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| Die "alte Wache", auch "Hauptwache" am Neupfarrplatz. |
Unter der Rubrik "StadtG'schichtn" gab es in der Dezemberausgabe des Kulturjournals einen Artikel über die historische Entwicklung von Alte Wache und Galeria Kaufhof (Dez 17, S. 13). Einen Beitrag über den Ort fand ich auch im Buch des Kulturjournal-Herausgebers Peter Lang "Regensburg gestern und heute (Seite 68 f).
Und das gab mir die noch fehlenden Informationen, um einen schon lang geplanten Artikel fertigzustellen.
Im Jahre 1972 geschah etwas Unglaubliches auf dem Neupfarrplatz. Ein Jahr vor Einführung des Bayerischen Denkmalschutzgesetz leistete sich Regensburg eine riesige Bausünde: das ganze Viertel am Neupfarrplatz wurde bereinigt, historische Häuser abgerissen, sogar eine Straße verschwand. Die Südost-Ecke des Neupfarrplatzes wurde geschleift. Zwölf historische Häuser wurden entfernt, betroffen waren Dreihelmgasse, Pfauengasse, Neupfarrplatz, Schlossergasse und St.-Kassians-Platz. Der Platz "Am Spielhof" existiert seitdem überhaupt nicht mehr.
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| Neupfarrplatz und Kassiansplatz vor der "Bereinigung" undatierter Stadtplan zwischen 1903 und 1907 (Quelle) |
Unter anderem wurde auch der Vorgängerbau des heutigen Kaufhofgebäudes abgerissen - was zu einer riesigen Baugrube führte - und durch das jetzige Gebäude ersetzt. Dort in die Westfassade integriert ist die Fassade eines alten Gebäudes, das man "Hauptwache" oder "Alte Wache" bezeichnet. Diese Fassade eines historischen Baus wollte man erhalten.
Die so genannte "Hauptwache" war ursprünglich ein Holzgebäude mit Steinsäulen, das 1611 erstmals erwähnt wurde. Im Jahre 1818 wurde das mittlerweile baufällige Gebäude durch ein Steingebäude ersetzt, das ebenfalls wieder von Säulen gesäumt ist. Beim Neubau des heutigen Kaufhof-Gebäudes wurde das Gebäude abgerissen - lediglich die Fassade blieb, die in das heutige Gebäude integriert wurde.
Die Hauptwache diente vor und während des 30jährigen Krieges als Wachstube für die Bürgerwehr. Männliche Bürger mussten damals an regelmäßigen Waffenübungen teilnehmen.
Ab 1663 wurde die Bürgerwehr durch Berufssoldaten ersetzt. 1753 wurde der Platz gepflastert (zwecks leichterem Exerzieren der Schildwache). Die Holzbaracken wurden 1818 durch einen gemauerten Steinbau ersetzt.![]() |
| Die alte Wache vor 1972. Es diente damals offenbar als Museum |
Interessant ist auch das Schicksal des Kaufhauses selbst. Noch bis in die jüngste Zeit hörte ich manche sagen "ich war gerade beim Schocken, um was zu kaufen" - und wir älteren Regensburger wussten sofort, was gemeint ist, nämlich der Kaufhof.
Das Kaufhaus "Schocken" gab es ab 1920, damals wurde es von der Vorgängerfirma Hammer übernommen. Nazis enteigneten den jüdischen Besitzer, danach hieß das Kaufhaus Merkur. 1954 bis 1962 wurde das beliebte Kaufhaus erweitert.
Im Jahre 1969 wurde Abriss und Neubau beschlossen, was 1972 im Rahmen der eingangs genannten "Bereinigung" realisiert wurde. Der Neubau wurde dann ab 1972 nicht mehr unter dem Namen Merkur, sondern unter dem Namen Horten weitergeführt. Erst im April 1998 ging das Kaufhaus an die Gruppe Kaufhof.
Das Kaufhaus "Schocken" gab es ab 1920, damals wurde es von der Vorgängerfirma Hammer übernommen. Nazis enteigneten den jüdischen Besitzer, danach hieß das Kaufhaus Merkur. 1954 bis 1962 wurde das beliebte Kaufhaus erweitert.
Im Jahre 1969 wurde Abriss und Neubau beschlossen, was 1972 im Rahmen der eingangs genannten "Bereinigung" realisiert wurde. Der Neubau wurde dann ab 1972 nicht mehr unter dem Namen Merkur, sondern unter dem Namen Horten weitergeführt. Erst im April 1998 ging das Kaufhaus an die Gruppe Kaufhof.
Eigentlich hieß das Kaufhaus in meiner Kindheit längst nicht mehr "Schocken", sondern Merkur oder Horten. Aber meine Eltern - und nicht nur sie - sprachen weiterhin vom "Schocken". Wir älteren Regensburger haben also eine Vielzahl von verwirrenden Namen im Kopf: Schocken, Merkur, Horten und Kaufhof.
Portikus und Fassade der alten Wache ließ man beim Neubau in den siebziger Jahren auf Druck der Kulturpolitik stehen. Das neue Gebäude, das damals der Kette HORTEN gehörte, gilt unter Architekten und Stadtplanern mit seinen H-Kacheln aus Faserbeton als Fremdkörper am Neupfarrplatz. Geplant wurde es vom deutschen Architekten Egon Eiermann. Die Kastanien der Westfront, die man auf älteren Fotos sieht, wurden entfernt.
Heute ist dieser Gebäudeteil eines der prägendsten Elemente im Ambiente des Neupfarrplatzes.
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| 1972 - die alte Wache steht frei |
| Auf diesem Stich von Georg Adam sieht man die Wache rechts im Bild; hier handelt es sich noch um den Holzbau aus dem 17. Jahrhundert, der 1818 durch den Steinbau ersetzt wurde |
Foto von 1871:









