Regensburger Tagebuch

Notizen von der nördlichsten Stadt Italiens

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Der verschollene Hafenkanal um die Steinerne Brücke

Gab es ihn wirklich, und wenn ja, wie sah er aus - der verschollene Kanal, der die Steinerne Brücke umgehen sollte? Und der im oberen Bereich erweitert gewesen sein soll, den Schiffen also möglicherweise als Hafen diente?

Ausschnitt aus Regensburg, Weltchronik von Schedel, 1493 ff
 Mit diesem Artikel will ich keine Forschung betreiben, sondern nur dem Durchschnittsleser diese - eigentlich spannende - Geschichte  vorstellen, die sonst nur den Fachleuten und wenigen Interessierten bekannt ist. Einzelheiten können Sie u.a. in den beiden unten genannten Fachaufsätzen lesen, die freundlicherweise in vollem Wortlaut im Internet zur Verfügung stehen.



Rund um den südlichen Brückenkopf


Kanaltheorie

Die früheren Regensburger Geschichtsforscher, vor allem Th. Gemeiner und A. Schmetzer, gingen  von diesem Hafenkanal aus.  Aber nicht, weil sie entsprechende Informationen in den Unterlagen fanden, sondern  wegen eines Bildes. Ein Holzstich von Wolgemut, mit einer Stadtansicht von Regensburg von Norden her.

Der Stich war  im Jahre 1493 erschienen, war also schon ein jahrhunderte altes "historisches" Bild, aus Sicht der damaligen Forscher.

In diesem Bild sieht man zwei Einmündungen, vor und nach der Steinernen Brücke. Es hätten auch Abflusskanäle sein können, oder der Vitusbach, aber man vermutete, dass diese Einmündunen zu einem Umgehungskanal zur Steinernen Brücke gehören.


Man nahm außerdem eine hafenartige Erweiterung am Wiedfang 1 an, basierend auf den Ansichten von Bahre (1630) und Schedel-Wolgemut (Bauer, S. 206)

Am Wiedfang - Lage der vermuteten Einbuchtung, die als Anlegestelle für Schiffe gedient haben könnte
An dieser Stelle, dem Wiedfang, stand das einstige Gasthaus zum schwarzen Elefanten. Während alle übrigen Gebäudebegrenzungen parallel oder senkrecht zum Fluß gerichtet waren, weist der Schmalflügel dieses Hauses eine Abschrägung seiner östlichen Giebelfront auf. Das deutet darauf hin, dass  ein von der Donau abzweigender Schiffskanal in die Stadt eintrat, und dass gleich anschließend, also  am heutigen Wiedfang, eine hafenartige Erweiterung zum Anlegen der Schiffe angenommen werden dürfe.


1829, so ergibt eine der Quellen der Geschichtsschreibunge (Freytag/Hosang I/46) hat man das Brückzollhaus erkauft und eingerissen, dabei entdeckte man, dass die Steinerne ursprünglich 16 Brückenbogen hatte, nicht nur die für uns alle sichtbaren 15 Bögen. Der für uns sichtbare ersten Brücken-"Pfeiler" ist eigentlich der zweite. Der erste Pfeiler wurde also irgendwann überbaut, dort steht jetzt der Brückturm, und links und rechts mittlerweile Amberger Salzstadel und der (Regensburger) Salzstadel.

Es lief also früher mal Wasser durch, dort, wo jetzt Wiedfang, Brückstraße, Thundorfer Str. ist. Die Forscher Gemeiner, Gumpelhaimer und Schuegraf vermuteten einen Kanal.


1925 entwickelte Adolf Schmetzer dann eine ausgefeilte Theorie, abgedruckt in den Schriften des "Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg"
Ich komme nun zu meiner eigentlichen Aufgabe: Wie war die Oertlichkeit unseres Wiedfang beschaffen? 
Da stehen sich bei unseren angesehensten Stadtgeschichtsforschern 2 Meinungen schroff gegenüber: Karl Theodor Gemeiner, dann Gumpelzhaimer und Schuegraf behaupten, es sei oberhalb der Steinernen Brücke ein schiffbarer Kanal hereingegangen, hätte den oben genannten Häuserblock mit der Georgskapelle und die beiden Salzstädel umflossen und sich erst unterhalb der Brücke wieder mit der Donau vereinigt, so daß also die erwähnten Gebäude auf einer Insel gestanden wären. Graf Walderdorff und Pohlig suchen nachzuweisen, daß ein solcher Kanal überhaupt nicht vorhanden gewesen sein könne, und daß der Wiedfang lediglich eine Einbuchtung oberhalb der Brücke gewesen sei ohne jegliche Fortsetzung nach unterhalb.
Die älteren, gegen Süden gesehenen Ansichtspläne der Stadt, die mir zur Verfügung standen, sind folgende: Die Schedlsche Chronik von 1493. Ein Plan von 1580 ohne Namen, aus dem fürstl. Archiv. Der große Holzschnitt von Kirchmeier von 1589. Die Pläne von Peter Opel von 1590 und von Jakob Hufnagel von 1594. Ein Kupferstich im Wert Civitates Orbis Terrarum von Braun und Hogenberg, zwischen 1573 und 1610

Die 2. Frage, ob ein Schiffahrtslanal bestand und wie er verlief, ist nicht so einfach zu lösen. Von den fünf genannten Ansichtsplänen enthält einzig die Schedl'sche Chronik eine leise Andeutung hierüber: bei der Wiedfang-Einfahrt scheint durch Linien eine landeinwärts gerichtete Wafferbewegung dargestellt zu sein und weiter unten, oberhalb der hölzernen Brücke, in derselben Weise ein Wasserauslauf. Die übrigen 5 Pläne geben keinen Aufschluß.

Einen Schritt vorwärts bringt uns der älteste, amtlich vermessene Stadtplan von 1812, in seiner geometrischen Genauigkeit ein äußerst wertvoller Stützpunkt topografischer Forschungen ....
(hier folgen Ausführungen z.B. zum Gatterl und den aufgefundenen 16. Brückenbogen, auf dem der Turm heute steht) ...

Der verschollene 16. Brückenbogen ist also einwandfrei festgestellt. Er kann nur den Zweck gehabt haben, die bei der Brückenerbauung 1135 — 46 noch breiter fließende Donau, deren rechtseitiges Ufer im Vergleich mit dem heutigen Zustand hier um etwa 25 m weiter zurücklag, ohne wesentliche Einschnürung zu überspannen; denn ohne einen
solchen zwingenden Anlaß wäre seine Ausführung unterblieben. Damit ist im Zusammenhalt mit den schon erwähnten anderen Anhaltspunkten die Frage nach dem Bestehen des Schissahrtstanals beim Wiedfang mindestens seit Anfang des 12. Iahrh. in bejahendem Sinn gelöst Man braucht nur von der Wiedfangeinfahrt eine Linie auf den 16. Brückenbogen zu ziehen und nach abwärts bis zum Anschluß an die alte Uferlinie zu verlängern.

(bis hierher: Aufsatz Adolf Schmetzer, Der Wiedfang an der Steinernen Brücke, VHVO  75, 1925 http://digital.bib-bvb.de/view/bvbmets/viewer.0.5.jsp?folder_id=0&dvs=1476012128293~301&pid=1113579&locale=de)
In diesem Aufsatz gab es auch zwei Zeichnungen, eine mit dem vermuteten Kanal, und eine die die "spätere" Ansicht von 1812 zeigte.



So hat sich Schmetzer den Hafenkanal vorgestellt
Skizze aus seinem Beitrag in VHVO 1925, S. 75 ff


Das soll den Zustand im Jahre 1812 zeigen, den Schmetzer aus dem Lageplan von 1812 rekonstruierte
Dort sah man auch das Gatterl, die seltsame Linie parallel zur Thundorfer Straße, bestehend auszwei Reihen von Pfählen

Und in weiterer Ausführung kommt Adolf Schmetzer zu dem Schluss:
"Aus den Plänen und örtlichen Merkmalen ergibt sich somit das
im Lageplan dargestellte Bild des Wiedfangkanals. Da nach dem
Merianplan, der den Bestand zwischen 1630 und 40 darstellt, die Eckhäuser
an der jetzigen schmalen Verbindung zwischen Fischmarkt und
Goldener-Bären-Straße erst später entstanden sind, wäre auch ein unumgänglicher,
geräumiger Holzlagerplatz an dieser Stelle nachgewiesen.
Offenbar hat hauptsächlich die obere Hälfte des Kanales dem Umschlag
vom und zum Schiff gedient, nicht nur für Holz, sondern auch für
Salz und andere Kaufmannsgüter; das beweisen u.a. der große Holzkran,
Kräncher genannt, der unmittelbar unterhalb der Steinernen
Brücke stand, und die drei dortselbst vorhandenen Tore in der Stadtmauer;
ein 4. Tor, nach Gemeiner das kleine Wassertor, war oberhalb
der Hölzernen Brücke" (Adolf Schmetzer, 1925)

Diese Schlussfolgerungen waren aber gar nicht so zwingend, wie Schmetzer tat. Sie passten eigentlich nicht zum Bild von Wolgemut aus der Weltchronik und den dort verzeichneten Einmündungsstellen -  und gerade dieses Bild war ja der entscheidende Anlass für die Kanaltheorie.


Trotzdem wurde fortan diese Ansicht in den Büchern oder Aufsätzen  kolportiert.

Dass die Einmündungen bei späteren Stadtansichten nicht mehr auftaucht, sondern nur noch eine gerade Ufermauer zu sehen ist, sagt dabei nicht viel. Es könnte eben sein, dass der Kanal zwischen 1500 und 1600 zugeschüttet wurde.

Der Kanaltheorie auf den Zahn gefühlt

Spannend wurde es dann 1988.

Seit 1985 liefen die Sanierung des Salzstadels durch die Stadt Regensburg. Im Rahmen der hierzu  Untersuchungen wurden auch Statik und Boden geprüft; 1987 bis 1988 gab es deshalb Grabungen und Radaruntersuchungen in diesem Bereich (Fotos in untenstehendem zweiten Aufsatz)

Die Denkmalschützer machten es sich damals zur Aufgabe, nicht nur den Salzstadel zu betreuen, sondern auch nach dem Schiffskanal zu scuehn.

Diese Suche gestaltete sich schwierig, denn man suchte nach einer breiten Rinne hart am Ufer.  Wie sich herausstellte, gab es wohl tatsächlich eine Fahrtrinne, viel schmäler als vermutet und weiter stadteinwärts.

Und damals fand man sie, die Indizien für einen Kanal.

Es gibt zwei Aufsätze über diese Untersuchungen, jeweils von Dr. Lutz-Michael Dallmeier, eine aus 1988 und eine aus 2011. Im ersten Aufsatz geht es speziell um den Kanal und dort wird ausgeführt, dass es tatsächlich einen gab und was man darüber weiß, was nicht. Illustrationen fehlen hier.

Im zweiten Aufsatz geht es eigentlich um neuere Grabungsbefunde um das gesamte Areal. Dabei tauchten auch Befunde auf, die den (jetzt schon bekannten) Kanal bestätigten. Aber im zweiten Aufsatz gibt es viele Fotos, Bilder und u.a. auch  Skizzen über den Verlauf des Kanals. Diese Bilder sehe ich als wichtige Ergänzung zum ersten Aufsatz an.

1988: 1. Aufsatz,  von Dr. Lutz-Michael Dallmeier
"Archäologische Untersuchungen im Regensburger Salzstadel - Neues zum mittelalterlichen Schiffskanal",
http://www.heimatforschung-regensburg.de/2279/    bzw.  direkt zur pdf:
http://www.heimatforschung-regensburg.de/2279/1/1107021_DTL1744.pdf
2011: 2. Aufsatz, von Dr. Lutz-Michael Dallmeier und Matthias Hensch:
"Geheimnisse der Steinernen Brücke. Neue archäologische Aufschlüsse zur mittelalterlichen Bebauung des südlichen Brückenkopfes"
in: Denkmalpflege in Regensburg Band 12, Regensburg 2011,
auch online lesbar hier auf www.academia.edu (Sie können die vielen Aufforderungen, auf Buttons zu klicken, ruhig ignorieren. Der Text ist direkt auf der Webseite lesbar, Sie müssen nur nach unten scrollen)

Zum Aufsatz aus 1988:

Dr. Lutz-Michael Dallmeier wies zunächst  darauf hin, dass man die überlieferte Kanaltheorie  kritischer sehen und untersuchen müssen, so wie es schon Dr Wanderwitz getan hatte. Im Laufe der Ausführungen aber bestätigte er die Existenz des Kanals:

Gewißheit verschaffte erst die Zusammenschau aller Detailpläne gegen Ende der Untersuchung: In den Profilen zeichnete sich nun in unmißverständlicher Klarheit  ein Querschnitt durch den Kanal ab, welcher entgegen der anfänglichen Vermutungen in der Nordhälfte der Ausgrabungslinie erfaßt war. Rätsel gaben ein paar Pfähle auf. Möglicherweise Reste der römischen Uferbefestigung. Möglich ist eine noch ältere Uferanlage (Ländeplatz) aus karolingischer Zeit, die schon Gemeiner vermutete, für die es aber keine handfesten Belege gibt. (Dr. Lutz-Michael Dallmeier,"Archäologische Untersuchungen im Regensburger Salzstadel - Neues zum mittelalterlichen Schiffskanal, 1988)

Die Rinne war viel schmaler als gedacht, hieß es weiter in dem  Aufsatz,  nur 3 m breit. Das sei aber breit genug für Schiffe. Und sie verlief etwas nördlicher als bisher vermutet.

Aber wo verlief der Kanal?

Entsprechende Skizzen und Pläne fand ich erst in dem zweiten Aufsatz von 2011. Ich kann aus urheberrechtlichen Gründen die Pläne und Fotos nicht kopieren. Ich habe aber den Plan auf einen google-earth-Screenshot übertragen - ansonsten können Sie über obigen Link den Originalaufsatz ansehen (was ich anrege, denn dort sind interessante Bilder und Infos)

Verlauf des verschollenen Regensburger Hafenkanals gemäß den Befunden aus 1988, übertragen auf die google-earth-ansicht von 2014


In einer zweiten Version habe ich die übrigen Details aus der Skizze auf das Luftbild übertragen - in dem Aufsatz von 2011 wurden nämlich auch  andere Örtlichkeiten als der Kanal gesucht und  untersucht:

Rund um den südlichen Brückenkopf




Aus welchem Jahr stammt der Kanal?

Den exakten Zeitpunkt für diese Rinne konnte man nicht definieren, aber eine Eingrenzung war möglich.

Indizien sprechen für einen Bau kurz nach dem Bau der Steinernen Brücke (Dallmeier, S. 235: Erstellung "in rascher zeitlicher Folge auf den Bau der Steinernen Brücke") und ein ungefähres Ende in der "ersten Hälfte des 16.Jahrhunderts"

Lasst uns überlegen: der Brückenbau war von 1135 bis 1146. Und "die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts" bedeutet 1500 bis 1550.

Also auf gut Deutsch: Der Kanal existierte ungefähr zwischen 1146 und 1550.

Nachtrag, 13.10.2016 :
Gemäß Auskunft von Hr. Dr. Dallmeier ergaben sich bei den Grabungen am südlichen Brückenkopf Hinweise darauf, dass der Kanal möglicherweise früher als bisher gedacht verfüllt wurde. Konkretes können nur weitere archäologische Forschungen liefern, die für  nächstes Jahr (2017) im Zusammenhang mit Kanalarbeiten am Wiedfang geplant sind.
.
Damit ist die Geschichte eigentlich beendet. Der einen oder andere interessiert sich vielleicht noch an alten Bildern, die den früheren Zustand von Regensburg zeigen. Diese zeige ich im folgenden und letzten Kapitel:

Wo taucht der Kanal oder das Ufer  in früheren Ansichten auf?

Vor allem in der Schedelschen Weltchronik. Dort ist  eine der ältesten und wertvollsten historischen Ansichten unserer Stadt. 1493, kurz nach der Erfindung des Buchdrucks erschien dieses an die Allgemeinheit gerichtete Werk von Hartmann und  Schedel. Es enthielt sowohl zusammengetragenes Wissen als auch eigens für das Buch erforschte Wissen über die Regionen und Städte der Welt

Das Bild über Regensburg stammt von Michael Wolgemut.  Ich habe allerdings verschiedene Ausführungen des Stichs in verschiedenen Auflagen des Buchs (oder Spezialdrucke auf Blättern) gefunden - es gibt wie immer bei solch alten Ansichten nicht einfach "das" Originalbild.



Regensburg aus Weltchronik von Hartmann-Schedel




Eine kolorierte Ausgabe der Weltchronik
Ein eigenständiger Stich, der nicht aus dem Buch direkt stammt, sondern getrennt davon in Umlauf gebracht wurde



Oberer Eingang des Hafenkanals (Blick von Norden nach Süden)
Ausschnitt aus der Darstellung von Regensburg, in Schedelsche Weltchronik, ca 1493
Holzschnitt von Michael Wolgemut





Unterer Ausgang des Hafenkanals (wahrscheinlich zu weit links dargestellt)


Eine äußerst gut erhaltene Version der Schedelschen Weltchronik wurde hochauflösend eingescant und als  zoombare Ansicht auf bavarikon zur Verfügung gestellt: http://bavarikon.de/object/BSB-BAR-0000000000117650 . Das ist mit Abstand das beste Digitalisat dieses Regensburg-Bildes, das ich im Laufe der Jahre im Internet fand.

Aber Vorsicht - andere Scans sind auch bedeutsam, da man dort abweichende Darstellungen findet. Es geht nicht um die qualität alleine. Wie schon gesagt - es gibt streng genommen kein "Original", wie die Beispiele oben zeigen.


Der vermutete Hafenkanal in der Schedelschen Weltchronik - Zufluss? (es hätte natürlich auch ein Kanaleinlauf sein können, denn was hinter den Häusern ist, kann man nicht erkennen)


Das vermutete Ende des Hafenkanals, weiter flussabwärts bei der Thundorfer Straße, kurz vor der damals Hölzernen Brücke (heute Eiserne Brücke; den Turm gibt es heute nicht mehr). Hier wurde aber schon von früheren Historikern angenommen, dass die Lage nicht stimmen kann und zu weit flussabwärts liegt.







Seltsamerweise taucht dieser hier ganz deutliche Kanal in späteren Ansichten nicht oder nicht so deutlich auf, was die Historiker natürlich beschäftigte.

Beispiel: bei diesem Stich von Valegio, der ungefähr aus dem Jahr 1600 stammt, sieht man keinen  deutlichen Kanal:

Das ist Regensburg, wurde nur versehentlich als Straubing bezeichnet - eine in Fachkreisen* bekannte Verwechslung aus der Anfangszeit der Stadtansichten. (* in Fachkreisen, wohlbemerkt. Bis ICH da durchblickte, hatte ich tagelang heftige Zustände der Verwirrung bei meinen Recherchen)



Ausschnitt aus dem Bild von Valegio

Sogar die stark vereinfachte Darstellung von Regensburg in dem Bild "Elsula Alpina", 1502, deutet Kanaleinmündungen an.

Elsula Alpina, 1502, mit Regensburg in der Mitte
Holzschnitt von H. Süss  nach C. Celtis aus Quatuor libri amorum, Nürnberg, 1502
Das Buch Quator libri amorum (kurz AMORUM) ist ein Werk mit Liebesgedichten  bzw. Lobpreisungen (Liebe an die 4 typischen Ansichten Deutschlands, die der Autor bereist hat)  und hatte nicht den Zweck, dem Leser Städteansichten zu zeigen oder geographisches Wissen zu vermitteln. Das Bild gehört zum  zweiten der vier Liebes-Bücher, also die zweite Tafel, mit Sicht nach "Süden" und dem Titel "Alpen". Elsula ist der Name der Frau, die er mit dem Süden verbindet. Der Dichter Celtis lebte und arbeitete zeitweise in Regensburg, daher wohl das Regensburgbild in der Mitte. Das 1198 gegründete München war ihm offenbar nicht so wichtig. München wurde erst vier Jahre später zur Hauptstadt von Bayern, als dieses Werk gedruct wurde

Ein Stich von Hufnagel zeigt nur andeutungsweise eine Einbuchtung, die eine bestehende oder ehemalige Hafeneinfahrt gewesen sein könnte:



Auszüge aus der Zeichnung von Hans Georg Bahre "Abriss der Stadt Regensburg im Jahre 1630", die Ihr auch im Welterbe-Besucherzentrum im Salzstadel ansehen könnt (siehe auch speziellen Artikel im Regensburger Tagebuch: Historisches Regensburg: 8 Meter Darstellung der Stadt 1630)
 zeigt nur noch gerade, befestigte Ufermauern (wie auch andere Stadtansichten)
Auszug aus Abriss der Stadt Regensburg im Jahre 1630, Bild 3.2 (Ausschnitt)
 und, sozusagen rechts anschließend:
Auszug aus Abriss der Stadt Regensburg im Jahre 1630, Bild 3.3 (Ausschnitt). Man sieht das Ohm-Türlein, das heute noch am Wiedfang zu sehen ist, und weit und breit keine Einbuchtung.


Dann die Stadtansicht von Kirchmaier, 1589, 6 Holzstiche, die eine Gesamtansicht von Norden ergeben "Warhafftige Contrafactur des heiligen Römischen Reichs Freistatt Regenspurg mit Irer Gelegenheit gegen Mitternacht“, http://regensburg-historisch.blogspot.de/2014/01/1589-warhafftige-contrafactur-des.html zoombare Version auf: http://www.bavarikon.de/object/bav:BSB-BAR-0000000000118505

Hier der einschlägige Ausschnitt:

 


und ein Ausschnitt aus der Regensburg-Ansicht in Merians "Topographia", 1646


Und die wohl älteste Regensburgdarstellung: Hans Part, Belagerung von Regensburg, Teil aus dem Tafelbild Babenberger-Stammbaum, zeigt Regensburg nur symbolisch und hilft deshalb von vornherein nicht weiter:

Hilft nicht viel: die Regensburg-Ansicht von Hans Part


Ach ja: hier ist der Link zum Aufsatz von Schmetzer:


http://digital.bib-bvb.de/view/bvbmets/viewer.0.5.jsp?folder_id=0&dvs=1476012128293~301&pid=1113579&locale=de#