Regensburger Tagebuch

Notizen von der nördlichsten Stadt Italiens

Samstag, 30. Januar 2016

Regensburg im Zentrum der Erdkugel

Dieses Bild wollte ich schon lange mal präsentieren. Regensburg im Zentrum eines Globus. Das Bild ist das Frontispiz zum Chur-Bayerischen Atlas und stammt aus der Zeit zwischen 1662 bis 1726. Im Original ist es nur 13 x 18 cm groß.

Auf bavarikon.de kann man in das Bild zoomen. http://bavarikon.de/object/bav:BSB-BAR-0000000000075287







Der Kurbayerische Atlas ist eine geographische Beschreibung des Kurfürstentums Bayern aus dem späten 17. Jahrhundert.

Das Werk erschien in zwei Bänden. Der 1687 erschienene Band 1 stellt Städte, Märkte und Schlösser Bayerns dar, der 1690 erschienene Band 2 bayerische Stifte, Abteien, Propsteien und Klöster. Illustriert waren die beiden Bände mit Kupferstichen von Johann Ulrich Krauß (1655–1719). Verfasser des Atlasses war der Münchner Jurist Anton Wilhelm Ertl (1654–1715)









Der arme Mann, der vor dem Löwen rücklings auf dem Boden liegt und sich die Hände schützend vor das Gesicht hält, dürfte wohl ein Türke sein, in Anspielung auf die Verdienste von Max Emanuel während des Großen Türkenkriegs.




Maximilian II. Emanuel (1662-1726) war seit 1679 Kurfürst von Bayern. Während des Großen Türkenkrieges machte er sich als Feldherr in kaiserlichen Diensten einen Namen. Die Osmanen nannten ihn wegen seiner blauen Uniformjacke, die weit über die Schlachtfelder zu sehen war, den Blauen König.




Als die Türken im Großen Türkenkrieg 1683 Wien belagerten, kam der bayerische Kurfürst dem Kaiser militärisch mit etwa 11.000 Soldaten zu Hilfe. Mit bayerischer Beteiligung gelang es Kaiser Leopold I und dem polnischen König Sobieski, Wien von den Türken zu befreien. Er war einer der wenigen Fürsten, die sich persönlich an der Schlacht beteiligten.

Auch nach der Befreiung Wiens kämpften Maximilian Emanuel und die bayerischen Truppen im Großen Türkenkrieg. Seine Soldaten waren 1683 an der Eroberung von Gran beteiligt. Ein Jahr später nahm er selbst an dem erfolglosen Angriff auf Ofen teil.


Nochmal zum Atlas: der ausführliche Originaltitel des Kurbayerischen Atlasses lautet:
„Chur-Bayerischer Atlas / Das ist: Eine Grundrichtige, Historische, und mit vielen schönen Kupfern und Land- Karten gezierte Abbildung, aller in dem hochberühmten Chur-Hertzogthum Ober- und Nieder-Bayern, auch in der Obern Pfalz ligenden vortrefflichen Städten, Märkt, und theils Schlösser, samt deroselben Ursprung, Fortpflanzung und andere merkwürdigste Bayrische Denk-Sachen, alle aus dem unverfälschten Grund der Antiquität enthalten.
Beschrieben und Verfasset von ANTONIO GUILIELMO Ertl, der Rechten Licenciat, Chur-Bayerischen Hofgerichts-Advocaten, und des Lobwürdigen Closters Steingadten Ober-Richtern zu Widtraeltingen, auch andern Schwäbischen Dorffschafften.“



Frontispiz zum Chur-Bayerischen Atlas
  • http://bavarikon.de/object/BSB-BAR-0000000000075287
  • Maximilian Emanuel 〈Bayern, Kurfürst, II.〉 [1662-1726]
  • Brustbild im Oval (Frontispiz; Atlas: „Chur-Bayerischer Atlas“; mit Ansicht auf vorhergehender S.: Löwe mit bayerischem Globus; Landshut im Zentrum)
    • Ertl, Anton Wilhelm
    • Amling, Carl Gustav von
  • 13 x 18 cm
    • Maximilian Emanuel 〈Bayern, Kurfürst, II.〉 [1662-1726]
  • Bayerische Staatsbibliothek
  • Bayerische Staatsbibliothek
    • Bayerische Staatsbibliothek - Katalognummer: 75287
    • Bayerische Staatsbibliothek - Signatur: Portr.R. Karten (48)
Es gibt auch eine Version des Stichs mit Tegernsee im Zentrum: