Regensburger Tagebuch

Notizen von der nördlichsten Stadt Italiens

Dienstag, 11. April 2023

Lesetipp: Interview mit Lederway (Ghost Town Radio) im aktuellen Kulturjournal

Ich möchte auf ein Interview hinweisen, das der Kulturjournal-Herausgeber Peter Lang in der aktuellen April-Ausgabe abgedruckt hat. 

Mitten in der Lockdownzeit im Frühjahr 2020 hatte der aus New York stammende Stadtamhofer "Adam Lederway" ein Internetradio-Projekt gestartet. Mit Freunden zusammen begann er aus seinem Wohnzimmer in die Geisterstadt zu senden. Daher der Name Ghost Town Radio. Das erste mal berichtete darüber am 9. Mai 2020: https://www.regensburger-tagebuch.de/2020/05/regensburger-internet-radio-sender.html)

Ghost Town Radio verschaffte vielen Bands ein Publikum, irgendwann kam auch ein Kinderprogramm dazu, und bald sendete er praktisch täglich -  live, ohne Mediathek. Der Sender hatte in der Musikszene voll eingeschlagen, viele Leute wollten mitmachen und es entstand eine community. Das Studio hat er vom Wohnzimmer in einen Raum im Andreasstadel verlegt.

Im Oktober 2022 erhielt er den Kulturförderpreis (siehe meinen Bericht: https://www.regensburger-tagebuch.de/2022/11/gelungen-die-kulturpreisverleihung-2022.html)

Mit dem Kulturjournal ist es nun mal so, dass jede Ausgabe nach Monatsablauf von der Bildfläche verschwindet - eine digitale Version gibt es meines Wissens nicht, und damit verschwinden auch die wunderbaren Reportagen von Peter Lang. Daher dieser Hinweis.

Adam Lederway (Ghost Town Radio), bei der Kulturförderpeisverleihung

Emil Orlik - Bericht von der Eröffnung im KOG

 

Kurator Dr. Sebastian Schmidt, Vortrag am 30.03.2023


Orlik Mädchen unter Weiden
Mädchen unter Weiden, Farbholzschnitt von Orlik, 1901 (Quelle: wikicommons)


Am 30. März habe ich die Eröffnung der (hier angekündigten) Ausstellung "EMIL ORLIK AN MAX LEHRS - KÜNSTLERPOST AUS ALLER WELT" besucht. 

Anlass für die Ausstellung war die kürzliche Digitalisierung der Briefe des Grafikers Emil Orlik und seinem Freund Lehrs in den Jahren zwischen 1898 und 1930. Lehrs hatte die Briefe in drei Alben gebunden, die heute zur grafischen Sammlung des KOG gehören. Rund 440 Briefe und Postkarten hatte der reisewütige Künstler übersandt, zum Teil mit Zeichnungen oder Drucken versehen. Die Dokumente wurden mit einem neu angeschafften Grafik-Scanner digitalisiert, die Texte zusätzlich in lesbare Maschinenschrift übersetzt.

Man kann diese Briefe an einer Videowand komplett abrufen.  Ein Teil der Briefe wurde vergrößert und -  mit maschinengeschriebenem Text ergänzt - in den Ausstellungsräumen aufgehängt. 

Aber das ist nicht alles. Denn der Ostdeutschen Galerie gehört auch die umfangreichste Sammlung von Werken Orliks: gut 2000 Objekte, davon 1400 Zeichnungen, 500 Drucke und ein paar Gemälde. Einen Teil hatte das KOG bereits im Jahre 2012 gezeigt. 

Und bei dieser Ausstellung wurden in den Räumen des Erdgeschoßes viele dieser Werke gehängt. Unter vielen der Bilder hängen die Vergrößerungen der zeitlich zugehörigen Briefe. Dies gibt interessante Aufschlüsse über die Bilder oder über die Umstände, unter denen die Bilder entstanden sind.

Damit bekommen wir Besucher weit mehr zu sehen, als es der Ausstellungstitel erwarten lässt - es geht eben nicht nur um die Briefe.  Vielmehr sehen wir eine komplette Orlik-Ausstellung.

Die Drucke, Zeichnungen und Gemälde sind sehenswert. Der 1870 geborene Künstler wirkte künstlerisch in München, Prag, Wien und Berlin. Er unternahm fast jährlich Reisen und setzte seine Reiseeindrücke in Grafiken oder Zeichnungen um.

Montag, 10. April 2023

Johannes Steubl in der Städtischen Galerie

Position R12 – Johannes Steubl
 4. März bis 7. Mai 2023
Städtische Galerie im Leeren Beutel 
Dienstag bis Sonntag, 10 – 16 Uhr
Freier Eintritt für alle Besucherinnen und Besucher!

Seit dem 4. März gibt es eine sehenswerte Ausstellung in der Städtischen Galerie, die am selben Abend wie die hier besprochene Ausstellung im KuG eröffnet wurde, weshalb ich die Vernissage verpasst habe: Johannes Steubl, in der Reihe "Position R". 

Von dieser Ausstellung haben so viele Kunstkenner in höchsten Tönen geschwärmt, dass ich schon ganz neugierig war. Aber erst am Karsamstag kam ich dazu, die Ausstellung zu besuchen. Und so wie es aussieht, muss ein zweiter Besuch her, um die Fülle von Werken detaillierter zu betrachten. 


Johannes Steubl


Meine Bekannten haben durchaus zu recht geschwärmt. Der Künstler beherrscht sehr viele Techniken (Zeichnungen, Radierungen, Tusche, Acryl, Öl). Und er hat unglaublich viel zu sagen, soll heißen: er setzt sich in erstaunlich vielen Werkreihen mit unterschiedlichsten Themen auseinander - und ändert dabei auch oft Stil und Technik.

Bei vielen Werken beweist er den genialen Humor eines Karikaturisten. Zum Beispiel die breitleinwandigen (also streifenartigen) Gemälde, die er "Friese" nennt. Denn in einem Fries werden an den Wänden alte Gebäuden oft Geschichten erzählt - ich persönlich denke dabei an das Nordgiebelfeld der Walhalla, auch wenn das jetzt kein typisches Fries darstellt: Von links sieht man die Germanen in der Schlacht im Teutoburger Wald gegen die von rechts anstürmenden Römer.


Johannes Steubl karikiert solche Ansätze, z.B. im "vatikanischen Fries", wo von links die Schweizer Garde kommt, von rechts die Touris auf Rollern und in der Mitte gibt es Kuddelmuddel. Oder im Fronleichnamsfries, wo von links Radrennfahrer kommen und von rechts eine Fronleichnamsparade, oder im genialen Blech-und-Pauken-Fries (den ich nicht auch noch beschreiben will, um dem Leser nicht zu viel Vergnügen vorwegzunehmen). Da ist jeweils nicht nur die Gesamtidee lustig, auch die Details sind von den Rändern bis zur Mitte einfach hervorragend konzipiert.


Andere Serien sind ernst. Hervorstechend fand ich dabei eine Kafka-Umsetzung, eine Gemäldeserie mit dem Titel "Der Schlag ans Hoftor".

Der Schlag ans Hoftor heißt eine kurze unheimliche Erzählung von Franz Kafka. Johannes Steubl hat die komplette Erzählung in gut zwei Dutzend Acryl-Bildern umgesetzt, wobei jedes Bild wiederum mehrere Teilbilder zeigt - im Graphic-Novel-Stil also. 

Unter jedem Bild befindet sich der zugehörige Textabschnitt, und wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt, hat er die komplette Geschichte erzählt ohne etwas auszulassen (ich habe zu Hause natürlich gleich die Geschichte gelesen; den Volltext drucke ich am Ende dieses Artikels ab). Falls Ihr den Eindruck habt, es fehlen ein paar Bilder: guckt in die kastenartigen Kammer an der Westwand des Raumes.

Sonntag, 9. April 2023

KunstvereinGRAZ - Gruppenausstellung zu einem Buchprojekt

Der KunstvereinGRAZ lädt zur nächsten Ausstellung ein

"Ich fahr zur Naherholung nach Gropiusstadt"
Gruppenausstellung 
15. April bis 29. April 2029

Vernissage u. Buchvorstellung: 
Samstag, 15. April 2023, 19.00 Uhr

Kuration: Lena Schabus und Lucas Cabarth


Künstler: 

  • Lucas Cabarth mit Luzie Gerb, 
  • Roland Holzer, 
  • Johanna Kaljanac, 
  • Jasmin Lehmer, 
  • Barbara Muhr, 
  • Lena Schabus, 
  • Christiane Settele und 
  • Johannes Steubl


Ausstellungsdauer: 15. – 29. April 2023
Öffnungszeiten: Freitag und Samstag, 17.00 – 19.30 Uhr
und nach Vereinbarung: 09404 – 2134


Das Projekt „allergieboy94“ wurde von dem Künstler Lucas Cabarth vor der Pandemie ins Leben gerufen. Thematisch behandeln die Lieder des Künstlers das alltägliche Leben mit diversen Allergien. Dies wird durch Synthesizer-Melodien und drückende Bässe kombiniert mit Texten, die humorvoll und doch vielschichtig die alltäglichen Laster eines Allergikers widerspiegeln.

Zunächst als reines Musikprojekt geplant, entwickelte sich das Projekt zu einem vielschichtigen künstlerischen Ausdruck, der im April durch die Veröffentlichung eines Buches und einer damit verbundenen Ausstellung im Kunstverein Graz präsentiert wird. Auf 94 Seiten beinhaltet das Buch die Songtexte, wie auch Grafiken, die die Geschichten, Erlebnisse und Inhalte der Songs und des gesamten Projekts illustrieren, ergänzen, neue Blickwinkel eröffnen und Gedanken weiterspinnen.

Zu diesem Anlass widmen neun Künstler und Künstlerinnen in einer Gruppenausstellung je einem Lied ein Werk. Diese facettenreiche und vielschichtige Sammlung an Interpretationen, Techniken und Positionen wird durch eine Soundarbeit von Lucas Cabarth ergänzt.

KunstvereinGRAZ
Obere Bachgasse 19, 93047 Regensburg
www.kunstvereingraz.de

Samstag, 8. April 2023

Ausstellung von Grit Reiss im Neuen Kunstverein



Sehnsucht Gegenwart
Fotografie und Installation
von Grit Reiss

14.4. bis 14.5.2023
Vernissage 13.4., 19 Uhr

Neuer Kunstverein, Schwanenplatz



Die Mainzer Künstlerin Grit Reiss zeigt mit Fotografien ihre performative Auseinandersetzung mit den klimabedingten Gegebenheiten und kombiniert diese Bilder mit ihren Installationen. Sie selbst sagt:

Im Oktober 2022 arbeitete ich auf Mont St. Michel de Brasparts, einem der zahlreichen Orte Frankreichs, der letzten Sommer von einem Waldbrand zerstört wurde. Ich recherchierte mit und ohne Kamera und setzte mich auf performative Weise mit den Gegebenheiten auseinander. 
Farnpflanzen gehören zum Leben, das auf der verbrannten Erde zuerst wieder erwacht. Die Sehnsucht im Titel der Ausstellung erscheint ambivalent. Ist es die Sehnsucht nach etwas in einer fragilen Gegenwart oder nach Innehalten im hier und jetzt? Zugleich ist dies der Titel einer fotografischen Performance, die in dieser Ausstellung bekannte Arbeiten mit neuen Arbeiten verknüpft.

Die Eröffnung ist am Donnerstag, 13.04.23 um 19 Uhr