Regensburger Tagebuch

Notizen von der nördlichsten Stadt Italiens

Sonntag, 24. Juli 2011

Die Protzenweiher-Brücke und der alte Dultplatz (Teil 1)

Kaum wartet man dreieinhalb Jahre, schon ... passiert immer noch nichts. Am 9. Juli war die Einweihungsfeier der restaurierten Protzenweiherbrücke, aber die Brücke war immer noch nicht fertig. Das sollte noch eine Woche dauern.


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Die Stadt und die Bürger waren machtlos - der Bau lag nicht in ihrer Hand. Denn zuständig sind Bund und Land.


Ärgerlich für Regensburg - schließlich haben Sie für die Realisierung des Rhein-Main-Donau-Kanals ihren alten Dultplatz geopfert, und konnten nur noch über diese Brücke in den Norden fahren. Und als Dank dafür mussten sie  ohnmächtig zusehen, wie sich die Reparatur über drei Jahre hinauszog. Und das in einer Zeit, in der auch die Verbindung über die Steinernen Brücke weggefallen war.


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Der folgende Artikel soll nicht nur diesen die Brücke und ihre Restaurierung dokumentieren, sondern auch mit Hlfe historischer Bilder zeigen, dass hier einmal ein freier Platz war, der Stadtamhof und Steinweg schrankenlos verband: der alte Dultplatz.  Dazu werde ich historische Bilder und Kartenmaterial aufarbeiten


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Aber der Reihe nach.


Die neue Protzenweiherbrücke


Die Protzenweiherbrücke ist seit Mitte Juli fertig und  befahrbar. Sie warund ist die Hauptverbindung zwischen Stadtamhof und dem Stadtnorden, daneben gibt es noch die Verbindung über die Oberpfalzbrücke beim jetztigen Dultplatz.


Beschädigt wurde die Protzenweiherbrücke 2008 durch einen Brand. Sie wurde eigentlich nicht restauriert, sondern durch einen neuen Bau ersetzt.  Für die Zwischenzeit wurde eine behelfsmäßig daneben aufgebaute Fußgängerbrücke (die auch fleißig als Radfahrerbrücke benutzt wurde) erstellt.


Am Samstag den 9. Juli, zeitgleich zum Jazzweekend, feierten die Bürger die Inbetriebnahme der neuen Brücke, auch wenn nur Fußgänger und Radfahrer die Brücke überqueren konnte. Die Behelfsbrücke war entfernt worden. Zwei Wochen später wurde die Brücke dann wirklich fertiggestellt und für den Verkehr freigegeben.


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Die Gasleitung ist diesmal gut kaschiert, haha:


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Warum die Brücke ersetzt werden musste


Im März 2008 unterquerte ein Transportschiff die Brücke flußabwärts Richtung Osten. Entgegen den Vorschriften beginnen viele Schiffsführer schon während der Unterquerung mit dem Wiederausfahren des Kranes, der sich an Bord befindet. Allerdings passte der Schiffsführer nicht auf und fuhr den Kranauslege zu schnell aus. Dieser riss eine Gasleitung auf, die unter der Brücke Steinweg und Stadtamhof mit Gas verband. Das Gas entzündete sich und entfachte einen Großbrand, der erst nach Stunden gelöscht werden konnte. Die dabei entstehende Hitze war so stark, dass die massiven Stahlträger innerhalb der Brücke einfach schmolzen und sich um gut einen halben Meter nach unten verbogen. Das Mauerwerk der Brückenpfeiler wurde ebenfalls geröstet, angeblich so stark, dass es durch neue Pfeiler ersetzt werden musste. Ab diesem Zeitpunkt mussten die Stadtamhofer über die Oberpfalzbrücke den Weg zum Rest der Welt suchen.


Leider sind die meisten Fotos, mit denen ich damals die Schäden dokumentierte, verloren gegangen. Nur ein paar Bilder sind noch erhalten.


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Was einige nicht wussten: Der Schiffsverkehr lief die komplette Zeit hindurch weiter, von der Sperrung in den ersten paar Tagen abgesehen.  Dazu waren offenbar nur wenige Reparaturarbeiten notwendig.


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Die Wiederherstellung


Nachdem  Zeit durch Gutachten verloren ging, wurde beschlossen, dass die Brücke nicht repariert, sondern neu erstellt werden soll. Eine Behelfsbrücke für den Autoverkehr wurde diskutiert, aber die Stadt hätte sich mit einem so hohen Beitrag beteiligen müssen, dass die Stadtverwaltung abwinkte. Der Neubau sollte dreieinhalb Jahre dauern. Der OB erklärte damals öffentlich, er werde nicht gegen diese extrem wirkende Dauer protestieren, denn er wisse, wie lang diePlanung  Ausschreibung eines solchen Projektes entsprechend den öffentlich-rechtlichen Vorschriften dauere. Einen Einfluss auf die Arbeiten hatte er sowieso nicht, denn zuständig sind Bund und Land.


Warum eigentlich, fragt sich der Bürger. Die Brücke wurde nur deshalb notwendig, weil hier in den Siebziger Jahren ein Kanal durch den Stadtnorden gelegt wurde. Dieser war zur Realisierung des Rhein-Main-Donau-Kanals notwendig, wenn die großen Schiffe Regensburg passieren können sollen. Die bis dahin vorhandenen zwei Donauarme, die rechts und links von den Wöhrdinseln nach Osten fließen, reichten nicht aus. Daher wurde der freie Platz zwischen Stadtamhof und Steinweg geopfert. Stadtamhof, bisher Teil des offenen Landes nördlich der beiden Donauarme, wurde zur Insel.


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Dieser Kanal, der "Regensburger Schleusenkanal"  ist Teil der Bundeswasserstraßen, und somit keine kommunale Angelegenheit. Entsprechendes gilt für die Brücke. Für den Neubau der Brücke wurde übrigens das Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg beauftragt, worauf ich später zurück komme.


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Warum keine Ersatzbrücke?


Wenn Regensburg schon soviel Opfer bringt, warum stellt dann der Bund nicht eine Ersatzbrücke (Brückenprovisorium) zur Verfügung. Man kolportierte damals, dass sogar die Bundeswehr problemlos eine provisorische Brücke erstellen könne. Nun, angeblich wäre die Ersatzbrücke sehr teuer gewesen, und die Stadt Regensburg hätte einen Teil dazu zahlen müssen. Dies wiederum deshalb, weil die sorglose Art der Verlegung des Gasrohres unterhalb der Brücke zu einer Mitschuld an der Schadenshöhe führte. Ohne Brand wären die Beschädigungen harmlos gewesen.


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Als sich dann ein Jahr lang nichts auf der Brücke tat, lag das hauptsächlich an den erforderlichen Planungen und Ausschreibungen. Damals ging das Gerücht um, dass dies auf STreitigkeiten über die Finanzierung beruhe; der Schiffsführer sei nicht nur angetrunken, sondern auch noch unterversichert gewesen. Das stimmt aber so nicht ganz. Die Versicherung hat wegen des Mitverschuldens abgelehnt, den Schaden vollständig zu übernehmen. Die erforderliche Restfinanzierung musste zwischen Bund und Land geklärt werden.


Wir Bürger wussten nicht, warum nichts vorwärts ging. Wir sahen nur das Stilleben. "Stillleben schreibt man mit drei L, denn es kommt von still, eben", dichtete ein Bekannter, den ich bei einer Doku-Session dort traf:


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Galeristin I. Löffler und Künstler H. Freihammer, zu Besuch in Regensburg, lassen sich über die Brücke aufklären



















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Zum Album "Stillleben Protzenweiherbrücke am 14.8.2009" geht es hier lang.




 


Situation im Oktober 2010: die alte Brücke war komplett weggerissen, es stand nur der Behelfssteg für Fußgänger.


 


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Na gut, das mit den Fußgängern war ironisch gemeint. In Wirkllichkeit gab es kaum Radfahrer, die auf dieser Brücke abstiegen. Das Foto oben zeigt eine der seltenen Ausnahmen, weshalb es unbedingt gezeigt werden muss. Ne' Menge Bilder musste ich wieder mal aussortieren, um keine Verkehrssünder zu dokumentieren (ein Dauerproblem, nicht nur bei diesem Album).


 


 


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Zum Bilderalbum:




Wer hat's gemacht?


Mit dem  Wiederaufbau wurde  das Wasserstraßen-Neubauamt Aschaffenburg beauftragt (siehe Sonderseite: http://www.wna-aschaffenburg.wsv.de/wir_ueber_uns/sachbereich_5/bruecken/aktuelle_projekte/protzenweiher/index.html). Es wurde vorhergesagt, dass der Bau bis zum Frühjahr 2011 dauern würde und man hat nur einmal nachgebessert und den Termin auf Juni verlegt. Im großen und ganzen wurde das eingehalten. Viele behaupten, so ein Brückenbau hätte schneller gehen können, angeblich nach Auskunft von Fachleuten. Außerdem habe man nicht wirklich viel Aktivität auf der Brücke gesehen, das könne man sich auch anders vorstellen. Ich kann das nicht beurteilen. Dass Tag und Nacht gearbeitet wurde, kann man nicht gerade sagen. Vielleicht spielt es doch eine Rolle, dass nicht Regensburger, sondern Fremde für die Planung zuständig waren.  Diese spüren die Eilbedürftigkeit nicht so sehr, wie die Regensburger. Aber das sind Spekulationen. Eines muss man zugeben: sie haben den Zeitplan eingehalten.


 


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Zum kompletten Bilderalbum:



 


WIRD FORTGESETZT !


Den 2. Teil dieser Serie finden Sie hier: Klick


Lesen Sie auch diesen Artikel über die Protzenweiherbrücke: Klick