Regensburger Tagebuch

Notizen von der nördlichsten Stadt Italiens

Sonntag, 7. Juli 2019

Kepler als SciFi-Autor



Johannes Kepler war ein Astronom. Eigentlich Gelehrter, befasste sich also auch mit Mathematik und mit seinem Werk Dioptrice erhob  er die Optik zur Wissenschaft.

Nun - da er zufälligerweise in Regensburg war, als er 1630 starb (er wollte beim Reichstag ausstehende Gehaltsforderungen geltend machen), gibt es bei uns  ein Denkmal (das "Kepler-Monument" im Bahnhofsareal) und ein Kepler-Gedächtnishaus mit Museum. Aber so richtig hat er mit Regensburg nichts zu tun.

Nichtsdestotrotz ist er eine interessante Person, die das astronomische  Weltbild gewaltig ins Wanken brachte. Da ich mich seit Kindheit an mit Astronomie interessiere, habe ich mich natürlich auch mit ihm beschäftigt.

Überraschenderweise war er auch als Science-Fiction-Autor tätig. Jawohl: es ist kaum bekannt, aber hat einen Sci-Fi-Forman über eine Reise zum Mond geschrieben. Die kann man kostenlos auf archive.org lesen. Der Titel "Somnium" ("Der Traum").




Im gleichen Jahr, in dem Kepler seine ersten zwei Gesetze veröffentlichte (1609), schrieb er auch ein Buch mit dem Titel Somnium („Der Traum“). Dieses Werk hatte eine Entstehungsgeschichte von 40 Jahren. Bereits 1593, als er Student in Tübingen war, wählte Kepler zum Thema einer der geforderten Disputationen, wie die Vorgänge am Firmament sich wohl auf dem Mond ausnähmen. Sein Ziel war damals, einen Parallelismus aufzuzeigen: Wie wir die Rotation der Erde und ihre Bewegung um die Sonne nicht spüren, aber den Mond seine Bahn ziehen sehen, könne ein lunarer Beobachter glauben, der Mond stehe still im Raum und die Erde drehe sich.

Mit fiktiven astronomischen Betrachtungen vom Mond aus, verfremdet als Bericht eines raumreisenden Geistes, wollte Kepler das von ihm weiterentwickelte kopernikanische Weltbild populär machen, er wollte versuchen, die Leser von der Meinung abzubringen, weiterhin in der Erde das Zentrum alles Menschlichen und Göttlichen zu sehen. Die märchenhafte Erzählung wurde erst posthum von seinem Sohn Ludwig veröffentlicht und erst 1889 von Ludwig Günther ins Deutsche übersetzt.

Kepler verschafft seiner Darstellung der astronomischen und geologischen Gegebenheiten des Mondes eine märchenhafte Rahmenhandlung. Der erzählende Autor fällt in Schlaf und träumt die Reise zum Mond, die durch einen Regenschauer am Morgen abrupt unterbrochen wird.

Kepler war damals bereits klar, dass es zur Überwindung der irdischen Gravitation einer starken Kraft, gleich einem Schuss, bedarf, dass der Mensch dabei großen Kräften ausgesetzt ist und dann in die Schwerelosigkeit fällt. Er dachte sich große Temperaturunterschiede auf dem Mond, Hitze während des Mondtags und Eis und Stürme während der Mondnacht. Und er dachte sich Leben auf dem Mond in Gestalt von Tieren, die sich den unwirtlichen Lebensbedingungen perfekt angepasst haben.

Man kann Somnium als erste Science-Fiction-Erzählung bezeichnen, die so realistisch wie damals möglich eine Mondfahrt beschreibt.

https://web.archive.org/details/traumvommond00kepluoft/page/n8







Kepler-Monument


Siehe auch (zum Keplerhaus):
https://www.regensburger-tagebuch.de/2009/02/kugelpanorama-bild-vom-keplerhaus-in.html