Regensburger Tagebuch

Notizen von der nördlichsten Stadt Italiens

Montag, 3. August 2020

Madesta gibt ihre Galerie auf

Fr. Dr. Madesta, Galerienabend 2016,
damals in der Oberen Bachgasse


Als ich vor ein paar Tagen in der Wahlenstraße entdeckte, dass die Galerieräume von Andrea Madesta komplett leer sind, vermutete ich es schon. Mit einer heutigen Nachricht in der Tageszeitung ist es traurige Gewissheit: Andrea Madesta hat ihre Galerie  endgültig aufgegeben (Andrea Madesta zieht die Reißleine, MZ, 3.8.2020).

Als Gründe werden im Zeitungsbericht von Marianne Sperb der Wandel im Kunstmarkt, steigende Unkosten und schlussendlich die Auswirkungen von Corona genannt. Zum 1.7.2020 wurden die Räume an den Vermieter übergeben.

Dass sich eine Galerie dieser Größenordnung in der Altstadt nicht so einfach halten lässt, darüber diskutierten Kunstinteressierte schon länger. Dass Corona dann dem Galeriebetrieb "den Rest gibt", war zu befürchten.

Andrea Madesta, ehemals Leiterin  der Ostdeutschen Galerie, übernahm Anfang 2014 die damals dienstälteste Galerie in Regensburg, nämlich die Galerie von Peter Bäumler in der Oberen Bachgasse. Diese existierte von 1973 bis zum 31.12. 2013, dann ging Peter Bäumler in den Ruhestand.

 Frau Madesta führte die Galerie  anfangs unter altem Namen fort, später firmierte sie mit eigenem Namen. Am 1. Januar 2018 zog sie in die Wahlenstraße 3 um.


Peter Bäumler hatte damals seiner Nachfolgerin nicht einfach die Räume übergeben, sondern ihr auch für drei Jahre die Namensfortführung erlaubt und ihr Hilfestellung und Unterstützung zugesichert. So hieß die Galerie ab 2014 bis einschließlich 2015 "Galerie Peter Bäumler, Inhaberin Dr. Andrea Madesta".  Die dreijährige Namensunterstützung nutzte sie nicht aus. Ab Anfang 2016 firmiert die Galerie  unter ihrem neuen, eigenen Namen: Galerie Andrea Madesta.


Andrea Madesta wurde 1964 in Fürth geboren und studierte Architektur, Literatur- und Kunstgeschichte an der Universität Erlangen-Nürnberg, 1999 promovierte sie bei Prof. Susanne von Falkenhausen an der Berliner Humboldt-Universität mit einer kunstgeschichtlichen Arbeit. Danach war sie  stellvertretende Leiterin der Kunsthalle Nürnberg, ab 2004 leitete sie das Museum Moderner Kunst Kärnten in Klagenfurt. 2009 bis 2010 war sie Leiterin der Ostdeutschen Galerie in Regensburg.  

Vor iherer Galerientätigkeit hatte Frau Dr. Andrea Madest im Jahre 2009 das Kunstforum Ostdeutsche Galerie übernommen, das bei Insidern schon mal als Schlangengrube bezeichnet wurde. Der dortige frühere Leiter Lutz Tittel ging beispielsweise im Streit - er prozessierte gegen seine Entlassung. Und Frau Madesta wurde nach nur einem Jahr auch entlassen - mit viel Wirbel und hässlichen Medienberichten. Der damals anstehende Kündigungsschutzprozess hätte weitere Schmutzwäsche bedeutet. Der Kündigungsschutzprozess wurde dann durch einen Aufhebungsvertrag mit Abfindung erledigt „Die Kampagne von Seiten der Stadt gegen mich war so negativ, dass meine Karriere ohnehin nicht mehr zu retten ist“, sagte sie dem Wochenblatt in einem Artikel vom 20.1.2011

Während ihrer Galerientätigkeit hatte sie als Beraterin und Gutachterin gearbeitet. Auf diese Tätigkeit will sie sich jetzt konzentrieren, ist aus dem MZ-Artikel zu erfahren. Frau Madesta denke außerdem über Pop-up-Standorte nach, also temporäre Ausstellungen zum Beispiel in leerstehenden Räumen. Das ist nichts Neues, aber bei der  Entwicklung der letzten Jahre vielleicht ein immer gewichtigeres Thema.

Siehe auch:
Zur Geschichte der Regensburger Galerien Teil 2
https://www.regensburger-tagebuch.de/2016/11/zur-geschichte-der-regensburger_4.html
Meine Galerienseite habe ich auch gleich auf neuesten Stand gebracht:
https://www.regensburger-tagebuch.de/p/galerien-in-regensburg.html