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Deutscher Hausschatz, Jahrgang 23, mit Karl May Foto aus Wikipedia (im Digitalisat dieser Ausgabe habe ich aber kein Foto gefunden - evtl. eine besondere Ausgabe?)
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In den letzten Wochen blähte die BILD-Zeitung eine harmlose Instagram-Diskussion um den neuen Winnetou-Kinderfilm zu einem angeblichen shitsstorm auf und verursachte anschließend mit falschen Schlagzeilen den Eindruck, die ARD sende wegen angeblichen Rassismus keine Winnetou-Filme mehr. Was nicht stimmt - die ARD sendet schon seit 2020 keine Filme mehr, jedoch nur wegen Ablauf der Lizenz. Aber wer liest schon mehr als die Überschrift.
Die missverständliche bzw. falsche BILD-Überschrift heizte jetzt erst so richtig einen echten shitstorm an. Deshalb, weil viele jetzt glauben mussten (BILD sei dank), man wolle ihnen ihren Winnetou verbieten. Und man müsse Karl-May vor Rassismus-Vorwürfen verteidigen. Das gipfelt darin, dass am Gillamoos Politiker demonstrativ in Winnetou-Verkleidung kamen. Und so manche Kabarettisten scheinen auch nur oberflächlich informiert zu sein, wenn ich mir ihre Pointen anhöre.
Dabei ging es ursprünglich nur um ein Begleitbuch zu dem neuen Kinderfilm "der junge Winnetou", das der Ravensberger Verlag im Sommer herausgeben wollte. Wohl bemerkt - ein Begleitbuch. Der Film selbst kam im August anstandslos heraus und wurde auch nie zurück gezogen (er hat auch kaum Eindruck hinterlassen). Und die alten Winnetou-Filme werden ebenfalls auch künftig auf ZDF gesendet. (Eine gute Reportage über den shitstorm:
hier)
Der ganze Rummel um die Karl-May-Figur Winnetou hat mich aber daran erinnert, dass ich vor Monaten - nach einer sensationellen Entdeckung - eine Reportage angefangen hatte, die mit Regensburg und mit Karl May zu tun hat. Diese Reportage existierte lange Zeit als halb fertig gespeicherter Entwurf, jetzt habe ich ihn vollendet.
Es geht um die beim Pustet in Regensburg herausgegebene Zeitschrift "Der Deutsche Hausschatz", erschienen in der Zeit von 1873 bis 1953.
Die Zeitung gilt von ihrem Konzept her als Vorläufer der "Illustrierten", die wöchentlich oder zweiwöchentlich erschien, und neben nationalen und internationalen Nachrichten auch Unterhaltung in Form von Romanen und Geschichten bot, ferner Rubriken wie etwa "Für die Frau", "Für die Jugend".
Karl May war einer der prägenden Autoren. Bis 1910 hat er in dieser Zeitschrift er viele seiner Geschichten das erste mal veröffentlicht.
Im Jahr 1878 war der Pustet Verlag an ihn herangetreten und so wurde er einer der Haus-Autoren des Deutschen Hausschatz. Im gleichen Jahr kamen auch erste Bücher von ihm heraus.
Dass Karl May Mitautor war, hat einen Vorteil: dass es vollständige Digitalisate der Jahrgänge bis 1909 gibt, liegt an der Karl-May-Gesellschaft, die auf ihrem Portal diese Ausgaben in hervorragender Qualität kostenlos zur Verfügung stellt:
Daneben gibt es noch ein paar Ausgaben, die von der
Bayerischen Staatsbibliothek digitalisiert wurden.
Mein Fokus richtet sich aber nicht auf Karl May, der bekanntlicherweise seinen Lesern vorgaukelte, er habe die Abenteuer persönlich erlebt (als Old Shatterhand in Amerika, oder als Kara-Ben-Nemsi im Orient), obwohl er sich sein Wissen nur angelesen hatte. Wer sich dafür interessiert, soll mal bei Wikipedia anfangen, über den Autor zu lesen.
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| Eine der wenigen Fotos vom Autor Karl May, gefunden in der 23. Ausgabe |
Mich interessiert in dieser Reportage die Zeitschrift als solche, und dass sie als neues Konzept hier in Regensburg erfolgreich für viele Jahrzehnte herausgegeben wurde.
Außerdem habe ich rare Fotos von Regensburg entdeckt, die ich hier vorstellen will. Der Inhalt der Illustrierten hatte eigentlich keinen Regionalbezug. Es war eine landesweite Zeitschrift. Ich musste einige Zeit recherchieren, bis ich auch Artikel über Regensburg fand - und dort entdeckte ich alte Fotos von Regensburg, die mir bis dahin völlig unbekannt waren (die ich also weder in Foren noch sonst wo im Internet gesehen hatte).
Die Zeitschrift
Es gab sie 1873 bis 1953 unter leicht unterschiedlichen Namen. Nach der Gründung durch Pustet und bis 1910 hieß das Blatt Deutscher Hausschatz in Wort und Bild, danach mit Beginn des 37ten Jahrgangs (Oktober 1910 – Oktober 1911) Deutscher Hausschatz – Illustrierte Familienzeitschrift. Die Nachfolgepublikation nannte sich nur noch Hausschatz und erschien von 1953 bis 1960 (siehe
https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Hausschatz)
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| Titelblatt ab der 1. regulären Ausgabe |
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| Ab 19. Jahrgang (1892-93) neues Titelblatt mit u.a. Regensburgansicht |
Digitalisate
Leitender Redakteur war ein Heinrich Keiter.
Einer der Redakteure war Venanz Müller; über ihn entdeckte ich die Zeitschrift. Denn in einem Buchartikel über alte Restaurants in Regensburg entdeckte ich eine Karikatur mit der Unterschrift "Stammgäste in der Weißen Lilie". Die Figuren wurden benannt als Venanz Müller (mitte) links Brauereibesitzer Gerzer vom "Zum weißen Bräuhaus", rechts: Joh.Nep. Mühlbauer, Redakteur des Regensburger Anzeigers und Morgenblattes).
Die Karikatur ließ mir keine Ruhe - ich wollte partout wissen, wer dieser Venanz Müller ist und für welche Zeitung er schrieb. Von den alten Regensburger Zeitschriften (wie dem Regensburger Anzeiger oder dem Morgenblatt) wusste ich natürlich längst aus früheren Recherchen. Es dauerte einige Zeit, bis ich den Redakteur der richtigen Zeitschrift zuordnen konnte, und so erfuhr ich von der Existenz des Deutschen Hausschatzes.