Regensburger Tagebuch

Notizen von der nördlichsten Stadt Italiens

Mittwoch, 29. Mai 2019

Der Regensburger Dom Teil 4 - Das Rätsel der ungleichen Domtürme

Sozusagen als Annex zu Teil 3 der Artikelserie über den Dom gibt es hier noch einen Ausflug über ein rätselhaftes Thema, über das ich im Laufe der Jahre gestolpert bin. Es handelt sich um das Rätsel der ungleichen Domturmbedeckungen.

Von 1500 bis 1860 waren die Domtürme stumpf. Die Turmstümpfe waren durch flache,  pyramidenförmige Dächer bedeckt. Das sieht man nun auf unzähligen alten Stichen und Zeichnungen, wie ich in Teil 3 gezeigt habe.

Einige der Bilder aber zeigen ungleiche Dachbedeckungen, die  Bedeckung des nördlichen (linken) Turms sieht flacher oder anders aus als beim südlichen (rechten) Turm.

Da viele frühere Stadtansichten und Grafiken ungenau sind, hat das nicht viel zu bedeuten. Ich vermutete zuerst, dass hier einfach falsch beobachtet oder falsch von anderen Skizzen übernommen wurde. Aber einige der Bilder sind so deutlich, dass das keine gute Erklärung ist. Sie deuten darauf hin, dass zumindest anfangs, also um 1500, die Dächer ungleich waren. Ich recherchierte und ich diskutierte mit Freunden, kam aber nicht weiter.













Seit einigen Tagen ist mir klar, dass die Theorie von den anfangs ungleichen Turmdächern stimmen könnte. Denn ich erwarb das Buch "Der Dom zu Regensburg, Teil 5: Tafeln"und dort sieht man eine Reihe von Skizzen, in denen die einzelnen Bauphasen rekonstruiert wurden. Und tatsächlich zeigt auch hier das abschließende Bild zwei ungleiche Dachbedeckungen. Das Thema wird aber dort nicht angesprochen, und ich weiß nicht, wie stark dieses Bild auf Vermutungen oder auf vorhandenen Skizzen basiert.

Das Bild, das ich meine (sowie einige der Bauphasen-Bilder), findet man auch online im "Lexikon der bayerischen Geschichte" hier:

https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Regensburg,_Dom

Ich will es aus urheberrechtlichen Gründen nicht übernehmen. Das Bild wird betitelt mit "Rekonstruktion des Domes um 1500 bei Einstellung der Bauarbeiten. Isometrische Zeichnung von Katarina Papajanni. (Abb. aus: Achim Hubel/Manfred Schuller, Der Dom zu Regensburg. Tafeln, Regensburg 2010, Tafel 33)"


Das Rätsel ist noch nicht ganz gelöst. Ich bin neugierig, ob die bevorstehende Ausstellung "Zwei Türme für den König" in der Ulrichskirche mir mehr Informationen bringen

Nachtrag

Nachdem ich heute abend die Ausstellungseröffnung "Zwei Türme für den König" besucht habe, ist das Rätsel gelöst. Es gab tatsächlich ungleiche Turmbedeckungen. Diese wurden erst im Jahre 1602 angeglichen.

Somit müsste z.B. der folgende Stich, den die Staatsbibliothek mit "um 1600" datiert, auf "nach 1602" datiert werden.


Kupferstich vom Dom, um 1600
Bayerische Staatsbibliothek