Regensburger Tagebuch

Notizen von der nördlichsten Stadt Italiens

Donnerstag, 24. September 2026

Bericht von der 100. Jahresschau des Kunst- und Gewerbevereins

Begrüßung durch Dr. Georg J. Haber

 



Prof. Dr. Wagner


Ein enormer Andrang herrschte am Freitagabend, 18. September, im Kunst- und Gewerbeverein Regensburg: Zur Eröffnung der Jubiläumsausstellung „100 Jahre – 100 Bilder – 100 Geschichten“ waren der große Saal und auch die Nebenräume bis auf den letzten Platz gefüllt. Das Interesse an der besonderen Jahresschau, mit der der Verein auf ein Jahrhundert Ausstellungsgeschichte zurückblickt, war offensichtlich groß.

Begrüßt wurden die zahlreichen Gäste von Dr. Georg J. Haber. Professor Dr. Christoph Wagner vom Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Uni Regensburg führte in die Werke ein.

Seit 1926 veranstaltet der Kunst- und Gewerbeverein Regensburg seine Jahresschau. Das Ausstellungsformat bietet Künstler sowie Kunsthandwerken mit Bezug zu Niederbayern und der Oberpfalz bis heute eine Plattform, ihre Arbeiten zu zeigen. 

Zum 100-jährigen Jubiläum hat der Verein das gewohnte Konzept allerdings grundlegend verändert: Statt eine Auswahl aktueller Arbeiten zu präsentieren, führt die Jubiläumsschau durch ein ganzes Jahrhundert Kunstgeschichte.


100 Jahre – 100 Bilder – 100 Geschichten

Für jedes Jahr der Jahresschau wurde ein Werk ausgewählt. Von Lina Ammer, die 1926 am Beginn der Ausstellungstradition steht, reicht der zeitliche Bogen bis zu Anja Bader, der letzten U40-Kunstpreisträgerin aus dem Jahr 2025. Da im Jahr 1945 keine Jahresschau stattfand, sind insgesamt 99 Werke aus den vergangenen hundert Jahren zu sehen.

Die Arbeiten stammen aus unterschiedlichen Quellen. Neben der Sammlung des Kunst- und Gewerbevereins konnten Werke aus den Museen der Stadt Regensburg, den Kunstsammlungen des Bistums und des Bezirks Oberpfalz, dem König-Museum in Landshut und dem Lothar-Fischer-Museum in Neumarkt sowie aus Privatbesitz für die Ausstellung zusammengetragen werden.

Die einzelnen Werke stehen dabei nicht isoliert für ein bestimmtes Ausstellungsjahr, sondern werden zu Stationen einer hundertjährigen Geschichte, die von den jeweiligen gesellschaftlichen und künstlerischen Veränderungen geprägt ist.

Zu jedem Werk gibt es im begleitenden Katalog einen persönlichen Text einer Autorin oder eines Autors - nicht nur mit Kunstbetrachtungen, sondern auch mit Erinnerungen, Geschichten, Fragen und persönlichen Reaktionen. 

Das Ausstellungskonzept und die begleitende Publikation entstanden in enger Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Universität Regensburg unter Leitung von Prof. Dr. Christoph Wagner, der bei der Eröffnung auch die Einführung übernahm.

„30 unter 40“

Eine zweite Ausstellungsebene widmet sich dem seit 1996 vergebenen U40-Kunstpreis. Unter dem Titel „30 unter 40“ werden Werke von Künstlerinnen und Künstlern gezeigt, die im Rahmen der Jahresschauen mit diesem Preis ausgezeichnet wurden.

Im Jubiläumsjahr wird der U40-Kunstpreis nicht neu vergeben. Stattdessen stehen die bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger im Mittelpunkt der Sonderschau.

Noch älter: der Verein selbst

Das Jubiläum betrifft nur die Jahresschauen, nicht auf den Verein. Der Kunst- und Gewerbeverein selbst kann auf eine noch längere Geschichte zurückblicken. Mit seinem Gründungsjahr 1838 gehört er zu den ältesten Kunstvereinen Deutschlands. 1925 fusionierten Kunst- und Gewerbeverein. Seit dem folgenden Jahr ist die Jahresschau ein fester Bestandteil des Regensburger Kunstlebens.

Der ungewöhnlich große Besucherandrang bei der Eröffnung zeigte jedenfalls, dass die hundertjährige Geschichte der Jahresschau auch heute noch auf großes Interesse stößt.

Die Ausstellung „100 Jahre – 100 Bilder – 100 Geschichten“ ist bis zum 25. Oktober 2026 im Kunst- und Gewerbeverein Regensburg zu sehen.

Auf die Begleitveranstaltungen in meiner Vorankündigung weise ich nochmals hin: Kunstdialoge am 20. September und 4. Oktober, Führungen am 27. September (natürlich schon vorbei) und 18. Oktober sowie eine Finissagenfeier mit Signierstunde am 25. Oktober.