Regensburger Tagebuch

Notizen von der nördlichsten Stadt Italiens

Mittwoch, 29. Mai 2019

Der Regensburger Dom Teil 5 - der Bau der Turmspitzen

In den Jahren 1859 bis 1869 hat man den stümpfen Domtürmen endlich die langersehnten Spitzen verpasst.

Die Fertigstellung im Jahr 1869 ist der Grund, warum dieses Jahr das 150jährige Jubiläum des "Domspitzen-Ausbaus" gefeiert wird. Auch die bevorstehende Ausstellung "Zwei Türme für den König" (Vernissage am 29.05.2019  in der Ulrichskirche) bezieht sich auf dieses Thema.

Die Geschichte über diesen Ausbau ist durchaus interessant und es gibt ein wunderschönes, empfehlenswertes Buch dazu:

Friedrich Fuchs, Die Regensburger Domtürme 1859 - 1869 (1. Auflage 2006). 

Im ersten Teil wird die Hintergrundgeschichte zum Turmausbau erzählt, bei der auch König Ludwig I. und sein Sohn König Maximilan II. eine Rolle spielten, danach gibt es eine Dokumentation der einzelnen Statuen, die auf den Turmspitzen (für Fußgänger kaum sichtbar) versteckt sind.






Da es schon Fotografie gab (seit den 1840er Jahren) wude der Bau gut dokumentiert. Ich fand in dem Buch weit mehr Fotos als die paar Bilder, die ich im Internet "gesammelt" hatte, und auch wenn die Bilder wohl schon gemeinfrei sind, möchte ich sie nicht übernehmen, sondern den Leser auf das Buch verweisen (ich hatte es, soweit erinnerlich, günstig bei Pustet erworben).

Offenbar hat auch die Dombauhütte Fotografen dafür bezahlt, den Fortschritt zu dokumentieren: zuerst ein Martin Kraus, dann die Gebrüder Laiffle (wahrscheinlich Johann Laiffle).  Die Bilder (oder ein Teil davon) waren aber wohl öffentlich, denn ich kenne ein gerahmtes Bild aus dieser Zeit.













Ausschnitt




Panoramafoto von Regensburg (Winzerer Höhen); man sieht den Dom mit unvollendeten Domturmspitzen


Ab 1500 war die Kirche äußerlich fertig, aber mit stumpfen Türmen.  Die letzten Arbeiten an dem gesamten Bauwerk fanden 1525 statt, in den Jahrhunderten danach gab es natürlich immer wieder Änderungen oder ausbauten. So hat man sich in der Barockzeit vor allem auf den Innenausbau konzentriert.

Dann kam das Jahr 1810.

In diesem Jahr fiel das früher mal reichsunabhängige Regensburg zu Bayern und wurde eine gewöhnliche Stadt unter der Herrschaft des bayerischen Königs - anfangs König Ludwig I.

Der war jetzt zuständig für Regensburg und kümmerte sich  auch um den Regensburger Dom. Da damals die Gotik als der "wahre Kirchenstil" angesehen wurde, sorgte Ludwig I. für eine Regotisierung des Innenausbaus - die aus der Barockzeit stammenden Elemente wurden also möglichst entfernt, damit die Kirche gotisch wirkt. Außerdem war König Ludwig der Ansicht, ein Ausbau der Türme wäre nicht schlecht. Man hatte wohl erst kurz davor alte Entwürfe entdeckt.

Sowohl König Ludwig als auch sein Nachfolger Maximilian förderten den Ausbau.


Zuerst gab es ein negative Gutachten, wonachdie Statik der Türme nicht ausreichen würde, später machte ein zweites Gutachten den Weg frei. Es wurden verschiedene Entwürfe erstellt. Beim Wettbewerb siegte die Zweiturmlösung, bei der jeder Turmstumpf eine eigene Spitze erhält. Daneben gab es eine Ein-Turm-Lösung, bei der die beiden Turmstümpfe zu einer Plattform verbunden werden sollten, auf den eine einzige Turmspitze gesetzt wird.

Der erste Entwurf mit zwei Türmen sah vor, dass die Türme verschieden aussehen, um sich den unterschiedlichen Baustilen der darunterliegenden Westfassade anzupassen (die von der Hochgotik in die Spätgotik reichte). Später wurde ein neuer Plan gefasst, mit zwei gleichen Türmen, und zwar beide im Stil der Hochgotik.   Mit den zwei Türmen im Stil der Hochgotik wollte man von der  stilistisch uneinheitlichen Westfassade ablenken und ein einheitliches "gotisches" Erscheinungsbild schaffen.


Bischof Ignatius von Senestrey begann dann den Turmausbauprojekt im Jahr 1859, wobei mit den eigentlichen Arbeiten am Bauwerk (Abtragen der oberen Steinschichten im Südturm) erst 1860  begonnen wurde.

Finanziert wurde das ganze durch den St.-Peterss-Pfennig" (ein Mindestbeitrag, das jedes Mitglied der Diözese monatlich zahlen musste), von vielen Sonderspenden und von größeren Spenden sowohl von König Ludwig I. als auch von König Maximilian II. König Ludwig spendete noch weiter, als er schon abgedankt hatte. Kurz vor Fertigstellung starb er und hatte keine Gelegenheit mehr, die Fertigstellung zu erleben.



Für weitere (durchaus interessante) Details zur Baugeschichte  verweise ich auf das genannte Buch von Fuchs. Eine Alternative wäre der Ausstellungskatalog (8,- Euro), den man in der Ulrichskirche zur  Ausstellung "Zwei Türme für den König" erhält. Dieser enthält eine sehr gute Wiedergabe der Baugeschichte, was für die meisten reichen dürfte, enthält aber keine Beschreibung der Heiligenfiguren auf den Türmen.

 Online-Empfehlungen habe ich leider keine.



Hier ist noch ein Text  aus der Zeit von 1830, nämlich aus" Gumpelzhaimer, 1. Band, Regensburgs Geschichte, Sagen und Merkwürdigkeiten", 1830, dort S. 205 (zumindest bei dieser 1830er Auflage: https://books.google.de/books?id=aJlCAAAAcAAJ

Damals war der Domturmausbau noch ein Wunsch:
Die Beendigung der Thürme ist den Nachkommen überlassen und man kann demnach annehmen, dass der Bau von 1725 bis 1634 - seit welcher Zeit nichts Neues mehr daran gemacht worden, über fünfthalbhundert Jahre gedauert habe, um ihn so, wie wir ihn gegenwärtig erblicken, herzustellen. Melchior Kusel und Martin Englbrecht, Kupferstecher zu Augsburg, haben, letzterer in seiner Vorstellung unterschiedlicher Prospecte der weltberühmten freien Reichsstadt Regensburg auf der dritten Kupfertafel, eine Vorstellung gegeben, wie dieses Münster in seiner Vollkommenheit mit den 2 hochen thürmen und Kuppel hat werden sollen, wodann die gothischen Verzierungen sich statt des Daches bei beiden Thürmen in wunderschöne Pyramiden geendiget, udn die Kuppel des dritten thurmes gleichfalls so elegant wäret verziertet worden, dass unser Dom wohl alle übrigen übertroffen hätte, und dass man nur wünschen muss, ihn so ausgeführt zu sehen.
Ich habe das Altdeutsch etwas umfrisiert, damit es leichter lesbar ist. Puristen mögen mir verzeihen. (sorry, Martin)

Der folgende Stich könnte das Bild von Englbrecht sein, das Gumpelzhaimer meinte. Es zeigt jedenfalls nicht etwa ein Abbild des Doms, sondern einen Entwurf, wie man den Dom ausbauen könnte.

Entwurf eines Ausbaus des Regensburger Doms

Wenn man dieses Bild im Internet entdeckt, fehlt normalerweise ein deutlicher Hinweis darauf, dass das nur ein Entwurf ist. Als ich die ersten Male über dieses Bild stolperte, wunderte ich mich über die völlig "falsche" Darstellung des Doms

Nachtrag: Es gab noch weitere Entwürfe, die man in der Ausstellung "Zwei Türme für den König" in der Ulrichskirche ansehen kann, und die z.T. erschreckend sind. Im Internet sind mir diese  Entwürfe noch nicht begegnet.