Regensburger Tagebuch

Notizen von der nördlichsten Stadt Italiens

Dienstag, 5. Juni 2012

Blick nach Abensberg

Durch Gillamoos und Hundertwasserturm ist das  Städtchen Abensberg immer mehr Regensburger ein Begriff geworden. Dabei haben sie vielleicht auch die zauberhafte Altstadt in dem geschichtsträchtigem Ort entdeckt, die besonders in Sommernächten zur Geltung kommt. Wir wollen uns den Ort ein bisschen näher ansehen.

Abensberg um 1700 (Kupferstich von Michael Wenig)






Satellitenansicht
Sie können auch mit dem Mausrad zoomen.



Größere Kartenansicht  

Abensberg ist eine Stadt im niederbayerischen Landkreis Kelheim und liegt zirka 30 km südwestlich von Regensburg, zirka 40 km östlich von Ingolstadt, zirka 50 km nordwestlich von Landshut und zirka 100 km nördlich von München. Die Stadt liegt an der Abens, einem rechten Nebenfluss der Donau ca. 8 km vor der Mündung.



Geschichte:

Schon lange vor dem Hochmittelalter war das Gebiet an den Abensauen besiedelt. Bereits in der Jungsteinzeit gab es in der Nähe von Abensberg Siedlungen. Besonders interessant und von überregionaler Bedeutung ist das jungsteinzeitliche Feuersteinbergwerk von Arnhofen. Dort bauten vor 7.000 Jahren die Menschen der Steinzeit den begehrten Feuerstein, auch Silex genannt, ab. Dieser Feuerstein wurde zu Bohrern, Klingen und Pfeilspitzen verarbeitet und galt als der Stahl der Steinzeit. Insgesamt konnten bisher über 20.000 Einzelschächte des Bergwerkes nachgewiesen werden.

Stadtansicht aus dem 16. Jhdt., Zeichnung von Philipp Apian,

Die neuzeitliche Geschichte von Abensberg, beginnt mit Gebhard I., der Mitte des 12. Jahrhunderts die Burg Abensberg errichtete und sich als erster nach dem Ort Abensberg benennt.

Aus dieser Zeit, ca. 1138, stammt auch die früheste schriftliche Erwähnung unter dem Namen Habensperch.

1256 wird erstmalig ein castrum Abensperch urkundlich erwähnt. Herzog Ludwig, bestätigte im Jahre 1348 die Stadtrechte von Abensberg. Nun konnten die Abensberger die  Gerichtsbarkeit ausüben, hatten das Recht sich mit einer Mauer zu umgeben und durften Märkte abhalten. Deshalb ließ Ulrich III. von Abensberg eine Stadtmauer errichten. Angeblich besaß diese zu Ehren des vierzigfachen Vaters Babo 32 Rundtürme und acht Ecktürme, die heute noch zum Teil erhalten sind bzw. wiederhergestellt wurden .

In der mittelalterlichen Stadt Abensberg genossen die Bürger gegenüber ihrem Burgherrn eine gewisse Autonomie. Sie bestimmten einen Stadtrat, wobei nur wenige reiche Familien ratsfähig waren.

Um 1390 wurde von Graf Johannes II. von Abensberg und seiner Gemahlin Agnes das Karmelitenkloster Unsere Liebe Frau gegründet.

Obwohl selbstständige Herrschaft, war Abensberg doch immer auch abhängig von den mächtigen bayerischen Herzögen. Der letzte Herr von Abensberg, Niklas, angeblich nach seinem Taufpaten Nikolaus von Kues benannt, wurde von Herzog Christoph 1485 umgebracht. Niklas hatte Christoph - Jahre zuvor - auf unritterliche Art und Weise in München im Bade vor einem Turnier gefangengenommen. Obwohl Christoph der Rache abgeschworen hatte, lauerte er dem Niklas von Abensberg bei Freising auf. Nachdem sich Niklas bereits ergeben hatte, wurde er von Seitz von Frauenberg erschlagen. Er liegt im ehemaligen Karmelitenkloster zu Abensberg begraben. Die Herrschaft Abensberg verlor ihre Selbstständigkeit und wurde ein Teil Bayerns. Von nun an wurde die Stadt von einem herzoglichen Beamten, dem so genannten Pfleger verwaltet.

Es gab auch eine Burg. Diese Burg zu Abensberg wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört, obwohl die Abensberger beim schwedischen General Wrangel einen Schutzbrief erkauft hatten.

Aventinus (1477–1534) ist der berühmteste Sohn der Stadt Abensberg. Er gilt als Begründer der wissenschaftlichen bayerischen Geschichtsschreibung. Ihm habe ich unten ein eigenes Kapitel gewidmet.

In der Schlacht von Abensberg vom 19. bis 20. April 1809 besiegte Napoleon, dem die verbündeten Bayern unterstellt waren, die österreichischen Truppen unter Feldmarschalleutnant Baron Hiller.

(Quellen:u.a. Wikipedia)

Johannes Aventinus - Johann Turmair

Interessant für uns Regensburger ist die Person "Johannes Aventinus", ein Historiker aus dem 15. Jahrhundert, dem auch Regensburg viel historisches Material verdankt. Er gilt als der "Vater der bayerischen Geschichtsschreibung". Sein Werk hat das Bild der Geschichte Bayerns nachhaltig geprägt. Sein Name ist mir bei meinen Recherchen über die Regensburger Geschichte oft über den We gelaufen

Er wurde 1477 in Abensberg geboren und ist 1534  in Regensburg gestorben - und dort in der Emmeranskirche begraben. Vielleicht kennen Sie ihn unter dem bürgerlichen Namen Johann Georg Turmair. Wie damals üblich, hat er seinen Namen lateinisiert, zu "Aventinus" (der "Abensberger").

Johannes aventin
  • Im Jahr 1523 gab Aventinus die erste Karte von Bayern heraus.
  • Als sein Hauptwerk gelten die zwischen 1517 und 1522 entstandenen "Annales ducum Boiariae", in denen er die bayerische Geschichte bis zum Jahre 1460 behandelte. 
  • Die "Bairische Chronik" (geschaffen 1526–1533), eine deutsche Bearbeitung seiner Annalen, ist volkstümlicher geschrieben und besticht durch eine freie und unabhängige Denkweise in nationalen und kirchlichen Fragen. Johann Wolfgang von Goethe äußerte sich später lobend über dieses Werk.
  • Er gilt als ein Wegbereiter der klassischen Philologie in Deutschland. 
  • Herzog Wilhelm IV. von Bayern beauftragte Aventinus 1509 mit der Erziehung seiner beiden jüngeren Brüder Ludwig und Ernst. Für diese schrieb er 1512 eine lateinische Grammatik, die sehr gut ankam und weit verbreitet wurde (Rudimenta grammaticae latinae). 
  • Als Ernst 1516 an der Universität Ingolstadt studieren sollte, schrieb er für ihn eine systematische Darstellung der Wissenschaften, die er Encyclopedia nannte und erstmals 1517 als Anhang zu seiner Grammatik veröffentlichte. Es ist die erste bekannte gedruckte Enzyklopädie.
  • Er verfasste auch ein Lehrbuch für den Bereich Musik
  • Im Bereich der Mathematik verfasste er eine Arbeit über das römische Rechenwesen
  • Aventins "Lateinische Grammatik" wurde zum Lehrbuch an der Landesuniversität von Ingolstadt.
Für Liebhaber alter Bücher, hier eine Übersicht über die wichtigsten Werke:
  • Grammatica nova fundamentalis (1512)
  • Annales Schyrenses (1517 verfasst, Chronik des Klosters Scheyern)
  • Rudimenta gramaticae… Encyclopedia orbisque doctrinarum in calce…. Ingolstadt: Erhard Sampach 1517
  • Altöttinger Chronik (dt. Version von 1519)
  • Ursachen des Türkenkrieges (1526 verfasst)
  • Annales ducum Boiariae (1554 erschienen)
  • Baierische Chronik (dt. Version 1556 erschienen, lat. Version: * Annales)
  • Johannes Turmair's genannt Aventinus sämmtliche Werke / auf Veranlassung Seiner Majestät des Königs von Bayern herausgegeben von der K. Akademie der Wissenschaften. München: Christian Kaiser 1881-1908 (Gesamtausgabe, 6 Bde.)
Erste Anlaufstelle für Forscher:
Speziell für Regensburger interessant: Handschriftliche Blätter, hochauflösend gescannt

Die hochauflösenden Scans sind auch als PDF downloadbar





Hundertwasserturm

Der Hundertwasserturm (offiziell Kuchlbauer-Turm) ist ein Turm in der Stadt Abensberg auf dem Gelände der Brauerei Kuchlbauer.

Abensberg Kuchlbauerturm von Hundertwasser 

Der 34,19 Meter hohe Turm wurde erdacht und geplant von Friedensreich Hundertwasser, der im Jahr 2000 noch während der Planungsphase starb.

Errichtet wurde der Bau erst nach dem Tod Hundertwassers, und zwar zwischen 2007 und 2010,  von dem Architekten Peter Pelikan. Unter der Regie von Leonhard Salleck, dem Inhaber der Brauerei, wurde der Turm vollendet.

Vorausgegangen waren dem Bau Auseinandersetzungen mit der Stadt Abensberg, die auch vor Gericht ausgetragen wurden. Ursprünglich sollte der Turm 70 Meter hoch werden. Dagegen erhob der Denkmalschutz Einwände, um die Silhouette der Abensberger Altstadt nicht zu beeinträchtigen.

Seit der Eröffnung in 2010 findet dort jährlich ein Weihnachtsmarkt statt.  Im Turm wird die Sammlung von 4200 Weißbiergläsern Leonhard Sallecks gezeigt, das Brauen von Bier dargestellt und das Reinheitsgebot erläutert.


Römerkastell Eining


Wenn man von Abensberg aus nach Westen zur Donau fährt, kommt man nach 7 km, also 10 Minuten, zum Römer-Kastell Eining. Interessant auch für uns Regensburger, weil man hier auch mal die Grundrisse der Anlagen erkennen kann. Hier die Wikipediaseite zu diesem Militärlage der Römer namens Abusina



 

Stadtmuseum/Aventinusmuseum 


Abensberg hat eine lange Museumstradition. Bereits im 19. Jahrhundert begründeten Nikolaus Stark und Peter Paul Dollinger eine lokalhistorische Sammlung. Diese städtische Sammlung und die Sammlung des Heimatvereines wurden 1963 zum Aventinusmuseum vereinigt. Es befand sich im Kreuzgang des ehemaligen Karmelitenklosters.

Am 7. Juli 2006 wurde das neue Stadtmuseum Abensberg im Herzogskasten eröffnet.

Webseite: http://www.stadtmuseum-abensberg.de/


Gillamoos

Der Gillamoos, der älteste und größte Jahrmarkt der Hallertau, öffnet von Donnerstag vor dem ersten Septembersonntag bis zum Montag danach seine Pforten. Er stellt den Höhepunkt des Jahres in Abensberg dar und ist ein Fest für die Bevölkerung von Abensberg und Umgebung.

Nach Bezeugungen einiger Regensburger Bekannten aus jüngster Zeit hat der Gillamoos eine sehr viel familiärere und sympathischere Atmosphäre als etwa in Regensburg oder im Oktoberfest, weshalb auch schon das eine oder andere Dirndl angeschafft wurde.


Kapitel Abensberg in der  "Topographia Bavariae", 1644

Ausschnitt aus der berühmten "Topographia Bavariae" von Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor) aus dem Jahre 1644.


Abensperg.
In Ober Bayern gelegen / vnd in die Regierung Mönchen gehörig / am Wasser Abenst oder Abs / davon sie auch den Namen hat. Beym Antonio, vnd in Notitia Imperij, wird sie Abusina genandt. Vnd hat der bekandte Graf Babo, so 32. Söhn / vnd 8. Töchter gehabt / (wie ins gemein geglaubt wirdt / vnd auch dessen Anzeigungen allhie verhanden seyn; besiehe Andr. Brunner part. 2. Annal. lib. 9. p .767.) vor Zeiten allhie Hoff gehalten / vnd sich von diser Statt vnd Schloß geschriben. Gleich wie auch der berühmbte Bäyrische Historicus, Johannes sich von diesem Orth / so in den alten Brieffen Aventinium geheissen werden solle / Aventinum genandt hat. In einer geschriebenen Verzeichnuß stehet / daß ein Königlich Schloß allhie gewesen; wie auch ein Carmeliten Kirch / reich von Allmosen / dahin jährlich auf einem gewissen Tag vil tausend Personen kommen / denen man vil Brod außgetheilet / vnnd 28. Ochsen geschlachtet habe. Vnd solches Carmeliten Closter / so noch allhie / hat Anno 1389. Johannes Herr zu Abensperg gestifftet. Hertzog Albrecht von Bäyern / nam Abensperg / nach H. Niclaus von Abensperg (deß letzten auß diesem Geschlecht / so / nahend Freisingen / von Hertzogs Christoffen in Bäyern Soldaten vmbgebracht worden) Todt / An. 1485. ein. Dann die Herrschaft Abensperg / cum pertinentiis, so viel vom Heil. Reich zu Lehen / vnnd demselben heimbgefallen / ward durch Käyser Friederichen / Hertzog Albrechten / neben einer Summa Gelts / zum Heuratgut versprochen An. 1486. Nachmals durch Käyser Maximilian gar verkaufft vnd vergeben An. 1493. wie beym Wiguleo Hund / im Bäyerischen Stammenbuch part. 1. sub. rub. Abensperg / fol. 20. zu lesen. Ward Anno 1648. den 10. 20. Sept. von den Schwedischen eingenommen. Hat ein Landgericht / darein die Märckt Altmanstein vnd Rohr / Item 2. Clöster / 1. Schloß / 2. Adeliche Sitz / vnd andere Güter gehören.
 Quelle: http://de.wikisource.org/wiki/Topographia_Bavariae_%28Bayern%29:_Abensperg

Die Topographia Bavariae ist ein äußerst wichtiges Werk für alle, die sich für die Geschichte Bayerns interessieren. Es enthält u.a. auch Beschreibung von Regensburg und wichtige alte Landkarten. Wer sich mit Regensburger Geschichte befasst hat, hat mit Sicherheit schon von diesem Werk gehört oder eine Karte davon gesehen.


Abensberg auf alten Karten


Da mittlerweile immer mehr hochauflösende Scans von historischen Landkarten im Internet zu finden sind - aber nicht leicht gefunden werden können, habe ich mir die Mühe gemacht, für diesen Artikel die interessantesten Karten aufzusuchen und Details mit Abensberg zu fotografieren. Leider ist es immer noch so, dass man für sehr detaillierte Ansichten (also "hochauflösende" Bilder) in das Ausland gehen muss, denn die Digitalisate, die von deutschen Institutionen zur Verfügung gestellt werden, sind relativ unergiebig. In diesem Fall musste ich auf die Karten der so genannten Moll-Sammlung zurückgreifen, die sich sehr versteckt auf den Webseiten einer tschechischen Museums befinden (siehe meinen früheren Artikel über die Moll-Sammlung)









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