sich an den Mantel anlegen. Mit dieser Konstruktion wird ein Schiefstand der Scheibe verhindert. Aus Explosionsschutzgründen werden Laufrollen aus Holz mit Stahlkern verwendet, da Reibfunken so auszuschließen sind. Auf dem Scheibenrand sind gleichmäßig Betongewichte verteilt, um den Gasdruck einzustellen. Die Abdichtung erfolgt dabei je nach Hersteller auf unterschiedliche Weise (s. u.). Unterhalb der Scheibe befindet sich das gespeicherte Gas. Für die Belüftung befindet sich auf dem Dach die sogenannte Laterne. Die Scheibe kann zu Wartungs- und Kontrollzwecken begangen werden. Hierfür ist ein Fahrkorb installiert, der von der Laterne aus zugänglich ist. Ferner ist eine Notbefahrungseinrichtung vorgeschrieben, die meistens aus einem Befahrungssack besteht, der handbetätigt wird. Der Scheibengasbehälter hat einen Treppenaufgang und Umgänge in verschiedenen Höhen für Kontrolltätigkeiten. Bei größeren Gasbehältern sind Fahrstühle in einem separaten Turm untergebracht, da Scheibengasbehälter eine Höhe von über 100 Meter erreichen können.

Falls ein Scheibengasbehälter überfüllt wird, überfährt die Scheibe Öffnungen in der Mantelwand. An den Öffnungen sind Ausblasrohre (Ausbläser) angeschlossen und das Gas wird so in ungefährdete Bereiche abgeleitet. Für die Scheibenführungsrollen sind Endanschläge vor dem Dacheckpunkt angebracht.

siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Gasbeh%C3%A4lter