Poesie und Fantasie – diese beiden Begriffe standen im Zentrum der Einführung in Wolfram Schmidts fotografisches Werk. Seine Bilder, so die Laudatorin Antonia Kienberger, eröffneten einen leichten Zugang und entwickelten gerade durch ihre harmonische Farbgestaltung und feine Linienführung eine subtile Lebendigkeit. Zugleich nähmen sie den Betrachter mit auf eine „Schule des Sehens“: Sie forderten dazu auf, gewohnte Wahrnehmungsmuster zu verlassen und sich auf das einzulassen, was in den Bildern zunächst nicht eindeutig zu erkennen sei.
Gerade diese Offenheit mache den besonderen Reiz von Schmidts Arbeiten aus. Sie lieferten keine fertigen Antworten, sondern zeigten Ausschnitte, vergrößerten Details, lösten sie aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang und eröffneten dadurch neue Zusammenhänge und Assoziationen. Der Betrachter werde gewissermaßen eingeladen, genauer hinzusehen und dabei möglicherweise etwas zu entdecken, das er zuvor noch nicht wahrgenommen habe.
Damit setzten Schmidts Fotografien einen bewussten Kontrapunkt zu unserem Bedürfnis nach Ordnung und eindeutigen Strukturen. Wo vermeintliches Chaos leicht Verunsicherung auslösen könne, lüden seine Bilder dazu ein, Uneindeutigkeiten auszuhalten, den eigenen Sinnen zu vertrauen und sich auf die unmittelbare Wahrnehmung einzulassen. Die Laudatorin verstand dies auch als ein spielerisches „Ich sehe was, was ich vorher noch nicht gesehen habe“.
Als Lehrmeister für die Vielfalt von Strukturen und Formen verwies sie auf die Natur – auf Wurzelgeflechte, Sternenbilder, Wolkenformationen oder Blütenstrukturen. Auch Schmidt bilde die Wirklichkeit nicht lediglich ab. Durch seine Farbwahl, die grafische Bearbeitung sowie durch Gruppierung und Neuordnung führe er das fotografische Abbild vielmehr auf eine abstraktere Ebene. Aus der Wirklichkeit entstehe so eine neue, assoziative Bildwirklichkeit.
In den ausgestellten Fotografien sah die Laudatorin deshalb gleichermaßen Schönheit und Poesie, aber auch die Aufforderung, der eigenen Fantasie Raum zu geben. Gerade darin liege für sie die besondere Qualität von Wolfram Schmidts Fotokunst.
| Galeristin Carola Insinger |
| Dr. Antonia Kienberger |
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