Bei den Arbeiten an der neuen Bahnunterführung B15-Zeitlarn-Mühlhof, die ich laufend dokumentiere, hat
man offenbar etwas gefunden. Seit ein paar Tagen sind Archäologen auf
dem Feld, graben Löcher und stecken kleine Markierungen in den Boden. An
unterschiedlichen Sandfarben bzw. Erdfarben kann man Spuren
menschlichen Ursprungs erkennen - hier könnten Mauern oder Gräben
verlaufen sein.
Ich halte dort öfters an, um den
Fortgang der Straßenarbeiten zu dokumentieren, und besuche dann schon
mal auch Verwandte. Meine Familie stammt von der Siedlung neben der
Unterführung, ein Teil der Familie wohnt noch dort.
Und
bei einem Besuch am gestrigen Sonntag bekam ich den Hinweis auf die
archäologische Funde, und darauf, dass das Interesse der Archäologen
u.a. den unterschiedlichen Sand- und Erdfärbungen gilt, die auf
Besiedlung hinweisen. An diesem Tag machte ich nur Handy-Fotos, eine
Kamera hatte ich nicht dabei.
Als ich heute (
Montag)
wieder durchfuhr, hatte ich meine Kamera mitgenommen, um die Baustellen
vor und nach der Unterführung zu dokumentieren. Dabei sah ich aus der
Ferne schon die Archäologen
Ich fasste mir ein Herz,
ging zu den Leuten und sprach eine freundliche Archäologin an. Archäologie
fasziniert mich von jeher, und einige Bekannte von mir arbeiten in der
Freizeit bei solchen Projekten mit. Ich erfuhr: man habe aktuell einen
Brunnen gefunden. Ein Brunnen? Das klingt allerdings sensationell. Für
einen Laien wie mich, jedenfalls. Ich wollte aber die Leute, die gerade
beim Aufräumen waren, nicht weiter belästigen und ging wieder vom
Gelände. Ich fotografierte die Umgebung und beobachtete, wie die
Archäologen ihren Arbeitsplatz räumten.
Nachdem
ich dann die Fotos von heute mit denen von gestern verglichen habe, war mir
klar: der Brunnen wurde erst heute freigegraben, gestern waren nur die
Steine ganz oben sichtbar.
Nachtrag:
Später sollte man in einer Mitteilung der MZ (anlässlich einer
Pressemitteilung des Straßenbauamtes) erfahren, dass es ein
"mittelalterlicher" Brunnen war. Das wäre noch erstaunlicher, denn dass
man in der Umgebung mit frühzeitlichen Funden rechnen muss, ist bekannt.
Auf der Denkmal-Landkarte im Bayern-Viewer, die jeder einsehen kann,
kann man das nachverfolgen. Allerdings liegen die ausgewiesenen
Fundgebiete etwas nördlichöstlich und nordwestlich davon:
http://geoportal.bayern.de/bayernatlas/?X=5438989.23&Y=4509021.88&zoom=12&lang=de&topic=pl_bau&bgLayer=atkis&layers=6f5a389c-4ef3-4b5a-9916-475fd5c5962b&catalogNodes=1
Geschichtliche Überlegungen zu diesen Funden
Warum
ausgerechnet Siedlungsreste an dieser Stelle? Da ist doch kein besonderer geographisch
vorteilhafter Punkt, wohl auch kein Verkehrsknotenpunkt. Und die
Kreuzung B 15 und Bahn war vor 1870 auch nicht da. Möglicherweise spielt es eine Rolle, dass
hier ein Bachrinnsal vorbeifließt, der hundert Meter weiter in den
Regen fließt?
Als geschichtsbegeisterter Laie forschte ich sofort auf google-earth und alten Landkarten.
Man sieht auf folgenden Fotos die kleine Stützbrücke.
Hier unterquert der Bach die B15.
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Der obere gelbe Strich quer durch die Fahrbahn zeigt die Stelle an, an der der Bach unter die B15 hindurchfließt. |
Anmerkung:
Dieser
Artikel erschien am 11.04.16 in etwas ausführlicherer Form. Auf ein Schreiben der
Archäologiefirma hin habe ich den Artikel deaktiviert, damit deren
Arbeit nicht durch Neugierige gestört wird oder jedenfalls die
Archäologen keine Angst davor haben müssen. Nach Rückfrage im Staatl
Bauamt erfuhr ich dann, dass es hier bald einen Pressetermin geben
werde und es einigen Verantwortlichen lieber wäre, wenn erst danach die Informationen an die Öffentlichkeit kommen (eine Veröffentlichung hat mir das Bauamt nicht untersagt, da gab es keinen Druck und keine Forderung). Diesen Pressetermin wartete ich freundlicherweise ab (bzw. die entsprechende Veröffentlichung in
der MZ, gewissernmaßen der "richtigen" Presse).
Da jetzt die archäologischen Funde über die Presse bekannt
sind, kann ich meinen Artikel (zumindest in dem Umfang, wie in der Presse berichtet wurde) wieder aktivieren, ohne dass ich den Archäologen Schaden zufüge. Im übrigen hat sich alles, was ich damals schon im Umfeld von Mühlhof/Zeitlarn erfahren hatte, bestätigt - es waren keine falschen, voreiligen Informationen dabei. Aber wichtig war mir, den Verantwortlichen Gegenheit zu geben, die Grabungsstellen vor "Raubgräbern" abzusichern.