Regensburger Tagebuch

Notizen von der nördlichsten Stadt Italiens

Sonntag, 15. März 2026

Erinnerungen an das Regensburger Baanthai (1982 - 2011)

Jeder ältere Regensburger kennt es wohl: das ehemalige Baanthai von Chailerd Toperngpong, ein thailändisches Lokal in der Dechbettner Straße 6, zwischen Dörnbergpark und Stadtpark.  Jetzt dient das Gebäude nur noch als Wohnhaus, aber die "BAANTHAI" Schrift ist noch auf der Fassade. 

In diesem Blogartikel geht es um das Lokal Baanthai, seinen Betreiber,den Sohn Florian Toperngpong, sowie um dessen "Baan-Thai-Kochbuch". Und auch das Zarap Zap Zap kommt vor.

Anlass für diesen längst überfälligen Artikel war ein Besuch der Witwe des Betreibers vor ein paar Jahren, als sie die Adresse einer gemeinsamen Bekannten benötigte. Ich kannte sie zwar von diversen privaten Begegnungen, wusste aber nur ihren Vornamen. Als ich mir den Familiennamen notierte, fragte ich überrascht: "Toperngpong? Etwa verwandt mit dem Kulturpreisträger?" Ja, das sei sie. Und dann erzählte sie im Verlauf des weiteren Gesprächs von einem Kochbuch, das ihr Sohn geschrieben hatte. Und ich erfuhr völlig überrascht, dass sie die Witwe des Betreibers von BAANTHAI sei, das sie nach dem Tod ihres Mannes, zusammen mit ihrem Sohn, noch ein paar Jahre lang betrieb.

Ich kaufte sofort das Buch (das in vielerlei Hinsicht lesenswert ist) und machte ein paar Fotos vom Gebäude für einen künftigen Blogartikel.

In dem genannten Kochbuch schildert Florian Toperngpong im letzten Kapitel auch sehr ausführlich die Geschichte der Familie und des Restaurants. Trotzdem hat es ein paar Jahre gedauert, bis ich endlich diesen Artikel fertigstellen konnte. Denn mir fehlten Daten, und ich wollte noch ein paar Bekannte über ihre Erlebnisse aus der damaligen Zeit fragen.

Das ehemalige BAANTHAI in Regensburg

Das ehemalige BAANTHAI in Regensburg

Das BaanThai war ein thailändisches Lokal in der Dechbettner Straße 6. Es existierte von 1982 bis 2011, also 29 Jahre lang.

Betreiber war der 1953 geborene und 2007 verstorbene Thailänder Chailerd Toperngpong  (sprich: Tschailerd) und seine Ehefrau Maria. Nach seinem völlig überraschenden Tod im Jahr 2007 haben seine Witwe und sein Sohn Florian das Lokal noch bis zum Jahr 2011 weiter betrieben.

Das Lokal war damals sehr beliebt. Wegen seiner thailändischen Küche, die sich wohltuend von den damaligen chinesischen Lokalen unterschied, aber auch wegen der herzlichen Atmosphäre. Florian Toperngpong bezeichnete es als verlängertes Wohnzimmer. Chailerd war nicht nur wegen seines lauten Lachens bekannt, sondern auch wegen seiner fröhlichen Art und seiner Neigung, Späße zu machen. Kinder liebten die Besuche dort, weshalb man viel Familien sah. In dem eingangs genannten Buch schildert der Sohn viele Personen und Erlebnisse aus der damaligen Zeit.

Manche Regensburger kennen aber Chailerd aus noch früherer Zeit, als er in der legendären Disco  Zarap Zap Zap bediente und sich dort den Regensburgern einprägte. Helmut Wanner erwähnte ihn in einem Artikel über das ZAP: "Der kleine Thailänder strahlte eine ungeheure Autorität aus, wenn er sich mit seinem Tablett voller Getränke, das er über dem Kopf balancierte, durch die dicht gedrängte Menge kämpfte. Dann baute er sich vor dem Gast auf und fragte eindringlich nach dem Getränkewunsch: Keiner traute sich ohne gefülltes Glas rumstehen". Von anderen Besuchern weiß ich, dass er ein enormes Gedächtnis hatte - er wusste in dem Gedränge von jedem, was er bisher schon konsumiert hatte und kassierte gelegentlich zwischendrin ab. 

Klein, aber kräftig und mit Thai-Boxen vertraut, hatte er auch keine Angst, die "Security" zu spielen, wenn es Probleme gab. Dann sprang er schon mal über die Theke, um für Ordnung zu sorgen. Man erzählt sich auch die Story, als er vor dem Eingang einem randalierendem Mann gegenüber stand, der damit drohte, seinen Hund loszulassen. "Lattu du Hund los, hattu du Hund 'habt", sagte er angeblich, geduckt vor dem Störer und seinem Hund lauernd.

Chailerd war offenbar schon in seiner Kindheit in Thailand äußerst geschäftstüchtig und verdiente Geld, wo es nur ging. Ziel war es, irgendwann nach Europa zu gehen um es dort zu zu studieren, möglichst nach Deutschland. Eine Idee, die  die Mutter erfolgreich allen ihren Kindern mitgegeben hatte, und die auch neben seinen Geschwistern auch von Chailerd umgesetzt wurde. Schon ab dem 8. Lebensjahr legte er sich ein entsprechend gewidmetes Sparschwein zu. In dem Buch schildert Florian Toperngpong die einzelnen Tätigkeiten des Vaters, um sich Geld zu verdienen, und die Liste von Bemühungen ist beeindruckend. 

Mit 16 Jahren hatte er dann genug Geld und das entsprechende Alter, um nach Deutschland zu kommen. Er wollte sein Deutsch vervollkommnen  und Flugzeugbau studieren. Sein Vermieter in Bad Reichenhall empfahl ihm nach Regensburg zu gehen, weil es da auch die "Messerschmitt-Motorenwerke" gäbe. Dass diese Werke aber schon seit 25 Jahren Geschichte waren, wusste er offenbar nicht. 

Chailerd blieb jedoch Regensburg, jobbte zuerst in einem Chinarestaurant und später im "ZAP" für seinen Lebensunterhalt und begann mit dem Studium an der Fachoberschule. Im "ZAP" lernte er auch seine Frau Maria kennen. Als  sich später Nachwuchs ankündigte, beschloss er, in Deutschland zu bleiben und auf ein eigenes Lokal hin zu sparen.

Im Jahre 1982 übernahmen das Ehepaar Toperngpong das ehemalige "Budapest", ein ungarisches Lokal mit Biergarten, das sie am 9. November 1982 eröffneten.

Dieses Lokal nannten sie Baanthai. Das heißt wörtlich übersetzt "Thai-Haus". 

Es gab übrigens eine Zeit, da der Betreiber den Namen ändern musste. Eine GmbH aus dem Norden hatte sich den Namen für eine bundesweite Kette reserviert und mahnte das Regensburger Baanthai ab. Zur Meidung eines Rechtsstreits wurde wurde der Name abgeändert auf BuaThai (Thai-Lotus), dazu musste man nur einen Buchstaben tauschen. Nachdem man aber in der Folgezeit nichts von der Eröffnung der Baanthai-Kette hörte und auch keine Briefe mehr kamen, ergab eine Recherche, dass der Geschäftsführer der GmbH sowie dessen Koch bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommen waren. Danach verwendete das Ehepaar Toperngpong den Namen schrittweise wieder auf Baanthai - zunächst auf Speisekarten und Stempel und schließlich an der Fassade. Niemand machte Probleme.

Der Tod von Chailerd Toperngpong im Jahre 2007 kam für die Familie sehr überraschend. Ehefrau Maria und Sohn Florian beschlossen, das Lokal gemeinsam fortzuführen, wobei der in Berlin lebende Sohn vorübergehend nach Regensburg zurückkehren musste. Dass das keine endgültige Lösung ist, war den Betreibern bewusst. Im April 2011 wurde dann das Lokal geschlossen - zum Bedauern vieler  Regensburger. 

Das Abschiedsfest fand am 10. April 2011 statt.

Der Sohn: Florian Topengpong

Der Sohn des Betreibers heißt eigentlich Chainarong F. Toperngpong, ist aber in Regensburg bekannt als Florian Toperngpong. Er ist Träger des Regensburger Kulturförderpreis 2020, und lebt und arbeitet in Regensburg. In der Kulturdatenbank Regensburg beschreibt er sich wie folgt: "multidisziplinärer Designer mit Expertise in Raumgestaltung und Ausstellungsdesign, Branding und Logos, Illustration und Grafikdesign, Buchgestaltung und Editorial". 

Das erste mal erwähnte ich ihn in diesem Blog im September 2021, weil er eine absolut faszinierende Idee für das neunkubikmeter-Schaufenster in der Pustetpassage hatte: er interviewte dort jeden Mittag Leute für seinen Podcast. Ich selbst habe ihn nie persönlich getroffen und für ein Foto von dem Mittagstalk musste ich eine Bekannte um Hilfe bitten, denn mittags war ich immer im Unterrichtseinsatz.  Sie erwischte übrigens genau den Tag, als er gerade Eva-Karl Faltermeier interviewte. 

September 2021 Interview von F. Toperngpong mit Eva Karl-Faltermeier (Foto: Anna Graf)
https://www.regensburger-tagebuch.de/2021/09/12-uhr-mittags-ein-lunch-talk-im.html



Seine Erfahrungen mit dem elterlichen Lokal aber auch mit dem kulinarischen Erlebnissen in Thailand beschrieb er 2013  in dem wunderbaren Buch "Das (Baan)Thai Kochbuch" (Verlagshaus Jacobi & Stuart,  IIllustration Gisela Goppel). Im letzten Kapitel, auf Seiten 108 bis 129, schildert er die Geschichte der Familie und die Geschichte des Restaurants.



An dem Buch gefällt mir, dass der Verfasser in den einzelnen Kapiteln auf die Kochkultur  der Thailänder im Alltag eingeht, und nicht nur Rezepte sammelte. Er verarbeite Hausrezepte und ausgewählte Familienrezepte und stellt die Esskultur und Lebensweise dar.

Was mir aber besonders wichtig ist: das Buch enthält im letzten Kapitel noch eine Unmenge an weiteren interessanten Fakten und Einzelheiten über das Lokal, seine Besucher und Angestellte, die Besuche in Thailand, und die Vorgeschichte. Meine obigen Ausführungen sind nur Zusammenfassungen und ich musste mir Mühe geben, nicht mehr  von den spannenden Details zu übernehmen. Denn das hätte ich unfair empfunden. Alle Neugierigen verweise ich auf das Buch und ich habe bewusst keinen Affiliate-Link hier eingebaut. Fragen Sie im Buchhandel oder suchen Sie online. 


Links zu Florian Toperngpong

https://www.regensburg.de/rathaus/staedtische-auszeichnungen/kulturfoerderpreis/florian-toperngpong

https://www.regensburg.de/kultur/kulturdatenbank/eintrag/116964