Regensburger Tagebuch

Notizen von der nördlichsten Stadt Italiens

Sonntag, 8. April 2012

Regensburg historisch: der Haidplatz Teil 2

Fortsetzung von http://www.regensburger-tagebuch.de/2012/04/regensburg-historisch-der-haidplatz.html

Ich erinnere nochmals an den Wikipedia-Eintrag:
Der Platz geht auf eine langgestreckte Wiese („Heide“) westlich des ehemaligen Römerlagers zurück. Die Form des später bebauten dreieckigen Platzes beruht auf einer Gabelung einer Straße. Im Mittelalter wurden hier Ritterturniere abgehalten.
Aber gibt es Karten, die diese Wiese zeigen? Ich konnte mich nicht erinnern, derartiges je gesehen zu haben, und ich sammle intensiv alte Karten, nicht nur aus Regensburg. Also bin ich zunächst nocheinmal meine Bildersammlung durchgegangen und habe vorhandene Karten herausgesucht, auf denen der Haidplatz mit erscheint:

Ein alter Plan des Regensburger Historikers "Steinmetz" aus dem vorletzten Jahrhundert, wo er den von ihm  vermuteten Römerkastell-Grundriss auf die damalige Stadtkarte übertrug. Links vom Kastell, also westlich des Lagers im Bereich zwischen Haidplatz und Emmeransplatz, hat er die Fläche grau eingefärbt: das sollte das Zivillager kennzeichnen.


Eine der historisch überlieferten Stadtkarten aus 1700 (zu finden u.a. auf wikicommons)




hier eine Vergrößerung, in der ich den Haidplatz gekennzeichnet habe.


Einer der bekannten "Uraufnahme-Ortsblätter" aus dem Jahre 1812, die als Grundlage für Stadtkarten dienten (zu finden u.a. über Wikicommons). Die Aufnahme erfolgte 1811, also zeigen die Bilder den Stand von 1811.


Ein Ausschnitt:

 
Hier noch ein alter Stadtplan mit Anmerkung des Historikers Dahlem über die Lage des Römerfriedhofs bei der Kumpfmühler brücke und dem Grundriss des Römerlagers.

Die Lage von Römerkastell und der westlichen Zivilsiedlung; eine Montage, die ich anlässlich eines anderen historischen Fundes mit Hilfe einer google-earth-Snapshots erstellte. Im roten Bereich befanden sich die Wohnungen und Geschäfte von Soldaten und Einheimische. Zu erkennen ist auch der dreieckige Haidplatz, der angeblich eine Wiese außerhalb des Lagers war.




Nachdem ich in meiner Sammlung nicht fündig wurde, ging ich erneut auf Internet-Recherche. Und hatte Glück. Bei der bekannten und hervorragenden Dokumentation des Uni Regensburg 500 Jahre auf den Spuren der Römer aus dem Jahre 1999, fand ich eine Skizze des Historikers Schmetzer, die in meiner Sammlung fehlte. Das wohl deshalb, weil sie angeblich unveröffentlicht ist, vom Verfasser der Webseite aber im historischen Archiv gefunden wurde. Die übrigen Skizzen von Dahlem, Schmetzer, Platon (nicht der Grieche!) und anderen sind als Public-Domain-Scans auch sonst im Netz auffindbar, z.B. auf zenon.org oder auf Digital-Plattformen von Bibliotheken, dort in wesentlich höherer Auflösung.

Diese Skizze aber fehlte, wie gesagt:



Es wird aber darauf hingewiesen, dass dies nur eine Spekulation von Schmetzer war und die Lage der einzelnen, eingezeichneten Elemente nicht gesichert ist.

Es ist gut möglich, dass in Bibliotheken weitere Nachweise vorhanden sind, die bis jetzt nicht digitalisiert sind. Auch wenn ich wissenschaftliche Recherche in Bibliotheken gewohnt bin, habe ich bisher noch keine einzige Bibliothek bezüglich der Suche nach historischem Material über Regensburg aufgesucht. Meine Recherchen beginne ich meist nachts oder am Wochenende, wenn ich Ausgleich suche, und da steht nur das Internet zur Verfügung.

Ein paar weitere Screenshots aus alten Karten, auf denen der Haidplatz sichtbar ist, füge ich der Vollständigkeit halber hinzu.

Aus der berühmten "Radefeld"-Karte, abgedruckt im Meyers Hand-Atlas


Die amerikanischen Bibliotheken stellen ihre Buch-Scans in höherer Auflösung und ohne so viel Barrieren zur Verfügung, als  es in Deutschland praktiziert wird. Darum tausche ich manchmal alte Digitalisate, die ich in Deutschland fand, nachträglich aus.  Folgender Ausschnitt stammt aus einer (im Netz nur selten auffindbaren) Karte des deutschen Reichs, die von der Uni Massachusettes in hervorragender Auflösung präsentiert wird. So konnte ich extrem in die Kartei hinein zoomen.





Fortsetzung folgt