Regensburger Tagebuch

Notizen von der nördlichsten Stadt Italiens

Montag, 27. September 2021

Mehr als 30 Jahre Städtepartnerschaft Odessa - Regensburg

Oberbürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer (und ukrainische Übersetzerin)
im historischen Reichssaal



Seit 31 Jahren gibt es eine Städtepartnerschaft mit Odessa, einer ukrainischen Millionenstadt am Schwarzen Meer. Gegründet wurde die Partnerschaft am 4. November 1990 von der damaligen OB Christa Meier mit dem Vorsitzenden des Exekutivkomitees Valentin Simonenko. Die Ukraine war damals noch nicht unabhängig, sondern Teil der Sowjetunion.

Seither haben sich zahlreiche freundschaftliche Verbindungen und enge Beziehungen zwischen beiden Städten entwickelt. Die bestehenden Kontakte und Aktivitäten sind nach Angaben der Stadt Regensburg vielfältig und reichen von Schulpartnerschaften, regelmäßigen Kinder- und Jugendbegegnungen über gemeinsame kulturelle Projekte und humanitärer Hilfe bis hin zum fachlichen Austausch zum Beispiel zum Thema Inklusion oder grüne und nachhaltige Stadtentwicklung.

Das Jubiläum

Letztes Jahr war also 30jähriges Jubiläum. Da konnte wegen der Pandemie nicht gefeiert werden. Es gab nur eine "virtuelle Reise" mittels Internet-Fotos auf https://www.regensburg.de/regensburg-507/sehenswert/eine-virtuelle-reise-in-die-partnerstadt-odessa

Aber dafür hat man heuer, vom 17. bis 20. September 2021, eine Delegation aus der ukrainischen Partnerstadt nach Regensburg eingeladen,  und somit geschickt in die "interkulturellen Wochen" integriert.

Der Odessa-Anker 

Ein Höhepunkt des Besuchs war am 19. September 2021 die feierliche Enthüllung des Odessa-Ankers am Marc-Aurel-Ufer neben der Thundorfer Straße, nahe an der Eisernen Brücke. Die Bronze-Skulptur, entworfen von einem ukrainischen Künstler, ist ein Geschenk der Partnerstadt.. Der Odessa-Anker ist Wahrzeichen von Odessa, die auch Perle des Schwarzen Meer genannt wird. Ich war an diesem Tag mit Samstagsvorlesungen beschäftigt und dachte, es wird genug Berichte über die Enthüllung geben. Ich fand aber nur ein einziges Foto im Internet.

 
Bei der besonderen Feierstunde war auch Oberbürgermeister Gennadyi Trukhanov anwesend und blickte mit Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer auf 30 Jahre Städtepartnerschaft zurück. Gemäß dem Bericht der Mittelbayerischen bedankte er sich über die HIlfen, die in den letzten drei Jahrzehnten aus Regensburg in die Ukraine flossen, darunter Spenden, Krankenbetten und Krankenwagen. Im Gegenzug baut die Stadt Odessa gerade in Zusammenarbeit mit dem Regensburger Gartenamt einen „Regensburg-Park“, der nächstes Jahr eröffnet werden soll..

Foto-Ausstellungen

Am Ufer sieht man in der Zeit bis zum 10. Oktober Fotografien und Texte über Odessa.

Außerdem gibt es im "Besucherzentrum Welterbe" im Salzstadel von 19. bis 26. September Bilder von befreundeten Künstlern die bereits vor vielen Jahren im Rahmen eines gemeinsamen Kunstprojektes entstanden sind. Sigfried Jordan aus Regensburg hat Bilder von sich und seinem odessitischen Freund und Maler, Vadim Tselousov und weiteren beteiligten Künstlern hervor geholt und zeigt sie noch einmal der Öffentlichkeit.

Das Jazz-Konzert

Und "wie es sich unter Freunden gehört" (so formulierte es die Oberbürgermeisterin) wurden die ukrainischen Besucher zu einem Konzert eingeladen. Dabei hat es die Stadt Regensburg geschafft, die international angesehene Jazz-Sängerin " Tamara Lukasheva" und ihr Quartett nach Regensburg zu holen. Lukasheva stammt aus Odessa und lebt seit 2010 in Deutschland. Ihr Quartett hat sie in den ersten Wochen nach ihrer Ankunft organisiert.

Das Konzert war öffentlich und kostenlos. Es war ursprünglich im Thom-Dittmer-Innenhof geplant, wurde aber wegen des Kälteeinbruchs in den historischen Reichssaal verlegt. Eine gute Wahl, und ein wunderbares Konzert.






Die Stadt

Nun möchte man sich natürlich auch ein wenig über diese Stadt informieren, mit der man so lange verbandelt ist. Die privaten Reiseberichte auf den entsprechenden Internetportalen sind erst einmal eher ernüchternd: aus Sicht von Touristen wird oft ein Bild geschildert, wie wir es von der DDR nach der Grenzöffnung kennen: Straßen und Gehwege voller Schlaglöcher und verfallene Gebäude, die ihren malerischen Reiz haben mögen. Auch die Fotos auf Pixabay scheinen das zu bestätigen, wobei diese natürlich nicht immer aktuell sind, sondern auch aus den Neunzigern stammen können. Aber abgesehen davon, dass es auch viele positive Berichte gibt, sehe ich eine Parallele zum Regensburg der siebziger Jahre: die Stadt verändert sich nun mal, wie viele andere Städte in Ost und West, und zwar rasch. Die Jazz-Künstlerin Lukasheva erwähnte am Konzertabend, dass sich die Stadt in den letzten 10 Jahren ganz wunderbar weiter entwickelt habe, und sie bedankte sich dafür beim ukrainischen Bürgermeister. 

Erste Informationen über die Stadt findet man auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Odessa




Siehe auch
https://www.tvaktuell.com/jubilaeum-ueber-30-jahre-staedtepartnerschaft-zwischen-odessa-und-regensburg-435232/
https://www.regensburg.de/regensburg-507/kurz-knapp/feierliche-enthuellung-des-odessa-ankers